Egliswil
Schutz für Kinder und Jugendliche: Das Notfallzentrum verzögert sich um Jahre

Das Notfallzentrum mit 24 Plätzen kostet viel mehr als erwartet – das Projekt in Egliswil muss deshalb überarbeitet werden.

Pascal Meier
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Franz Lötscher: "Wir mussten das ganze Projekt überarbeiten. Bei der Planung hat sich gezeigt, dass das Notfallzentrum 25 statt 19,4 Millionen kostet:"

Franz Lötscher: "Wir mussten das ganze Projekt überarbeiten. Bei der Planung hat sich gezeigt, dass das Notfallzentrum 25 statt 19,4 Millionen kostet:"

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Die Stiftung Integration für Kinder und Jugendliche (Ikj) plant in Egliswil ein Jugendheim. Das kantonale Notfallzentrum soll 24 Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren vorübergehend Schutz bieten: Schutz vor Übergriffen, Schutz vor sich selbst. In einer Krise zum Beispiel. Die Jugendlichen wohnen zwei bis sechs Monate im Heim, drücken hier die Schulbank und werden rund um die Uhr betreut. Danach entscheiden Fachleute, wie es weitergeht: Zurück zu den Eltern, an die Schule, in die Lehre – oder in ein Heim, das auf langfristige Betreuung ausgerichtet ist.

Das kantonale Notfallzentrum mit dem Projektnamen «KUNAAA» soll voraussichtlich 2017 eröffnet werden. Das teilte die Stiftung Ikj vor zwei Jahren mit. Der Baubeginn war damals 2016 vorgesehen. Dieser Terminplan ist jedoch Makulatur: Die Baumaschinen sind noch nicht auf dem früheren Areal der Traitafina aufgefahren. Laut Informationen der az verzögert sich das Projekt um mehrere Jahre.

Ikj-Geschäftsführer Franz Lötscher bestätigt dies auf Anfrage: «Wir mussten das ganze Projekt überarbeiten.» Bei der Planung des Vorprojektes habe sich gezeigt, dass das Egliswiler Notfallzentrum 25 statt 19,4 Millionen Franken kostet – dies unter anderem, weil der Baugrund wässerig ist. Zudem seien beim Wettbewerbsprojekt nicht alle Kosten ausgewiesen worden.

Das Projekt «KUNAAA» (im Bild) muss abgespeckt werden. Neu will die Stiftung Ikj zwei statt drei Gebäude bauen.zvg

Das Projekt «KUNAAA» (im Bild) muss abgespeckt werden. Neu will die Stiftung Ikj zwei statt drei Gebäude bauen.zvg

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Es wird gespart, wo es nur geht

Das Bundesamt für Justiz hat das Vorprojekt trotzdem bewilligt: Der Bund beteiligt sich mit rund 2,5 Millionen Franken an den Baukosten. Der Kanton jedoch, der nichts an den Bau zahlt, zog die Notbremse. Grund: Die höheren Baukosten drücken die jährlichen Betriebskosten von 4,5 Millionen um etwa 200 000 Franken nach oben. Für die klamme Staatskasse ist das relevant: Der Kanton zahlt per Leistungsvertrag die Betriebskosten des Notfallzentrums; dies über die Tagespauschale für die untergebrachten Jugendlichen. Die kantonale Abteilung Sonderschulung, Heime und Werkstätten entschied deshalb: Ikj muss das Projekt überdenken und ein neues Vorprojekt einreichen.

Die Stiftung hat deshalb zum Rotstift gegriffen und das Budget um eine Million Franken gestutzt. Zudem wurde das Projekt «KUNAAA» von drei auf zwei Gebäude reduziert, was weitere Einsparungen brachte. Gespart wird unter anderem auch bei den Lüftungen und bei der Gestaltung des Aussenbereichs. Und es gibt keine Photovoltaikanlage auf dem Dach.

Fünf Millionen Franken Vorschuss

Trotz der weggesparten Millionen bleiben unter dem Strich Gesamtkosten von
21 statt ursprünglich 19,4 Millionen Franken. Dieses überarbeitete Konzept hat Franz Lötscher nun am vergangenen Montag beim Kanton eingereicht. Die Betriebskosten konnten laut Lötscher sogar um mehr als die geforderten 200 000 Franken reduziert werden.

Läuft nun alles nach Plan, werden die Bagger 2018 auf dem früheren Traitafina-Areal auffahren. Frühestens. Eröffnung wäre demnach im Jahr 2020. Das ist eine lange Zeit, denn laut Ikj gibt es im Kanton Aargau zu wenig Notfallplätze für Jugendliche. Diese müssten deshalb oft in anderen Kantonen platziert werden. Franz Lötscher hofft deshalb, dass das Projekt
«KUNAAA» bald in die nächste Phase geht. Zudem ist das Jugendheim-Projekt für die Stiftung personell und finanziell ein grosser Brocken: Ikj hat bislang als Vorschuss rund fünf Millionen Franken für Bauland, Rückbau der Traitafina sowie Planungskosten investiert.

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