Aarau
«Pont neuf darf etwas kosten»: Einwohnerrat sagt Ja zu Kettenbrücke-Ersatz

Der Einwohnerrat Aarau genehmigt mit deutlichem Mehr das Projekt für den Ersatz der Kettenbrücke und den dafür nötigen Kostenanteil der Stadt im Umfang von gegen 10 Millionen Franken.

Hubert Keller
Merken
Drucken
Teilen
Pont Neuf in Aarau

Pont Neuf in Aarau

Visualisierung ZVG

Die neue Aarebrücke «Pont neuf» sei das «städtebauliche Schlüsselprojekt», vergleichbar mit dem Bahnhof, sagte Markus Hutmacher (Grüne). Peter Jann (GLP) sprach von einem «prägenden und identitätsstiftenden Bau». Sogar Beat Krättli (SVP) vertrat die Meinung, dass die neue Brücke ein «wichtiges Wahrzeichen» sei und man deshalb die «teure Kröte» schlucken sollte.

Nur die FDP sprach sich mit ihrem Abänderungsantrag für eine Variante aus, die sich auf den Ersatz der Brückenplatte auf den alten Widerlagern beschränken und die Stadt statt der rund 10 lediglich gut 3 Mio. Franken kosten würde. Doch gerade mal elf Einwohnerräte folgten der FDP.

In der Schlussabstimmung sprachen sich 33 Einwohnerräte für das Neubauprojekt «Pont neuf» aus, 12 waren dagegen, 3 enthielten sich der Stimme. Noch muss das Volk dem Projekt zustimmen. Der Beschluss des Einwohnerrats unterliegt dem fakultativen Referendum.

30 Prozent von 33 Millionen

Kanton und Stadt werden sich die Kosten von rund 33 Mio. Franken im Verhältnis 70 zu 30 teilen. Am 23. September 2013 waren dem Einwohnerrat die knapp 10 Mio. Franken noch zu viel gewesen. Das Projekt wurde zurückgewiesen mit dem Auftrag an der Stadtrat, mit dem Kanton nochmals über den Kostenteiler zu verhandeln. Ohne Erfolg, wie sich zeigte. Der Stadtrat machte denn auch deutlich, dass der Kantonsregierung «neue, objektive und sachliche Gründe» für einen anderen Verteilschlüssel hätten vorgelegt werden müssen.

An der Einwohnerratssitzung am Montag, 24. März, machte nur die FDP-Fraktion finanzielle Argumente geltend. «Die Investitionen in die Uferpartien stehen in keinem Verhältnis zu den Kosten», sagte Christian Oehler. Die Passage beim südseitigen Brückenpfeiler sei für alle Nutzer ausreichend, auf der Nordseite seien mit einfachen Mitteln Verbesserungen möglich. Beat Krättli von der SVP war zwar auch der Meinung, dass es sich beim «Pont neuf» um eine Luxuslösung handle. Doch, fügte er an, sparen müsse auch Sinn machen.

Alle andern Fraktionen hoben die städtebauliche und ästhetische Bedeutung des Projekts hervor und unterstrichen den Nutzen, den insbesondere die Fussgänger und Radfahrer aus dem Projekt zögen. «Die beengten Verhältnisse werden behoben», sagte Andrea Dörig (SP).

«Kurzfristige Finanzpolitik»

Stadtrat Werner Schib hatte ein leichtes Spiel: «Das Kosten-Nutzen-Verhältnis spricht für das Projekt ‹Pont neuf›», sagte er. Und den Vorschlag der FDP konterte er mit dem Hinweis, dass es sich dabei nur um eine grobe Kostenschätzung handle, der nicht mal ein Vorprojekt zugrunde liege. «Eine Ablehnung des 10-Millionen-Kredits für den Neubau aus finanziellen Gründen, wäre bei einem Projekt, das für die nächsten 100 Jahre gebaut wird, zudem finanzpolitisch sehr kurzsichtig», erklärte Stadtrat Schib.