Studie
Strassenraumgestaltung: Bis 2030 wird alles anders zwischen Aarau und Erlinsbach

Die Strasse zwischen Aarau und Erlinsbach sowie Aarau und Rombach soll in etwa zehn Jahren saniert und umgestaltet werden. Der Kanton bezieht die Bevölkerung bei der Gestaltung mit ein.

Nadja Rohner
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Der Weinberg-Kreisel: Wird er grösser oder bleibt er in den heutigen Dimensionen bestehen?

Der Weinberg-Kreisel: Wird er grösser oder bleibt er in den heutigen Dimensionen bestehen?

Nadja Rohner

Vor anderthalb Jahren startete der Kanton ein Pilotprojekt: Er bezog Anwohner in die Planung einer Kantonsstrassensanierung und -umgestaltung ein – zu einem Zeitpunkt, an dem noch alles offen war und die Bauerei ein gutes Jahrzehnt in der Zukunft lag. Und: Nicht nur der Strassenraum selber, sondern auch die Entwicklung der angrenzenden Quartiere soll in die Planung einfliessen. An einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung im Mai 2019 wurden die Interessen, Anliegen und Erfahrungen der Bevölkerung abgeholt.

Jetzt präsentiert der Kanton basierend darauf eine Vorstudie. Sie ist erst behördenverbindlich. «Damit sollen nun die konkreten, grundeigentümerverbindlichen Planungen seitens Gemeinden und Kanton lanciert werden», sagt Dominik Kramer, Leiter Infrastruktur beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt.

Der Perimeter zieht sich von der Kettenbrücke Richtung Weinberg-Kreisel, dann in Richtung Osten bis zum Rombacherhof und in Richtung Westen bis zum Löwen-Kreisel in Erlinsbach SO. Entsprechend sind neben dem Kanton als Bauherr auch die Gemeinden Aarau, Erlinsbach AG und Erlinsbach SO involviert.

An allen drei Enden des Perimeters bestehen bereits Anschlussprojekte, die im Bau (Kettenbrücke), im Landerwerbsverfahren (Rombach) oder in der Erarbeitungsphase (Hauptstrasse Erlinsbach) sind.

Bessere Bedingungen für Velofahrer und Fussgängerinnen

In der Vorstudie ist der Perimeter in sechs Abschnitte eingeteilt. Alle liegen im Innerortsbereich und haben gemeinsam, dass Fussgänger und Velofahrerinnen künftig mindestens gleich gute, meist aber bessere Bedingungen vorfinden. Das bedeutet: beidseitige Trottoirs, Velostreifen (teils gemeinsam mit der Busspur), mehr und sicherere Strassenquerungen.

Angedacht ist, dass es zwei neue Bushaltestellen geben könnte, sofern die Nachfrage da ist («Rebhaldenweg» und «Kraftwerk»). Sie sollen in Abstimmung mit dem Verkehrsmanagement Region Aarau als nicht überholbaren Fahrbahnhalt ausgeführt werden; auch die bestehende Haltestelle «Alte Badeanstalt» würde so abgeändert. Damit kann die Busbevorzugung stadteinwärts gewährleistet werden. Heute steht der Bus zu Stosszeiten im Stau.

Die Bushaltestelle "Alte Badeanstalt" soll zu einem Fahrbahnhalt werden, damit der Bus bevorzugt wird.

Die Bushaltestelle "Alte Badeanstalt" soll zu einem Fahrbahnhalt werden, damit der Bus bevorzugt wird.

Nadja Rohner

Abschnitt: Dorfkern Erlinsbach

Für den Knoten Buchhalde in Erlinsbach gibt es zwei mögliche Varianten: eine Kurve mit Einmündung wie bisher oder ein neuer Kreisel. Letzterer würden den Verkehr «entschleunigen», sei aber schwierig zu realisieren, sofern die Bebauung neben der Strasse so bleibt, wie sie heute ist, heisst es in der Vorstudie. Es wird angeregt, die Häuser in ein strassenübergreifendes Konzept für einen «Trottenplatz» einzubinden. Und: «Eine parzellenübergreifende Entwicklung ermöglicht grössere Neubauten mit klaren Vorder- und Rückseiten.»

