Im Auenschutzpark bei Auenstein, auf der Aare-Insel zwischen dem Flusslauf und dem Unterwasserkanal, steht eine Aussichtsplattform, deren Tage gezählt sind. Gegen ein Abrissgesuch, das der Kanton bei der Gemeindeverwaltung auflegen liess, sind keine Einsprachen eingegangen. Der Kanton kann also mit dem Abriss beginnen, sobald das Gesuch bewilligt ist. Was nicht ganz billig werden dürfte, immerhin muss das alte Brücken-Betonwiderlager, auf dem die Plattform errichtet wurde, bis maximal einen Meter unter Terrain abgebrochen und das Loch mit Kies aufgefüllt werden. Und das an einer mit Maschinen eher schwer zugänglichen Stelle auf der Aare-Insel. Die genauen Kosten sind beim Kanton aufgrund der laufenden Submission nicht zu erfahren.

Der Auensteiner Sämi Richner, einst Grossrat für die EVP, bedauert, dass die – komplett intakte – Aussichtsplattform nun weg soll. Dabei ist er, wenn man so will, mitschuldig daran. Denn der geplante Abriss geht auf einen Streit zwischen Anwohnern und dem Kanton zurück. Letzterer hatte die Plattform nicht an der Stelle gebaut, wo sie ursprünglich vorgesehen war – weil man im Zuge der Auen-Umgestaltung das alte Brückenwiderlager entdeckt und dieses als Plattform-Basis benutzt hatte. Deshalb musste der Kanton nachträglich nochmals ein Baugesuch stellen. Das war 2014. Zwei Anwohner erhoben Einsprache, Sämi Richner unterstützte sie. Er selber war nicht einspracheberechtigt. 

Wo liegt das Problem?

Die Einsprecher verlangten nicht, die Plattform möge an einen anderen Standort versetzt werden. Sondern, dass die Konstruktion geändert wird. Denn die Treppe zur Plattform ist sehr steil. Sämi Richner: «Zwei pensionierte Schlossermeister begutachteten die Treppe und bezeichneten sie als Pfusch.» Eigentlich hätte Richner gerne von Anfang an eine behindertengerechte Aussichtsplattform gehabt, mit einer Rampe. «Die hätte man mit Steinen aus dem ehemaligen historischen Aaredamm bauen können», sagt Richner. Dieser Damm, Mitte des 19. Jahrhunderts erstellt, musste dem Auenschutzpark weichen. «Wir hätten uns aber auch mit der Minimalvariante zufrieden gegeben», sagt Richner: «Eine sichere, fachmännisch erstellte Treppe.» Seiner Meinung nach sei nicht nur der Standort der Plattform, sondern das gesamte Gebilde illegal: «Pläne der Plattform lagen vor deren Erstellung nie öffentlich auf, sodass es auch nie möglich war, die Aufstiegstreppe zu beanstanden.»

Bauschule machte nicht mit

Mit dem Kanton einigten sich die Einsprecher 2014 schliesslich auf ein Vorgehen: Eine Bauschule sollte eine neue Plattform im Rahmen eines Studentenprojekts erstellen (eine Idee von Regierungsrat Stephan Attiger), im Gegenzug würden die Einsprachen zurückgezogen. Im Abschreibungsbeschluss der Rechtsabteilung des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) heisst es: «Sollte bis Ende 2016 der Fachlehrer Projektierung und Ausführung der Plattform nicht verbindlich bestätigt haben oder sollte bis Ende 2018 das rechtsgenügliche Baugesuch für die Plattform nicht eingereicht worden sein, wird das BVU (...) die Plattform abreissen lassen.»

Fakt ist: Die Zusammenarbeit mit der Bauschule kam nicht zustande. Also müsse die Plattform abgerissen werden, sagt der zuständige Projektleiter beim Kanton. Der Regierungsrat habe, in Kenntnis der Idee mit der Bauschule, die Anlage nur befristet bewilligt. Nun werde dieser Entscheid umgesetzt.

Sämi Richner hingegen stellt sich auf den Standpunkt, der Kanton hätte – nachdem das Studentenprojekt nicht zustande gekommen war – auch von sich aus den Mangel an der bisherigen Plattform relativ einfach beheben und dies öffentlich auflegen können. Dass der Kanton nun darauf verzichte, die Plattform umzubauen, und sie stattdessen gleich ganz abreisse – samt altem Brücken-Widerlager, das nie Gegenstand der juristischen Auseinandersetzung gewesen sei –, versteht Sämi Richner nicht. Mit geringem Aufwand, so sagt er, wäre eine bessere Treppe realisierbar gewesen. «Wir haben gehofft, dass sich etwas verbessert.»