Aarau

Regierungsrat Hofmann: «Es gab keinen Hinweis, dass Rockwell einen Abbau plant»

Eingang zum Rockwell-Sitz in Aarau, der von den Abbaumassnahmenbetroffen ist. Urs Hofmann erfuhr am Montag vom Verlust der Arbeitsplätze.

Eingang zum Rockwell-Sitz in Aarau, der von den Abbaumassnahmenbetroffen ist. Urs Hofmann erfuhr am Montag vom Verlust der Arbeitsplätze.

Der US-Industrie- Konzern Rockwell Automation will seine Produktion in Aarau komplett einstellen. Total 250 der insgesamt 500 Arbeitsplätze werden bis 2021 wegfallen. Auch für Regierungsrat Urs Hofmann kommt der Schritt überraschend.

Am Dienstag um 12.30 Uhr informierte Rockwell Automation seine Angestellten und die Gewerkschaften. Der US-Industriekonzern schliesst die Produktion am Standort Aarau komplett; 250 Arbeitsplätze gehen verloren. So berichtet es die Gewerkschaft Syna.

«Rockwell hat es uns am Dienstag so berichtet», so Syna-Vertreter Diego Frieden zur AZ. Wie viele Arbeitnehmer der Stellenabbau treffen werde, sei noch nicht bekannt. «Wir befürchten, dass es mehr als 250 sein könnten, aber wir haben keine verbindlichen Zahlen bekommen.»

Gegenüber den Gewerkschaften wurde der Abbau mit den hohen Kosten in der Schweiz begründet. «Rockwell will seine Produkte-Palette erneuern. Dafür wird sie in die Produktion investieren; nur nicht in der Schweiz, sondern in Polen oder in China», sagt Frieden. Daher werde einzig am Standort Schweiz die Produktion gestrichen.

Abbau in Etappen

Nach den Informationen der Gewerkschaft wird der Abbau nicht auf einen Schlag erfolgen. Mitte 2018 werden erste Schritte unternommen. Ende 2021 soll die Produktion dann komplett eingestellt sein. Entsprechend werden auch die Stellen gestaffelt abgebaut.

Die Produktion fällt weg – weniger Sorgen müsse man sich hingegen um die anderen Arbeitsplätze machen, so die Syna. «Für die Stellen in Marketing, Vertrieb oder Kundenbetreuung haben wir keine Signale für einen Stellenabbau bekommen», sagt Frieden.

Rockwell hält sich auf Anfrage noch etwas bedeckt. Roger Hunziker, Verkaufsleiter in der Schweiz, sagt: «Wir können noch nicht definitiv sagen, wie viele Stellen betroffen sein werden.» Man befinde sich erst am Anfang eines längeren Prozesses. «Wir wollten so früh wie möglich informieren, damit wir die Leute auf diesem Weg mitnehmen können.» Der Aargauer Regierungsrat und der Aarauer Stadtrat seien bereits am Montag in Kenntnis gesetzt worden.

Kahlschlag bei Rockwell

Bis zu 250 Arbeitsplätze der Firma Rockwell gehen verloren. Grund dafür ist die gestaffelte Verlagerung der Aarauer Produktion auf andere Standorte.

«Globaler Kostendruck»

Nach einer ersten Information gehe Rockwell Automation nun in die Detailplanung, so Hunziker. Sei diese abgeschlossen, werde man die Sozialpartner und die Behörden über den definitiven Stellenabbau informieren.

Den Stellenabbau erklärt Hunziker mit einer «Änderung der globalen Produktionsstrategie, die heute bekannt gegeben wurde.» Die Produktion werde schrittweise von Aarau an andere Standorte von Rockwell verteilt. «Mit diesen Massnahmen wollen wir dem globalen Kostendruck standhalten können.» Die Gewerkschaft Syna kritisiert den Stellenabbau vehement: «Die neue Strategie ist nicht nachvollziehbar. Das Unternehmen ist kerngesund und hochprofitabel.» Immerhin, so Syna-Mann Frieden, habe das Unternehmen frühzeitig informiert. Darin liege eine Chance für die Arbeitnehmer.

«Die Mitarbeiter landen nicht innerhalb weniger Monate auf dem Arbeitsmarkt. Es bleibt eine gewisse Zeit, sie vorzubereiten», sagt Frieden. Diese Chance müssten die Behörden und Rockwell im Kanton Aargau nutzen. Die Firma habe gegenüber ihren Mitarbeitenden eine Verantwortung diesbezüglich und würde so von ihrer Erfahrung weiter profitieren können. «Sie müssen diese Arbeitnehmer unterstützen, damit diese bald zu einer neuen Arbeit kommen können.» Hingegen kämen die Regionalen Arbeitsvermittlungs-Zentren mit ihren Massnahmen häufig zu spät.

Die Stadt Aarau hingegen scheint vor allem Rockwell Automation in der Verantwortung zu sehen. «Wir erwarten von Rockwell, dass für die betroffenen Mitarbeiter sozialverträgliche, faire und gute Lösungen gefunden werden», sagt Jolanda Urech gegenüber TeleM1. Die Stadtpräsidentin zeigte sich schockiert: «Jeder Arbeitsplatz, der verloren geht, tut weh.»

Mit Rockwell baut abermals ein US-Konzern im Aargau radikal Stellen ab. Zuvor hatte General Electric den Rotstift angesetzt. Erst fielen in der Region Baden/Brugg an die 900 Stellen weg. Im Juli folgte die Ankündigung, am Standort in Birr würden 100 Jobs gestrichen. Auch sonst leidet der Standort. Die Industrie-Exporte hatten sich 2016 noch nicht von der Finanzkrise erholt.

Kein Hinweis auf einen Abbau

Regierungsrat Urs Hofmann weiss seit Montag Bescheid über den Schritt. «Rockwell hat mich kurz informiert.» Der Konzern schrieb dem Regierungsrat, die Produktion werde bis 2021 eingestellt; der Abbau beginne 2019. (Den Gewerkschaften wurde Mitte 2018 genannt; Anm. Red.) «Bis am Montag gab es keinen Hinweis darauf, dass Rockwell einen Abbau plant.» Auch an einem kürzlich durchgeführten Treffen von Regierungsrat und verschiedenen Unternehmen hätten dessen Vertreter nichts angedeutet. «Wir werden sicher Gespräche aufnehmen», sagt Hofmann. Zuerst müsse Rockwell aber den genauen Ablauf des Abbaus festlegen.

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