Aarau/Dielsdorf
Schachen: Ein turbulentes Pferderennen hatte ein blutiges Nachspiel

Zwei Reiter wurden wegen Tätlichkeiten gegenüber einem Journalisten gebüsst. Diesen hatten die beiden einen Tag nach einem turbulenten Pferderennen im Aarauer Schachen bedroht und ins Gesicht geschlagen.

Ueli Wild
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Grosser Preis des Kantons Aargau 2016 – der nachmalige Sieger Blingless mit Julien Lemée im Sattel beim Tribünensprung.

Grosser Preis des Kantons Aargau 2016 – der nachmalige Sieger Blingless mit Julien Lemée im Sattel beim Tribünensprung.

Ueli Wild

Der Grosse Preis des Kantons Aargau, Ausgabe 2016, war an sich schon ein turbulentes Rennen. Zwei Pferde verletzten sich am 22. Mai auf der Rennbahn im Aarauer Schachen schwer, zwei weitere kamen beim Tribünensprung zu Fall.

Am Ende hatte der Klasse-Steepler Blingless mit Julien Lemée im Sattel die Nase vorn. Was den rund 7500 Zuschauern im Schachen bisher nicht bekannt war, ist das handgreifliche Nachspiel, zu dem es tags darauf auf dem Parkplatz bei den Stallungen des Trainingszentrums in Dielsdorf ZH kam.

Dort wurde der 42-jährige Turf-Journalist Markus Monstein vom siegreichen Jockey attackiert. Der 33-jährige Franzose insultierte ihn und stiess ihn wiederholt mit den Händen beziehungsweise Fäusten gegen sein Auto. Dabei brach dessen Blinkerhebel ab.

Dann kam ein 46-jähriger Trainingsreiter aus dem gleichen Stall dazu. Auch er ein Franzose und zugleich der Lebenspartner von Blingless’ Besitzertrainerin, schrie den Journalisten an. Zuletzt schlug er ihm die Faust ins Gesicht.

Unerwünschte Berichterstattung

Das Opfer der beiden Angreifer erlitt nebst Prellungen und Stauchungen eine Rissquetschwunde an der Oberlippe links. Der Geschädigte erstattete hierauf Anzeige gegen die beiden, die offenbar Anstoss genommen hatten an seiner Berichterstattung auf dem Pferderennsport-Online-Portal www.horseracing.ch.

Dabei ging es um den Vorfall beim zweiten Tribünensprung. Eine Kettenreaktion hatte dort dazu geführt, dass zwei Pferde bei der Landung miteinander kollidierten. Ein anderes, das vor ihnen galoppierte, war, von einem Mitkonkurrenten irritiert, zu tief gesprungen.

Impressionen vom ersten Renntag der Saison 2016 im Aarauer Schachen:

Erster Renntag der Saison 2016 im Aarauer Schachen
14 Bilder
Pilgrim (rechts) und Algorithme sind im Cross Country voraus
Blingless (Julien Lemée) im Jagdrennen beim zweiten Tribünensprung
Obsession Bi (Loris Ferro, rechts), Sieger vor Saltimbanque
California English (Nadja Burger) geweinnt über 2000 m auf der Flachen
Einlauf: Blingless (Julien Lemée) gewinnt das Jagdrennen
Tribünensprung: Bebel (Aurélien Rousse) führte lange im Jagdrennen
Algorithme (Julien Lemée, rechts) gewinnt das Cross Country
Câline des Chaumes (Michelle Huber) gewinnt vor Bombastic Merle
Georgina (Celina Weber) gewinnt auf der Flachen über 2600 m
Das Feld im Jagdrennen, rechts der führende Bebel (Aurélien Rousse)
Obsession Bi (Loris Ferro, links) vor Saltimbanque
Top Boy (Adrian Burger) gewinnt das beste Trabrennen
Famous Boy (Claudia Koller) führt im Hürdenrennen vor dem späteren Sieger Be My Hope (Michael Huber)

Erster Renntag der Saison 2016 im Aarauer Schachen

Ueli Wild

Dieser Mitkonkurrent war der spätere Sieger Blingless, der kurz vor dem Hindernis einen Spurwechsel vorgenommen hatte. Bei der Würdigung des Vorfalls stützte sich www.horseracing.ch-Journalist Monstein (wie übrigens auch die az) auf die entsprechenden Aussagen von Galopp-Rennleitungspräsident Peter Berner.

Mit je 250 Franken gebüsst

Das Statthalteramt des Bezirks Dielsdorf hat unterdessen die beiden im Zürcher Unterland wohnhaften Franzosen per Strafbefehl wegen Tätlichkeiten je zu einer Busse von 250 Franken plus 250 Franken an Gebühren verknurrt.

Schweizer Galoppsaison 2016: Michael Huber ist Hindernis-Champion

Eine aus regionaler Sicht positive Meldung aus dem Schweizer Pferderennsport: Michael Huber aus Oberkulm hat das diesjährige Championat der Hindernisreiter gewonnen. Der 25-jährige Berufsrennreiter kam bei 26 Ritten in Hürden-, Jagd- und Cross-Country-Rennen auf 7 Siege und 14 Plätze.

Fast die halbe Miete bildeten dabei die drei vom Publikum im Aarauer Schachen viel bejubelten Siege mit dem Hürdler Be My Hope (Bild). Beim vierten Einsatz mit dem 5-jährigen Wallach in Aarau (am zweiten Frühjahrsrenntag) reichte es zum Ehrenplatz. Michael Huber, der in Frankreich die Rennreiter-Ausbildung absolviert hat, kommt nun auf ein Total von 20 Siegen seit 2009.

Den Sieg im Championat 2016 sicherte sich der 25-Jährige, der oftmals mit Gewichtsproblemen zu kämpfen hat, im letzten Hindernisrennen der Saison in Avenches. Huber siegte dabei mit Memberof und überholte so noch den im Klassement führenden Raphael Lingg, der mit Eau et Feu nur Vierter wurde. Ein zweiter Platz hätte Lingg dank der grösseren Anzahl zweiter Plätze trotz Hubers Sieg im letzten Rennen zum Titel gereicht. (uw)

Die Strafbefehle wurden innerhalb der zehntägigen Rekursfrist nicht angefochten und sind somit rechtskräftig. Der 33-jährige Jockey hat auch die 400 Franken für die Reparatur des beim Gerangel abgebrochenen Blinkerhebels am Auto des Journalisten bezahlt.

Jean-Pierre Kratzer, Präsident des Schweizerischen Pferderennsport-Verbandes (SPV), und Rolf Schmid, Präsident von Galopp Schweiz, haben Kenntnis von den Vorfällen. Zu erwarten ist daher, dass das Ganze auch auf verbandsrechtlicher Ebene noch Konsequenzen haben wird.

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