«Ich habe gewusst, dass es gut kommt», sagt Remo Murer am Morgen nach der Eröffnungsfeier, die er als Choreograf verantwortet hat. «Es herrschte eine Superstimmung.» Viele Leute hätten ihm geschrieben, Mail, SMS, gratuliert, nachdem sie die Fernsehübertragung gesehen hatten. Dass, wo der Erfolg ist, die Neider nicht weit sind, ist ihm egal. Und überhaupt: Er sieht sich als Teil eines Teams.

Kampf ums Seil

Ein persönliches Highlight: Die Nummer «Hijo de la Luna» mit dem Vertikalakrobaten Christian Saxer am Seil. «Wir haben ein Jahr lang gestritten um diesen Teil», erzählt Murer. Der Grund: Alle hätten Angst gehabt, die Versicherungsfrage. «Ich bin stolz, dass ich nicht aufgegeben habe», sagt er. Dieser Auftritt bescherte vor allem den Zuschauern vor Ort poetische Momente. Und am Fernsehen konkurrierte der künstliche Halbmond mit dem echten Dreiviertelmond.

So schön war die Eröffnungsshow

Eidgenössisches Turnfest in Aarau: So schön war die Eröffnungsshow

«Geniale Zusammenarbeit»

Remo Murer streicht die «geniale Zusammenarbeit» mit dem Fernsehen und dem Technikerteam heraus. «90 Minuten waren geplant; die Show dauerte am Ende 96 Minuten, und sie haben nicht abgeklemmt», sagt er und nimmt es als Kompliment. Kommentator Stefan Hofmänner konnte auf Murers 50-seitiges Skript mit Hintergrundinformationen zurückgreifen. «Und die Bühnentechniker machten alles für mich, dachten mit, brachten Optimierungsvorschläge ein», schwärmt Remo Murer. Er selber hat sich die Show nachts bis morgens um drei Uhr nochmals angeschaut - Replay sei Dank. Bevor der Schlaf ihn übermannte.

Grosses Programm

Am Samstag ist Murer wettkampfmässig in der Gymnastik zu Zweit engagiert. Dann folgen nächste Woche die Vereinswettkämpfe, wo er bei den Aktiven und in der Kategorie Ü-35 schwitzen wird. Der Schlussfeier der Jugend von morgen Sonntag sieht er «relativ entspannt» entgegen: Da können sich jene, die die besten Leistungen erzielt haben, showmässig präsentieren. Die grosse Abschlussfeier am Sonntag, 23. Juni, auf dem Brügglifeld ist dann das grosse Finale des Turnfests in Aarau, auch für den Choreografen Remo Murer.

Feurig: die Gymnastik-Vorführung von Remo Murer

Feurig: Die Gymnastik-Vorführung des Aargauer Schweizer Meisters Remo Murer (40)

Tausensassa? «Gstörte Siech!», lacht Remo Murer. Am Donnerstagmorgen hat der 40-Jährige aus Muhen seinen ersten Wettkampfteil absolviert, und am Abend ist er der Tätschmeister der Eröffnungsfeier. «Es ging sehr gut», sagt er nach seiner Gymnastik mit Band, «vor allem, wenn du nur drei Stunden geschlafen hast.» Er wolle hier keine Medaille gewinnen, sagt der mehrfache Schweizermeister und verweist auf sein Alter: «Die anderen sind halb oder gar ein Drittel so alt wie ich.» Beweglichkeit, Gesundheit. Stolz ist auf seine vierte Teilnahme an einem Eidgenössischen Turnfest – letztes Mal in Biel wurde er Zweiter – und am Herzen liegen ihm seine Frauen vom DTV Muhen.

«Sag niemals nie»

Als Wettkämpfer – als Einzelwettkämpfer erreichte er am Donnerstag als bester Aargauer den 9. Platz –  wird Remo Murer dem Turnen erhalten bleiben. «Ich bin dem Verein, dem DTV Muhen, verbunden, jetzt sowieso, wo das Feuer noch mehr entfacht wurde», sagt Remo Murer. Keine Frage: Er wird am nächsten Eidgenössischen Turnfest in sechs Jahren in Lausanne aktiv dabei sein. Auch als Choreograf? «Hier in Aarau war ich der Lokalmatador», sagt er. In Lausanne gebe es auch gute Leute vor Ort. Doch ist er nicht abgeneigt, wieder etwas Grösseres auf die Beine zu stellen, eine «Kantonale Vorführung» beispielsweise. Wenn er, der gut Französisch spricht, angefragt würde für einen Teilbereich? Die Antwort fällt vielsagend aus: «Sag niemals nie!»