Tod von Otto Ineichen

Trauer um weitsichtigen Unternehmer: Was passiert jetzt mit Speranza?

Ist am Mittwochmorgen verstorben: Nationalrat Otto Ineichen (Archiv)

Ist am Mittwochmorgen verstorben: Nationalrat Otto Ineichen (Archiv)

Die Stiftung Speranza trauert um Otto Ineichen. Der Kapitän wird fehlen. Beim Speranza-Hauptsitz in Aarau kann man den Verlust des Patrons nicht verstehen.

Regelmässig ging Otto Ineichen in den Büros an der Jurastrasse 4 in Aarau ein und aus. Zum ersten Mal vor vier Jahren, als er die Stiftung Speranza gründete und ihr als Präsident seither auch vorstand.

Die Stiftung, die Jugendliche ohne berufliche Perspektiven und Menschen, die nach dem 50. Altersjahr keine Stelle mehr finden, unterstützt, hat in Aarau ihren Geschäftssitz. Anfang April hatte Stiftungspräsident Ineichen vorübergehend auch die Stelle des Vorsitzenden der Geschäftsleitung übernommen. In dieser Funktion war er in alle Tagesgeschäfte involviert.

Seit Donnerstagmorgen, als Ineichen in Sursee einem Herzversagen erlag, wissen die Mitarbeiter von Speranza, dass ihr Chef nie mehr durch ihre Bürotüren kommen wird.

Nie mehr wird er die Projekte, die er selber angerissen hat, unterstützen und begleiten, nie mehr eine seiner grossen Stärken ausspielen, die darin bestand, die Mitarbeiter zu motivieren. Der Luzerner FDP-Nationalrat kann ihnen keine Türen mehr öffnen, wenn Anliegen auf Bundesebene und in verschiedensten Unternehmen landesweit vertreten oder in den Medien weiter verbreitet werden sollen.

«Uns wird der Kapitän fehlen»

Die Anzeichen der Trauer sind am Geschäftssitz spürbar. Sie zeigen sich nicht nur in der dunklen Kleidung der Mitarbeiter, man sieht sie auch, wenn sich Markus Muheim, Mitglied der Geschäftsleitung, unauffällig mit der Hand über die Augen wischt oder hört sie, wenn Stephan Clavadetscher, auch er Mitglied der Geschäftsleitung, am Telefon sagt: «Es ist sehr tragisch, wir sind bestürzt – uns fehlt sozusagen der Kapitän.»

Clavadetscher sagt, bei Speranza fehle nach dem Tode von Ineichen dessen Spontaneität, seine Hartnäckig- und Zielstrebigkeit. «Es gibt nicht viele, die eine solche Ausstrahlung haben», sagt er. Diese Ausstrahlung aber werde nachwirken, denn bei Speranza werde man in Ineichens Sinne weitermachen.

Eingesetzt hat Ineichen sein Charisma bei Speranza, in seinem zweiten wichtigen Lebenswerk – neben dem Unternehmen Otto’s – weil dem FDP-Politiker die Zukunft dieser Menschen wichtig war. So sehr, dass er noch am Vorabend seines Todes in den Geschäftssitz nach Aarau gekommen sei und dort über Pläne für ein neues Projekt geredet habe, erzählt Hans-Rudolf Gysin.

Gysin wird Interims-Präsident

Gysin ist Vizepräsident der Stiftung Speranza und war bis 2011 Baselbieter FDP-Nationalrat. Er ist heute Direktor der Wirtschaftskammer Basel-Landschaft. Als Gysin vom Tode Ineichens vernommen hat, ist er sofort nach Aarau gefahren und hat sich mit der Geschäftsleitung von Speranza beraten.

Ineichens politischer Weggefährte sicherte den Mitarbeitern zu, dass er das Stiftungsratspräsidium interimistisch übernehmen will, – so wie es seine Aufgabe als Vizepräsident ist. «Ohne dabei jedoch», betont er, «einen zukünftigen Entscheid vorwegzunehmen.» Noch hält er an einer Übergangslösung fest. Zuversichtlich sagt er: «Wir sind guten Mutes, dass es so weiter gehen wird, wie bisher.»

Für diese Zuversicht hat nicht zuletzt Ineichen selbst gesorgt. «Otto Ineichen war Unternehmer», sagt Clavadetscher. «Er wusste, wo es ihn wirklich brauchte. Er hat weitsichtig geplant, hat unterstützt, begleitet und frühzeitig Kontakte hergestellt.» Das kommt der Geschäftsleitung heute zugute. Denn auf Bundesebene – etwa beim BBT (Bundesamt für Berufsbildung und Technologie) oder beim Seco (Staatssekretariat für Wirtschaft) – kennt man die Stiftung Speranza. Markus Muheim, sagt: «Dort sind wir dank Otto Ineichen etabliert.»

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