Aarau

Sie hat das Stadtmuseum zu dem gemacht, was es heute ist: «Ich habe getan, was ich konnte»

Kaba Rössler mit dem Bastelbogen des Stadtmuseums Aarau.

Kaba Rössler stand hinter der Entwicklung, die das «Schlössli» in den letzten zwölf Jahren gemacht. Jetzt zieht sie weiter ins Appenzellerland, nach Heiden.

Nach zwölf Jahren haben Sie die Leitung des Stadtmuseums Aarau abgegeben. Mit welchem Gefühl?

Kaba Rössler: Mit einem sehr guten Gefühl. Ich hatte in Aarau eine sehr schöne, intensive Zeit.

Intensiv ist ein gutes Stichwort; unter Ihrer Leitung wurde das Museum komplett umgekrempelt. Aus dem Wohnmuseum «Schlössli» wurde 2015 das moderne Stadtmuseum.

Es hat sich sehr viel getan in den letzten Jahren. Es war toll, sowohl die Planung des Neubaus als auch den Bau mitzugestalten und schliesslich die Eröffnung und die Belebung mitzuerleben.

Die Abstimmung über den 14-Millionen-Kredit für die Erweiterung liegt genau zehn Jahre zurück. Das «Ja» haben Ihnen die Aarauer damals nicht geschenkt.

Nein, die Zeit vor der Abstimmung war sehr anstrengend. Wir als Museums-Team mussten die Bevölkerung für uns gewinnen. Damals war das «Schlössli» kein Ort, an dem sich viele Aarauer gerne aufhielten. Entsprechend gross war die Herausforderung, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass eine Erneuerung ihres Stadtmuseums wichtig ist. Etwas, das uns gelungen ist, und auch für uns als Team enorm lehrreich und wichtig war.

Inwiefern?

Wir mussten den Beweis liefern, dass es das Stadtmuseum in dieser Form braucht, mussten uns zu 100 Prozent sicher sein, dass Grösse und Konzepte passen. Schliesslich ging es mit knapp 14 Millionen um viel Geld. Dazu haben wir das Projekt und unsere Arbeit sehr intensiv hinterfragt, bis wir mit Überzeugung sagen konnten: Idee und Konzept funktionieren.

Sie funktionieren sogar deutlich besser, als angenommen. Die Besucherzahlen lagen immer weit über dem geplanten Soll von 10 000 Eintritten pro Jahr.

Richtig, es funktioniert besser, als wir uns das haben träumen lassen. Seit der Eröffnung liegen wir konstant bei deutlich über 20 000 Besucherinnen und Besucher. Das sind doppelt so viele, als vor dem Umbau geplant.

Eine Genugtuung für Sie und Ihr Team?

Sicher, aber nicht nur. Quantität ist nicht alles, auch die Qualität ist uns wichtig. Ich hoffe, dass wir auch mit unseren Ausstellungen und Veranstaltungen, mit unserer Arbeit zeitrelevante, gesellschaftlich wichtige Themen auf überraschende Weise und überzeugende Art lancierten.

Welches ist die grössere Herausforderung: Tolle Ausstellungsthemen zu finden oder das Geld dafür aufzutreiben?

Eindeutig das Thema. Mit dem richtigen Thema und den richtigen Leuten, die das Thema umsetzen, ist es möglich, auch das Geld dafür zu finden.

Trotzdem war Geld immer ein schwieriges Thema.

Richtig. Die Besucherzahlen und der Erfolg haben alle positiv überrascht. Aber es bedeutet auch viel mehr Auslagen, beispielsweise beim Personal. Wir haben aber nicht mehr Geld bekommen, im Gegenteil. Wir mussten sparen und hatten schliesslich ein kleineres Ausstellungsbudget, als noch vor dem Erweiterungsbau.

Wie haben Sie dieses Loch gestopft?

Mit Drittmitteln im Rahmen von jährlich über 250 000 Franken. Zum Glück leben wir in einem reichen Land, in dem Drittmittel – mit entsprechendem Einsatz – gefunden werden können. Aber ich bekomme diese Drittmittel für Ausstellungen und nicht, um damit den zusätzlichen Hauswart zu bezahlen, den es wegen der vielen Besucher braucht.

Was wollen Sie damit sagen?

Die Stadt muss sich die Frage stellen: Will man ein Haus mit diesen Besucherzahlen und dieser Ausstrahlung, oder will man das nicht. Wenn man das will, braucht es auch die entsprechenden Ressourcen.

Im Klartext: Sie wünschen sich von der Politik ein klares Bekenntnis zum Stadtmuseum?

Ja. Wir bekommen viel Zuspruch, alle – auch die Politiker – sind begeistert vom Museum. Aber diese Begeisterung sollte sich auch bei der Finanzierung zeigen.

Wie zermürbend war die Geld-Frage?

Die Organisation der Drittmittel und das Administrative haben mich sehr absorbiert. Wir gehen Kooperationen ein und diese sind arbeitsintensiv. Eine Projektassistenz hätte mich entlastet. Aber der Personalstopp galt auch für uns; das war sehr anstrengend.

War das der Grund, weshalb Sie nun das Stadtmuseum verlassen?

Nein. Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich sagen kann: Ich habe für das Haus getan, was ich konnte. Jetzt möchte ich nochmals etwas Neues machen und nicht zur reinen Verwalterin des Museums werden. Das Stadtmuseum braucht frische Impulse und vielleicht eine Neuorganisation. Und das ist leichter, wenn jemand Neues auftritt.

Ihre Nachfolge ist noch nicht geregelt.

Nein. Aktuell leitet mein Stellvertreter Marc Griesshammer das Stadtmuseum. Es wäre leichter gewesen für mich, das Stadtmuseum zu verlassen, wenn die Nachfolge geklärt wäre. Aber bei Marc weiss ich es in guten Händen.

Jetzt zieht es Sie ins Appenzell, nach Heiden ins Henry-Dunant-Museum. Wie kam das?

Als ich im Frühling Lust auf eine Veränderung verspürte, bin ich auf eine Stellenausschreibung beim Henry-Dunant-Museum gestossen. Ein Museum, das es bitter nötig hat, dass sich jemand darum kümmert, und ein toller Ort mit viel Potenzial. Ich freue mich sehr darauf.

Sie gehen gemeinsam mit Nadine Schneider, bislang Leiterin des Forum Schlossplatz. Warum?

Das Henry-Dunant-Museum ist eine grosse Herausforderung. Da braucht es wieder sehr viel Aufbauarbeit, ähnlich wie damals in Aarau. Das will ich nicht noch einmal alleine machen. Und weil ich in Aarau sehr gern und gut mit Nadine Schneider gearbeitet habe, habe ich sie angefragt.

Was gefällt Ihnen an Dunant?

Mir gefallen die Ideen, die er verkörpert. Und mich interessieren die Themen, für die der Name steht: Menschenrechte, Völkerrecht und Humanität. Ich will mich wieder intensiver mit Inhalten und deren Vermittlung beschäftigen und mich nicht mehr nur mit Administrativem herumschlagen.

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