Jugendfest

«So schön, wenigstens ein bisschen Maienzug!»: Freude und Wehmut bei den Aarauer Blumenfrauen

Die Blumenfrauen und Aarauer Blumengeschäfte haben dieses Jahr so viele Brunnen geschmückt wie nie zuvor. Das tröstet. Trotzdem bleibt die Trauer darüber, dass es eben doch nur ein «Maienzug light» ist.

Der Mann, eben hat er sein Auto in eine Parklücke nebenan gezirkelt, bleibt stehen. «So schön», ruft er aus, «wenigstens ein bisschen Maienzug!» Dann nestelt er aus dem Hosensack ein Nötli heraus und drückt es Heidi Burri in die Hand. «Fürs Kafi, das händ Sie sich verdient», sagt er.

Und wie sie sich den Kaffee verdient haben, Heidi Burri, Monika Schwarz und Brigitte Federspiel, die Blumenfrauen vom Amtshausbrunnen an der Laurenzenvorstadt. Um halb Acht haben sie mit dem Schmücken ihres Brunnens begonnen, mit Gladiolen, Rittersporn, Gerbera, Astern und Schleierkraut, ein kleines Jubiläumsschmücken sogar: Zum zehnten Mal haben sie nun gemeinsam diesen Brunnen geschmückt, jedes Jahr anders, versteht sich, aber jedes Jahr mit viel Lachen. «Das Brunnenschmücken ist mehr, es geht über das Stecken hinaus», sagt Monika Schwarz.

Bei allem Lachen – die Wehmut bleibt

Gelacht wird viel an diesem Morgen. An 41 statt der 25 gewohnten Orte, so vielen wie noch nie, sind die rund 100 Blumenfrauen im Einsatz, dazu erstmals neun Blumengeschäfte. Doch bei allem Lachen, die Wehmut ist nicht weit. Die Enttäuschung über den abgesagten Maienzug sitzt tief. «Das ist unser Tag – dass er nun nicht wie gewohnt stattfinden kann, ist traurig», sagt etwa Ines Pfister, die mit Mutter Ursula Baumann den Zollrainbrunnen schmückt. Das Blumenschmücken aber, das empfinden alle Blumenfrauen als Trost. Und dass ihrer Arbeit dieses Jahr so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, erst recht. Anouk Eichenberger, die mit Mutter Sibylle Hunziker Eichenberger am Stadthöflibrunnen arbeitet, sagt: «Dieses Jahr werden wir vom Nebenschauplatz zu einer der Hauptattraktionen. Das tröstet.»

«Der Brunnen tröstet»: Am Donnerstagmorgen haben die Blumenfrauen die Aarauer Brunnen geschmückt – trotz allem

«Der Brunnen tröstet»: Am Donnerstagmorgen haben die Blumenfrauen die Aarauer Brunnen geschmückt – trotz allem

Die Blumenfrauen in besonderem Scheinwerferlicht, eine grosse Freude für die oberste Blumenfrau, Sandra Hess. «Als eingefleischte Maienzüglerin tröstet mich das etwas über die Absage hinweg», sagt sie und lacht. Doch die damit anfallende Mehrarbeit sei nicht ohne gewesen. «Der Ablauf eines normalen Maienzugs ist nach zehn Ausgaben als oberste Blumenfrau so drin, das läuft fast von selbst», sagt Hess. Dieses Jahr aber sei alles anders, die Koordination viel aufwendiger.

Es beginnt schon bei der Anzahl Brunnen. Dann der Bezug der Blumen: Holt Hess diese normalerweise allesamt beim Grosshändler, müssen sich die Teams dieses Jahr selber um die Blumen kümmern. Dafür haben sie von der Stadt Gutscheine für die hiesigen Blumengeschäfte bekommen, um diesen in der Krise unter die Arme zu greifen.

Von der üppigen Blumenpracht profitieren auch die ­Aarauerinnen und Aarauer in besonderem Masse: Sind die Brunnenführungen von Aarau Info in anderen Jahren immer ausgebucht, können heute ­Freitag zwischen 9 und 11 Uhr alle kostenlos vom Wissen des Stadtführerteams profitieren und sich an acht Brunnen ­Historisches, Anekdoten und Geschichten zum Maienzug ­erzählen lassen.

Den Plan zum Brunnenspaziergang mit den Standorten der Stadtführer finden Sie auf www.aarauinfo.ch/brunnenrundgang

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