Interview

Repol-Suret-Chef: «Ich bin sehr froh, dass wir nun den Sonderstatus verlieren»

Thomas Zbinden (53) ist seit 1997 Polizist in Suhr und seit 2003 Chef der Repol Suret.

Thomas Zbinden (53) ist seit 1997 Polizist in Suhr und seit 2003 Chef der Repol Suret.

Gränichen, Suhr und Buchs halten an der Repol Suret fest. Zur grossen Freude von Chef Thomas Zbinden.

Herr Zbinden, seit Dienstagabend ist klar: Die Repol Suret mit Suhr, Gränichen und Buchs bleibt bestehen. Wie gross ist die Erleichterung?

Thomas Zbinden: Ich bin tatsächlich erleichtert. Man weiss ja nie, ob nicht doch noch etwas Unvorhergesehenes passiert. Aber es wurde immer gut kommuniziert von allen Seiten, deshalb war ich mir relativ sicher, dass die Bevölkerung hinter uns steht. Das dreimalige Ja ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Die einzige Schrecksekunde haben Sie ausgerechnet in Suhr erlebt; hier stellte ein Votant den Antrag, Suhr möge sich doch der Stadtpolizei Aarau anschliessen. Hat Sie dieser Antrag erstaunt?

Ja, insbesondere weil der Herr vor der Gemeindeversammlung noch zu mir kam und sagte, er stelle einen Antrag, der uns zugutekäme. Ich weiss nicht, was er damit gemeint hat.

Wäre der Antrag angenommen worden, hätte Sie das in Schwierigkeiten gebracht.

Richtig. Wir hätten nicht umgehend eine andere Lösung aus dem Hut zaubern können, sondern hätten unseren Sonderstatus weitere sechs Jahre behalten. Erst dann wäre es möglich gewesen, aus dem Vertrag mit Buchs und Gränichen auszuscheiden.

Nun sind diese Sorgen vom Tisch, die Repol Suret verliert per 1. Mai 2020 den Sonderstatus. Neu gibt es nur noch einen Posten in Suhr, alle Polizisten sind in Suhr angestellt.

Ich bin sehr froh, dass wir den Sonderstatus nach 16 Jahren verlieren. 2003 sind wir als erste Repol im Kanton gestartet. Damals kamen die Leute wegen eines gestohlenen Velos auf den Polizeiposten, vor 16 Jahren war das noch ein Bedürfnis. Heute füllt man die Formulare online aus. Die Bedürfnisse haben sich verändert, aber die Strukturen sind geblieben. Wir mussten also über 16 Jahre immer jeden der fünf Posten besetzen. Das hat Ressourcen gebunden, die wir anders hätten einsetzten können. Es wurde Zeit, das zu ändern.

Die Neustrukturierung angeschoben haben die Gemeinden Hunzenschwil und Rupperswil 2018 mit ihrer Vertragskündigung. Damals wurde die Repol Suret von den Gemeindebehörden kritisiert. Wie ist das Verhältnis heute?

Unter uns Kollegen gehen wir im Guten auseinander. Auch wenn es ein Verlust ist. Drei Kollegen verlieren durch das Ausscheiden ihre Stelle. Sie alle wussten davon, wurden auch nur temporär angestellt. Aber es sind fähige, gute Männer und Frauen, die wir alle gern behalten hätten. Wir starten am 1. Mai mit einem zwölfköpfigen Korps, wie das für unser Gebiet mit 26000 Einwohnern vorgeschrieben ist. Wächst die Bevölkerung, werden wir aufstocken.

Die nächste Prüfung zeichnet sich ab: der Zukunftsraum. Was, wenn Suhr beitritt?

Der Entscheid über den Zukunftsraum ist die nächste Weggabelung. Buchs wird ja bestimmt nicht beitreten, Gränichen auch nicht. Der Posten in Suhr würde weiterhin bestehen, so viel ist bereits heute sicher. Aber alles andere wird sich zeigen. Wir rechnen mit einem Zeithorizont von sechs Jahren.

Was muss ich ab Mai tun, wenn ich einen Einbrecher beobachte?

Sie rufen die Nummer 117, wie bis anhin. Daran ändert sich nichts. Ist unsere Patrouille besetzt, wird eine Patrouille einer anderen Repol oder der Kantonspolizei aufgeboten.

Wie weit ist die Umstrukturierung rein physisch aufgegleist?

Aktuell richten wir in Suhr den Posten ein. Den Raum haben wir, es braucht einfach zusätzliche Arbeitsplätze. In Buchs und Gränichen werden die Posten geräumt. Stand heute wird dies Ende April 2020 sein.

Wie sieht der Fuhrpark der künftigen Repol Suret aus?

Heute stehen in Suhr zwei Fahrzeuge, ein Polizeiauto und ein ziviles. Künftig werden es fünf sein; drei Polizeiautos und zwei zivile. Suhr übernimmt die Polizeiautos aus Gränichen und Buchs.

Buchs hat das Polizeiauto eben gekauft. Zahlt Suhr dafür mit?

Richtig, das neue Auto habe ich bestellt, weil Buchs bereits seit diesem Jahr direkt mir unterstellt war. Bezahlt wird das Auto nun von Buchs, Suhr übernimmt das Auto später. Ausgeliefert wird der Wagen aber erst nächstes Jahr.

In den Unterlagen zu den Gemeindeversammlungen Ende November stand noch, ein Patrouillen-Dienst am Sonntag «werde geprüft». Wie ist da der Stand?

Ab 1. Januar 2020 fahren wir sonntags von 10 bis 18 Uhr Patrouille, das ist beschlossene Sache. Es entspricht notabene auch einem grossen Bedürfnis unserer Angestellten, die bisher am Sonntag einfach auf Pikett waren. Einige von ihnen haben in der Region eine Einzimmerwohnung, weil sie woanders wohnen. Sind sie auf Pikett, sitzen sie auf Abruf in dieser Wohnung. Viel lieber würden sie aber auf Patrouille sein und etwas zu tun haben.

Apropos Patrouille: Wie sehr wird die Repol Suret von Brügglifeld und Keba beansprucht?

Kaum. Spielt der FC Aarau, hilft eine Patrouille von uns der Stadtpolizei Aarau. Für den Verkehr auf Suhrer Boden ist ein Sicherheitsdienst zuständig.

Und wegen Anrufern, die sich über Lärm beschweren?

Solche Anrufe haben wir praktisch keine. Die wenigen Anwohner, die sich am Lärm stören, werden durch die Begleitgruppe betreut.

Die Mega-Baustelle im Suhrer Dorfzentrum hat die Autofahrer die letzten zwei Jahre umgetrieben – Sie auch?

Nein, überhaupt nicht. Wenn sich der Verkehr staut, haben wir keine Mehrarbeit. Am meisten beschäftigt hat uns der Baulärm vor dem Posten.

Was hat die Repol Suret 2019 am meisten beschäftigt?

Eindeutig häusliche Gewalt. Mindestens jede zweite Nacht musste eine Patrouille deswegen ausrücken. Das sind natürlich nicht immer Fälle, in denen jemand handgreiflich wird. Da geht es oft auch um laute Auseinandersetzungen. Trotzdem ist diese Entwicklung bedenklich.

Ist es tatsächlich eine Häufung oder nicht eher eine Sensibilisierung?

Es ist beides. Nachbarn rufen viel rascher an, als noch vor ein paar Jahren. Das ist auch richtig so. Lieber ein Anruf zu viel als einer zu wenig.

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