Aarau
Tiere in der Stadt: Schwan hockt im Bad, Ente im Beet, der Fuchs sammelt Schuhe

Tiere halten die Jagdaufseher auf dem Aarauer Stadtgebiet auf Trab: Enten beispielsweise, die in den sonderbarsten Ecken brüten. Die Mitarbeiter des Werkhofs haben wegen der Tiere auch schon einige Rettungsaktionen erlebt.

Katja Schlegel
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Enten suchen sich zum Brüten gerne Plätzchen mit Aussicht, wie beispielsweise Blumentröge.az-Archiv/kob

Enten suchen sich zum Brüten gerne Plätzchen mit Aussicht, wie beispielsweise Blumentröge.az-Archiv/kob

Ob Streifenhörnchen Darvida mögen? Jagdaufseher René Senn weiss es bis heute nicht. Irgendjemand hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht, und die aus einem Plastikrohr, einem Stofflumpen, etwas Klebestreifen und Darvida als Lockmittel selbst gebastelte Streifenhörnchen-Falle entfernt. Ob mit oder ohne Tiere drin, weiss er nicht. Auch nicht, ob es tatsächlich ausgesetzte Streifenhörnchen und nicht vielleicht doch Eichhörnchen waren, welche die Frau aus der Aarauer Telli es Anfang Jahr gemeldet hatte.

Wilde Tiere machen vor Stadtgrenzen nicht halt. Wenn sich irgendwo was tut, müssen René Senn oder sein Kollege René Hächler ausrücken. Rund 40 Einsätze kommen so im Jahr zusammen. Einsätze, die manchmal traurig enden. Aber auch solche, die für Abwechslung im Berufsalltag sorgen. So wie die Geschichte von den Streifenhörnchen, dabei ist dies noch längst nicht die Spektakulärste.

Das Revier Aarau ist ein Spezialfall

Das Revier Aarau ist das einzige von über 200 Revieren im Kanton, die nicht verpachtet sind. Deshalb gibt es hier auch keine Jagdgesellschaft, wohl aber zwei Jagdaufseher. Das Revier Aarau hat aber ganz andere Grenzverläufe als die Gemeinde. So beschränkt sich das Revier hauptsächlich auf bebaute Fläche, denn von den 630 Hektaren sind nur gerade 33 bewaldet. Das Revier Aarau ist ein Schongebiet, es herrscht Jagdverbot. Geschossen werden nur kranke oder verletzte Tiere. (ksc)

Da gibt es die Geschichte von der älteren Dame, die in ihrem Badezimmer einen Schwan hielt. In der Badewanne hatte sie ihm ein Nest gebaut, nachts ging sie mit ihm im Quartier spazieren. «Sie legte dem Schwan ein Halsband um und nahm ihn an die Leine», erinnert sich Stadtoberförster Christoph Fischer.

Oder die Geschichte mit den beiden Kornnattern, die vermutlich jemand ausgesetzt hatte, und die den Werkhofmitarbeitern einen gehörigen Schrecken einjagten, als sie den Abfluss beim Regenbecken Rohr kontrollierten.

Nicht zu vergessen auch die Füchse am Hungerberg, die ganze Turnschuhsammlungen vor ihren Bauten horten – mit lauter Einzelstücken, versteht sich.

Entenmutter sorgte für Schlagzeilen

Eine Herausforderung sind die Enten: Die Federtiere mögens beim Brüten mit bester Aussicht und suchen sich immer wieder abenteuerliche Plätze für ihr Nest: auf den Flachdächern der Igelweid, auf dem UBS-Gebäude an der Bahnhofstrasse, in den Dachgärten am Ziegelrain oder im Lichthof des Kantonsspitals. Letzten Sommer beispielsweise machte eine Entenmutter Schlagzeilen, die am Ziegelrain mit ihren frisch geschlüpften Jungen in einen Coiffeursalon spazierte und bei all der Aufregung flüchtete. Die Kleinen mussten von der Kantonspolizei gerettet werden.

Das Brüten in der Stadt wäre den Enten ja nicht zu verübeln, müssten die Mitarbeiter des Werkhofs sie mit ihren Jungen nicht jeweils von den Dächern herunterholen. Das birgt zwei Probleme: erstens die Sicherheit der Mitarbeiter, zweitens die Haftungsfrage bei Schäden am Dach – durch die Enten oder die Mitarbeiter, die sie retten.

Senn rät deshalb allen Hausbesitzern, die Enten umgehend zu verscheuchen und die frisch gebauten Nester zu zerstören, damit die Tiere nicht wiederkommen. Denn diesbezüglich sind Enten wie Menschen: Gefällt es ihnen an einem Ort, kommen sie immer wieder an diesen zurück.

Trotz der teilweise mühsamen Rettungsaktionen will Senn diese aber nicht missen: «Tiereinsätze sind immer anders, man weiss nie, was einem erwartet. Sie sind eine schöne Abwechslung im Alltag.»

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