Densbüren

Sonderschüler in Regelklassen: «Die Berührungsängste haben die Kinder schnell abgebaut»

Hier feierten Kinder aus Densbüren und der «Schürmatt»gemeinsamdenSchulstart.

Hier feierten Kinder aus Densbüren und der «Schürmatt»gemeinsamdenSchulstart.

Seit einem Jahr werden in Densbüren Sonderschüler der Stiftung Schürmatt zusammen mit Regelklassen unterrichtet. Zeit für ein Fazit.

«Nach einer für alle Betroffenen strengen Startphase sind wir glücklich, dieses Projekt gewagt zu haben.» – Das konstatiert Doris Graf, Leiterin der Schule Densbüren, nach einem Jahr «kooperative Klasse». Für dieses Projekt mit Pilotcharakter hatte sich die Zetzwiler Stiftung Schürmatt im letzten Sommer mit der Schule Densbüren zusammengetan.

Die Stiftung führt seither in der Dorfschule im Staffeleggtal eine Heilpädagogische Klasse für Kinder mit geistigen und/oder körperlichen Beeinträchtigungen.

Einen Teil der Unterrichtsstunden erleben diese Kinder gemeinsam (kooperativ) mit den Schülern der Densbürer Regelklassen – Musik, Turnen und Projektarbeiten zum Beispiel, aber auch Teile des Mathematik- und Deutschunterrichts.

Und: Durch die enge Zusammenarbeit besteht die Möglichkeit, Kinder der Heilpädagogischen Klasse nach und nach in die Regelklasse einzugliedern. So lautete zumindest der Plan, als die «kooperative Klasse» nach den Sommerferien 2019 startete – mit vier Erstklässlern und einem Zweitklässler der «Schürmatt». Im Laufe des Schuljahres kam sogar noch ein weiteres Kind dazu. Ein Schulbus bringt sie jeden Tag aus der ganzen Region nach Densbüren.

«Es sind neue Freundschaften entstanden»

Jetzt, nach einem Jahr, zieht Schulleiterin Doris Graf ein positives Fazit zur ersten kooperativen Klasse im Aargau: «Die Klasse hat ihren Platz bei uns an der Schule Densbüren gefunden. Die Schüler haben sich gut eingelebt, es sind neue Freundschaften entstanden.

In verschiedenen Unterrichtssituationen kann von einem Aussenstehenden nicht unterschieden werden, bei wem es sich um eine Schülerin der Regelklasse oder einen kooperativen Schüler der Schürmatt handelt.»

«Anfängliche Berührungsängste haben die Kinder der Regelklassen schnell abgebaut», so die Schulleiterin. Auch, weil das Thema «Anders sein» von den Lehrpersonen immer wieder aufgegriffen werde. «Die Schülerinnen und Schüler der Regelklasse lernten, sich auch abzugrenzen und durchzusetzen.» Sie seien den Schürmatt-Schülern stolze Gottis und Göttis und nähmen ihre Aufgabe ernst, sagt Graf.

Den einzigen Nachteil des gemeinsamen Projekts mit der «Schürmatt» sieht die Schulleiterin in der Arbeitsbelastung, die für alle Beteiligten auch nach einem Jahr noch immer hoch sei und «ein grosses Engagement und Flexibilität verlangt».

Alle sechs Kinder aus dem ersten Jahr «kooperative Klasse» werden auch im kommenden Schuljahr in Densbüren beschult. Es kommen sogar noch zwei weitere dazu. «Die Nachfrage nach Schulplätzen ist gross», sagt Doris Graf. «Es konnten nicht alle angemeldeten Kinder aufgenommen werden.»

Das erste Fazit der Stiftung Schürmatt fällt ebenfalls positiv aus. Man hofft, dass sich weitere Gemeindeschulen bereit erklären, kooperative Klassen zu führen. «Mit zwei Schulen sind wir im Gespräch», sagt Christine Blum, Leiterin Geschäftsbereich Schule und Therapie der Schürmatt. «Schulen aus den Regionen Aarau und Kulm, die ebenfalls Interesse haben, dürfen sich gerne melden.»

Für den Kanton Aargau besteht sowieso Nachholbedarf in Sachen integrativer Beschulung – im schweizweiten Vergleich hat er den vierthöchsten Anteil an Schülerinnen und Schüler in Sonderschulen. Für manche von ihnen wäre eine Kooperative Klasse die bessere Schulform. «Einerseits, weil viele Eltern ihre Kinder lieber mindestens teilweise in einer Regelklasse sähen», erklärt Christine Blum.

«Zweitens, weil in einer kooperativen Klasse die Möglichkeit besteht, dass sie individuell nach ihren Fähigkeiten mal separat und mal zusammen mit der Regelklasse beschult werden. So können sie sich optimal weiterentwickeln.»

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