Buchs
«Schwangere brechen in Tränen aus»: Mac Baby darf ab Montag nur noch Bruchteil der Artikel verkaufen

Ihr Telefon schellt ununterbrochen, ihr Laden ist voll. Doch von wegen Glücksgefühl: Monika Meier schwankt zwischen Wut und Verzweiflung. Denn was den Ansturm auslöst, ist das die pure Not angehender oder frischgebackener Eltern.

Katja Schlegel
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Für «Mac Baby»-Inhaberin Monika Meier (fürs Bild ohne Maske) ist die Regelung ein Hohn.

Für «Mac Baby»-Inhaberin Monika Meier (fürs Bild ohne Maske) ist die Regelung ein Hohn.

ksc

Monika Meier, seit 16 Jahren Inhaberin des Babyfachgeschäfts Mac Baby in Buchs, muss ab Montag knapp 90 Prozent ihres Sortiments absperren. Keine Kinderwagen, keine Autoschalen, keine Babybetten darf sie mehr verkaufen, keine Stillutensilien, keine Babytragen. Aus Sicht des Bundesrats alles nicht systemrelevant, alles nicht Artikel des täglichen Bedarfs. Verkaufen darf Meier nur Babykleider, Babypflege und Babynahrung.

«Ich habe hier Schwangere, die aus lauter Verzweiflung in Tränen ausbrechen», sagt Monika Meier. Alle wollen noch vor dem Lockdown einen Kinderwagen aussuchen, die Auswahl an Babysitzen in echt studieren, das Kinderbett und eine Wickelkommode aussuchen. Da hilft es auch nicht, dass all diese Artikel online zu bestellen wären, sagt Meier. «Keine Schwangere will einen Buggy online bestellen, ohne je ausprobiert zu haben, wie er sich fährt, ohne jegliche Beratung.»

Für Aargau systemrelevant, für den Bund nicht

Neben ihrer Bürotür hat Monika Meier mehrere Zettel kleben. Zuoberst die Mitteilung des kantonalen Departements Gesundheit und Soziales: «Die Kantonsregierung hat festgestellt, dass Babycenter einen wesentlichen Beitrag zum täglichen Bedarf leisten», steht da, mitsamt der Erlaubnis, weiterhin offen zu haben. Darunter kleben die Bestimmungen des Bundesrats zu den Ausnahmen des Öffnungsverbots. Mit Leuchtstift hat sie angestrichen, was sie verkaufen darf: Windeln, Kleider, Essgeschirr, Pflegeprodukte.

Für Monika Meier ist die Regelung des Bundes ein Hohn. Zumal die Aargauer Regierung ihrer Branche im Dezember attestiert hat, systemrelevant zu sein, und eine Öffnung von Babyläden zuliess. Doch diese Regelung gilt ab Montag nicht mehr. «Wir stellt sich der Bundesrat vor, dass Eltern ihr Neugeborenes nach Hause nehmen, ohne Buggy oder Kindersitz?», fragt Monika Meier.

«Die Belastung für Schwangere ist enorm»

Antworten hat sie keine. Sie kann die Betroffenen nur trösten. Und das macht sie wütend. Vor allem, wenn sie sich vorstellt, dass Blumenläden weiterhin geöffnet bleiben dürfen. «Die psychische Belastung für Schwangere und frischgebackene Eltern ist im Moment enorm; zur Unsicherheit bezüglich Schwangerschaft und Geburt kommt nun noch das.»

Babyfachgeschäfte haben keinen Branchenverband. Ein gemeinsames Intervenieren auf Bundesebene wird schwierig, auch wenn die Regelung alle Läden schweizweit betrifft. «Wir versuchen jetzt alle, über die eigenen kantonalen Regierungen, den Bund zum Umdenken zu bewegen», sagt Meier. Und sie will alles geben: «Es kann doch einfach nicht sein, dass die Schweiz ihre Mütter und Neugeborenen so hängen lässt.»