Das kommt überraschend: Der Aarauer Stadtrat plant, die gesamte Siedlung «Auf Walthersburg» mit 59 Miet- und Alterswohnungen von der jetzigen Besitzerin «Swiss Re» zu kaufen – für 33 Mio. Franken. Das teilte er gestern mit. Das Geschäft wird am 25. März dem Einwohnerrat vorgelegt. Weil es sich um eine Investition des Finanzvermögens handle, so Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker auf Anfrage der AZ, brauche es keine Volksabstimmung.

Der Kauf soll per 1. Juni erfolgen. Der Stadtrat will damit «die Präsenz auf dem Immobilienmarkt im Segment Mietwohnungen und Alterswohnungen ausbauen und stärken», heisst es in der Medienmitteilung. «Die Immobilienstrategie der Stadt Aarau unterstützt eine aktive Immobilien- und Landpolitik. Sie hat zum Ziel, den Wohn- und Wirtschaftsstandort Aarau zu stärken.»

Kurzfilm über das Seniorenzentrum «Auf Walthersburg», erstellt von Bewohner H.U. Förtsch:

Wohnungen sind nicht billig

Das Kaufobjekt umfasst fünf Gebäude an den Adressen Walthersburgerstrasse 1, 3, 5 und 7 a–c sowie Pestalozzistrasse 22 a–c (Zelgli-Quartier). Die Gesamtfläche beträgt laut Medienmitteilung 11 067 Quadratmeter. Die Siedlung besteht aus normalen Mietwohnungen sowie aus einem Seniorenzentrum mit Cafeteria. Die Wohnungen sind eher im gehobenen Bereich anzusiedeln. Eine normale Attika-Wohnung an der Pestalozzistrasse 22b (5½ Zimmer, 156 Quadratmeter) ist für 3400 Franken ausgeschrieben.

Das Seniorenzentrum gibt es seit rund 30 Jahren. Es ist als Betriebsgenossenschaft organisiert und bietet selbstständiges Alterswohnen mit Dienstleistungen, aber keine Pflegeplätze. Es umfasst 21 2½-Zimmer-Wohnungen, sieben 3½-Zimmer-Wohnungen und eine 1-Zimmer-Wohnung.

2½ Zimmer kosten, bei der Belegung durch eine Einzelperson, mindestens 4105 Franken im Monat. Darin inbegriffen sind unter anderem Reinigung, Nebenkosten sowie Zugang zu 24-Stunden-Notruf und In-House-Spitex (deren Leistungen werden separat verrechnet). Ausserdem ist das Mittagessen in der Cafeteria (Hauptgang heute: Lammragout mit Gemüse und Kartoffelstock) im Mietpreis inbegriffen.

Das Seniorenzentrum trennte sich im Sommer 2017 von seinem langjährigen Leiter. Es war diesem, so schimmerte bei der Begründung durch, nicht gelungen, die «Walthersburg» angesichts des schwieriger gewordenen Marktumfelds gut zu positionieren, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen und eine möglichst gute Auslastung zu erreichen. Daraufhin wurde zunächst ein Interims-Zentrumsleiter einer externen Firma eingestellt. Man wolle sich für die Nachfolgesuche genügend Zeit nehmen, sagte Max Rickenbacher, Präsident der Betriebsgenossenschaft, im August 2017 gegenüber der AZ. Mittlerweile amtet Rickenbacher selber als Geschäftsleiter.

Keine weiteren Pflegeplätze

Für die Mieter der (Alters-)Wohnungen ändere sich durch den Kauf «grundsätzlich nichts», sagt der Stadtpräsident. Auch die Betriebsgenossenschaft des Seniorenzentrums werde weiter bestehen bleiben: «Der entsprechende Vertrag läuft bis Mitte 2024.» Das Dienstleistungsangebot im Seniorenzentrum werde «von der Betriebsgenossenschaft gestaltet und weiterentwickelt», auch sei die Betriebsgenossenschaft für die Preisgestaltung zuständig. Einen Ausbau in Richtung Pflegeheim wird es nicht geben: «Aarau hat keinen Bedarf an weiteren Pflegeplätzen», sagt Hilfiker. Und: Am Sanierungsplan der Aarauer Pflegeheime Herosé und Golatti ändere sich durch den Kauf der «Walthersburg» nichts.