Aarau

Secondhand-Laden der Caritas mit Kleiderspenden überschwemmt

Astrid Bonsaver und ihr Team haben bis zu 35 Kleidersäcke an einem Tag im Secondhand Laden entgegengenommen.

Astrid Bonsaver und ihr Team haben bis zu 35 Kleidersäcke an einem Tag im Secondhand Laden entgegengenommen.

Der Aarauer Secondhand-Kleiderladen von Caritas erhält sehr viele Spenden – doch nicht immer das, was nötig ist. «Was wir im Moment im Laden brauchen, sind Winterschuhe für Männer oder Winterjacken», sagt Ladenleiterin Astrid Bonsaver.

218'000 Flüchtlinge sind allein im Oktober über das Mittelmeer nach Europa gekommen – die höchste Zahl, die jemals innerhalb eines Monates registriert wurde. Auch in der Schweiz steigen die Flüchtlingszahlen. Dies löst hierzulande viel Betroffenheit aus.

Viele Schweizer wollen helfen. Das spürt auch der Secondhand-Laden von Caritas in Aarau, der zeitweise regelrecht von Kleiderspenden überschwemmt wurde. An manchen Tagen erhielt der Laden bis zu 35 Kleidersäcke. Und stiess damit an seine Kapazitätsgrenzen. «Wir konnten kaum alles zeitgerecht bewältigen», sagt die Ladenleiterin Astrid Bonsaver.

Denn bevor die Shirts, Hosen oder Pullis im Laden verkauft werden, müssen Bonsaver und ihr Team die Kleider überprüfen. Haben sie Löcher oder Flecken, landen sie in der Altkleidersammlung. Das Gleiche gilt für verwaschene Kleider. Rund ein Drittel ist unbrauchbar.

Die restlichen 70 Prozent werden günstig verkauft: Hosen für 12 Franken, Shirts für 4 Franken oder Jacken ab 20 Franken. Ab und zu kommt es vor, dass der Laden auch Markenkleider oder -taschen von Armani oder Hugo Boss erhält. «Diesel-Hosen beispielsweise verkaufen wir natürlich schon etwas teurer als die anderen Hosen», sagt Bonsaver.

«Mit rund 20 Franken sind sie aber immer noch sehr günstig und innerhalb von zwei bis drei Tagen weg.» Selten seien auch Fälschungen darunter, vor allem bei Taschen.

Immer noch bis 20 Säcke pro Tag

Unterdessen haben die Kleiderspenden wieder etwas abgenommen. «Aber mit 15 bis 20 Säcke täglich sind es immer noch überdurchschnittlich viel», sagt Astrid Bonsaver.

Die Ladenleiterin spricht noch ein weiteres Problem an: «Oft ist das, was gespendet wird, nicht das, was tatsächlich auch gebraucht wird», sagt die Ladenleiterin. «Wir schätzen es sehr, dass so viele Menschen helfen wollen», betont die Ladenleiterin. Aber die gespendeten Kleider sollten der aktuellen Saison entsprechen.

So seien beispielsweise Shirts vor allem im Frühling oder Sommer gefragt. «Was wir im Moment im Laden brauchen, sind Winterschuhe für Männer oder Winterjacken», sagt Astrid Bonsaver. «Und Koffer, damit die Asylsuchenden nicht mit Migros-Säcken von Asylzentrum zu Asylzentrum reisen müssen.»

Am allermeisten benötigten die Flüchtlinge aber Wohnraum und Beschäftigung, ist sie überzeugt.

Zahlen auf türkisch und eritreisch

Nicht nur die Kleiderspenden haben zugenommen. Auch die Anzahl Kunden steigt laufend. «Wenn der Kanton die unterirdische Anlage beim Kantonsspital Aarau als Asylunterkunft nutzt, rechnen wir mit einer weiteren Zunahme», sagt Bonsaver.

Verschiedene Zettel neben der Kasse helfen, dass sich die Verkäuferinnen mit den Asylsuchenden besser verständigen können. Darauf stehen die Zahlen eins bis zehn auf kurdisch, arabisch, türkisch oder eritreisch – übersetzt von Asylsuchenden, die schon etwas Deutsch können.

Aber auch ohne die aktuelle Flüchtlingssituation nehme die Zahl der Kunden stetig zu, sagt Bonsaver: «Vor zwei Jahren sind wir von der Metzgergasse an die Bahnhofstrasse gezogen. Seither kommen immer mehr zu uns in den Laden.»

Unter den Kunden seien einerseits Flüchtlinge oder Besitzer der «KulturLegi» von Caritas (siehe Text unten). Sie erhalten 30 Prozent auf das ganze Sortiment und machen etwa die Hälfte der Kundschaft aus.

Die anderen 50 Prozent sind Kunden, die weniger aufs Geld achten müssen. «Diese kaufen gerne ökologisch ein oder stöbern einfach gerne», sagt Astrid Bonsaver.

Pro Jahr erzielt der Laden zwischen 20'000 und 30'000 Franken Gewinn. Das Geld fliesst in verschiedene Projekte von Caritas Aargau.

«Wir würden den Laden aber auch betreiben, wenn wir nur knapp unseren Aufwand decken könnten», sagt Bonsaver. «Denn unser Ziel ist es ja nicht primär, Geld mit dem Laden zu verdienen, sondern Menschen mit knappem Budget zu helfen.»

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