Abschnitt: Plateau

Im Abschnitt zwischen Einmündung Bläuenstrasse bis zum Restaurant Rebberg sind ergänzende Fussverkehrsquerungen vorgesehen. Sie sollen die Siedlung und den Aareraum besser vernetzen sowie die Sicherheit erhöhen.

Abschnitt: Landschaft

Zwischen Restaurant Rebberg und dem Spielplatz «Alte Badeanstalt» soll der Häsibach aufgewertet werden. Auch hier würde künftig ein neuer Fussgängerstreifen den Zugang zum Fluss vereinfachen. Hangseitig sollen, wie im gesamten Perimeter, nach nach Möglichkeit ökologisch wertvolle Natursteinmauern entstehen.

Abschnitt: Landschaft

Abschnitt: Landschaft

Nadja Rohner

Zusätzlich zu den Natur- und Landschaftsmassnahmen auf dem gesamten Abschnitt wurde durch die Gemeinden ein Naherholungskonzept Aareraum und Wald gestartet. Ergebnisse dazu werden in den kommenden Jahren erwartet.

Abschnitt: Kraftwerk

Der Abschnitt Kraftwerk ist unter anderem durch den geplanten Wohn-Neubau der Eniwa und durch den Kraftwerksneubau geprägt.

Abschnitt: Kraftwerk

Abschnitt: Kraftwerk

Nadja Rohner

Die Vorstudie hält fest, dass neue Überbauungen durchlässig sein sollen, damit der Aareraum nicht zu sehr von der Strasse abgetrennt wird.

Abschnitt: Vorstadt

Beim Abzweiger Hans-Fleiner-Weg – dort, wo der Brunnen steht – soll ein kleiner Platz mit Bäumen geschaffen werden.

Hier zweigt rechts der Hans-Fleiner-Weg ab

Hier zweigt rechts der Hans-Fleiner-Weg ab

Nadja Rohner

Zwischen Kettenbrücke und Weinbergkreisel wird ein Mehrzweckstreifen vorgeschlagen. Was den Kreisel angeht, so sehen die Planer mehrere Varianten. Man könnte ihn so lassen, wie er ist – dann könnten die Gebäude rundherum sowie die grosse Linde ebenfalls bestehen bleiben.

Denkbar wäre aber auch eine Vergrösserung sowie eine Verlängerung der Busspur bis zum Fleiner-Weg. Das würde aber Gebäudeabbrüche und eine Neustrukturierung des Gebiets erfordern. Weil das eine eher langwierige Geschichte wäre, könne diese Variante auch als Langfristoption eingeordnet werden, heisst es in der Vorstudie.

Abschnitt: Vorstadt

Abschnitt: Vorstadt

Nadja Rohner

«Die städtebaulichen Varianten im Dorfkern Erlinsbach und in der Vorstadt Aarau sind als Ideen zu verstehen», so Dominik Kramer vom BVU. Die Gemeinden sollen sie nun zum Beispiel mit Studienaufträgen respektive Planungswettbewerben weiterverfolgen. Die Weiterbearbeitung wurde seitens Gemeinden bestätigt und starten im nächsten Jahr.

Abschnitt: Hang

Der Abschnitt Hang zieht sich vom Weinbergkreisel bis zum Rombacherhof und ist beidseitig steil. Entlang der Südseite der Strasse ist gemäss Vorstudie darauf zu achten, dass Gebäude auch von der anderen Seite her erschlossen werden können. Bergaufwärts müssen sich Velofahrer und Fussgänger künftig das Trottoir nicht mehr teilen; es wird ein separater Velostreifen entstehen. Talseitig wurden Festlegungen gemacht, wie eine künftige Gebäudestruktur aussehen könnte.

Wie geht es weiter?

Jetzt sind vor allem die Gemeinden gefordert: Sie müssen ihre individuellen Planungsinstrumente ausarbeiten. Die Umgestaltung der Kantonsstrasse selber wird in etwa sechs Jahren auf Grundlage der kommunalen Planungen konkret projektiert und dann bis in etwa zehn Jahren umgesetzt.

Die Schlussdokumente der Vorstudie können auf den Webseiten der Stadt Aarau und der Gemeinde Erlinsbach (AG und SO) eigesehen werden.