Bea Bossard ist Präsidentin der Gemeinnützigen Frauen (GFA), der Betreiberin der Kindertagesstätten Känguru Aarau (rund 200 Kinder, um die 50 Angestellte an vier Standorten). Sie ist gar nicht zufrieden, wie es in Aarau mit dem Kinderbetreuungsreglement läuft. Und sie wehrt sich dagegen, dass den Kita-Betreibern die Schuld am aktuellen Puff in die Schuhe geschoben wird. Am Chaos, dass jetzt in die Verlängerung geht, weil der Einwohnerrat das Reglement auf Antrag der SP an den Stadtrat zurückgewiesen hat .

Bea Bossard spart nicht mit Vorwürfen an die Stadt: «Das hin und Her geht nicht. Wir unterschreiben nichts mehr.» Und sie signalisiert Verständnis für die Wut der Eltern: «Das ist kein Zustand.» In einem allerdings bleibt sie hart: Die von Kita-Betreibern wie den GFA per Januar 2019 vorgenommenen Preiserhöhungen seien gerechtfertigt. Eine Ganztagesbetreuung schlägt beispielsweise von 110 auf 115 Franken auf. Weitaus krasser ist der Fall beim Mittagstisch, für den die SGF statt 15 neu 30 Franken verlangen (inklusive Betreuung). Grund für den Preissprung sei der Wegfall einer städtischen Subvention.

In Aarau haben laut Bossard drei Kitas eine Leistungsvereinbarung mit der Stadt. Diese hat es ihnen verunmöglicht, Preise anzupassen. Bea Bossard spricht von einem Knebelvertrag. Den Kitas sei es in all den Jahren nicht erlaubt gewesen, Gewinne zu erwirtschaften und Reserven zu bilden. Verluste hätten sie dagegen tragen müssen. Künftig können sie die Preise selber gestalten. Und zumindest die Gemeinnützigen Frauen haben die Chance genutzt, ihr Personal etwas besser zu bezahlen. «Wir haben allen Kita-Angestellten Lohnerhöhungen gegeben», sagt Bea Bossard.

Die Eltern leiden darunter, dass sie ab 1. Januar die Beträge neu bevorschussen und dann bei der Stadt zurückfordern müssen. Nicht nur bei den Gemeinnützigen Frauen, sondern etwa auch beim Verein Erziehung und Bildung (VEB, «Spielvilla»). Das wäre eigentlich nicht nötig, weil die städtische Übergangslösung sicher bis Ende Februar und wegen der Rückweisung des Reglements noch weit darüber hinaus gültig sein wird.

Aber das wussten die Kita-Betreiber noch nicht, als sie Ende Oktober die Verträge mit den Eltern fristgerecht kündigten. Und auf die Kündigungen zurückkommen wollten sie nicht, um, wie es Bea Bossard sagt, das Chaos nicht noch grösser werden zu lassen. Eltern, denen die Vorfinanzierung Mühe bereitet, können auf die Hilfe der GFA zählen. Sie spielen Bank – zinsfrei. Und die Kita-Angestellten helfen beim Ausfüllen der Formulare, etwa für die Rückforderung. «Viele Eltern sind wegen der Kompliziertheit der Stadt überfordert», sagt Bea Bossard.

Und was ist mit dem Gerücht, dass viele Eltern die Ende Oktober verschickten neuen Verträge noch gar nicht unterschrieben haben? Es stimmt. «Etwa 40 Prozent der Eltern warteten den Montag ab, in der Hoffnung es bestehe dann Klarheit – was jetzt nicht der Fall ist», so Bossard. Sie werden ihre Kinder wohl weiterhin – vorerst vertragslos – in die Kitas bringen. (uhg)