Das Baugesuch des Kantons liegt erst seit gestern im Aarauer Stadtbüro auf – und ging schon oft über die Theke. Das Interesse am Strassenbauprojekt «Obere Vorstadt/Entfelderstrasse» ist offenbar gross. Kein Wunder: Betroffen ist eine der Haupteinfahrtsachsen in die Stadt Aarau. Der Bau- perimeter erstreckt sich vom «Fust» (Obere Vorstadt) bis zur Einfahrt Buchenhof (Entfelderstrasse). Im Bauprojekt einbezogen sind alle Einmündungen und der «Turbinenkreisel» (Kreisel Rosengarten).

Das Bauprojekt dient nicht der Kapazitätssteigerung. Es geht primär um Erneuerungen (teils auch der Werkleitungen) und Verkehrssicherheit. «Der Strassenoberbau ist in schlechtem Zustand und muss saniert werden», heisst es im technischen Bericht.

Bus hält neu auf der Fahrbahn

Beim Blick in die Baupläne fällt etwas auf, das Autofahrer nicht freuen wird: Die Bushaltestelle «Obere Vorstadt» (Linien 5 und 7) soll auf der Seite des AEW-Hochhauses als Fahrbahn-Halt ausgestaltet werden – und nicht mehr als Bus-Bucht. Die nachfolgenden Autos müssen also warten, bis die Passagiere ein- und ausgestiegen sind, überholen ist wegen der Fussgängerschutzinsel nicht möglich. Diese Neuerung betrifft die Spur stadtauswärts, stadteinwärts bleiben die Verhältnisse gleich und der stehende Bus kann auch künftig überholt werden.

Der neue Fahrbahnhalt sei nicht etwa da, um den Verkehr zu verlangsamen, sagt Projektleiter Mathias Blaser vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt auf Anfrage der AZ. Es sei aus geometrischen Gründen – unter anderem wegen der Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes, das 22 cm hohe Haltekanten verlangt, und den geforderten Sichtweiten bei den Fussgängerquerungen – nicht anders möglich gewesen.

Was wird sonst noch anders? Die Dimensionen der Strasse bleiben weitgehend gleich. Die Entfelderstrasse wird teils um einen halben Meter verbreitert, damit ein beidseitiger Radstreifen geführt werden kann. Zwischen dem Turbinenkreisel und dem Aargauerplatz sind «aus Platzgründen keine baulichen Massnahmen für den Radverkehr möglich».

Fussgänger sollen neu nur noch eine Spur aufs Mal überqueren müssen, deshalb haben künftig fast alle Fussgängerstreifen Mittelinseln (bei der Einmündung Hintere Bahnhofstrasse gibts sogar zwei Inseln). Die Haltebucht beim Waffen-Pauli wird aufgehoben und dem Gehweg zugeschlagen, ebenso die wegfallende Busbucht beim AEW-Hochhaus.

Auch der Kreisel ist von den Baumassnahmen betroffen. Die Turbine, das Markenzeichen, bleibt bestehen (das gilt auch für die Solarblume beim ehemaligen Eniwa-Gebäude). Der Kreiselschmuck muss während der Bauarbeiten aber entfernt werden.

Zwischen dem Fussgängerstreifen bei der Einmündung der Alfred-Jenny-Strasse und dem Kreisel ist ein zwei Meter breiter Multifunktionsstreifen (wie auf der Bahnhofstrasse) vorgesehen, auf dem zum Beispiel der Bus stadteinwärts oder bergwärtsfahrende Velofahrer überholt werden können. Auf dem gesamten Perimeter gibt es zudem einen lärmarmen Belag.

Obere Vorstadt sechs bis acht Wochen gesperrt

Die Kosten betragen 2,95 Mio. Franken (Stadt: 1,77 Mio., Kanton 1,18 Mio. Franken). Baustart ist frühestens im Sommer 2021, es wird mit einer Bauzeit von einem Jahr gerechnet. Der Verkehr soll aufrechterhalten werden – ausser während sechs bis acht Wochen, in denen die Obere Vorstadt komplett gesperrt wird. Dies soll in den Sommerferien geschehen. Währenddessen wird voraussichtlich im Zweischichtbetrieb und an sechs Tagen gearbeitet.

Der Kanton sieht ein grossräumiges Umleitungskonzept vor. «Zu Spitzenstunden müssen 900 Fahrzeuge auf andere Achsen verlegt werden», heisst es im technischen Bericht. Wer von Entfelden auf die Bahnhofstrasse will, wird beim «Turbinenkreisel» via Hintere Bahnhofstrasse- Gaiskreisel-Laurenzenvorstadt- Poststrasse umgeleitet. Die Busse zum Bahnhof müsste via Hintere Bahnhofstrasse umgeleitet werden.