Oberentfelden
Über 60 Prozent lehnen den Zukunftsraum ab – Ammann: «Eine riesige Enttäuschung»

Nach Suhr steigt auch Oberentfelden aus dem Projekt Zukunftsraum aus. Gemeindeammann Markus Bircher sagt: «Das habe ich so nicht erwartet.»

Urs Helbling
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Oberentfelden steigt aus dem Fusionsprojekt Zukunftsraum aus. (Bildmontage)

Oberentfelden steigt aus dem Fusionsprojekt Zukunftsraum aus. (Bildmontage)

Keystone/Montage: mwa

60,6 Prozent Nein, 39,4 Prozent Ja: Der Zukunftsraum Aarau ist für Oberentfelden Geschichte. Einem achtköpfigen Referendumskomitee ist es ohne Unterstützung von Ortsparteien gelungen, den Gemeindeversammlungsentscheid vom September zu kehren.

An der Referendumsabstimmung am Sonntag haben mit 1167 Nein leicht mehr Leute gegen den Zukunftsraum votiert, als das Referendum unterzeichnet hatten. Die Stimmbeteiligung betrug – angesichts der Tatsache, dass es nur um kommunale Vorlagen ging – beachtliche 40,5 Prozent.

Fünf der acht Sieger (für das Foto ohne Maske, v.l.): Hermann Rüfenacht, Dieter Ammann, Marianne und Franz-Udo Fuchs-Holliger sowie Brigitte Siegenthaler-Kyburz (wegen Auswirkungen von Corona nicht dabei Roland Haldimann, Michael Wiesendanger und Guido Kyburz).

Fünf der acht Sieger (für das Foto ohne Maske, v.l.): Hermann Rüfenacht, Dieter Ammann, Marianne und Franz-Udo Fuchs-Holliger sowie Brigitte Siegenthaler-Kyburz (wegen Auswirkungen von Corona nicht dabei Roland Haldimann, Michael Wiesendanger und Guido Kyburz).

uhg

Längerfristig Fusion Ober-und Unterentfelden?

«Ich habe das so nicht erwartet.» Für Gemeindeammann Markus Bircher (FDP) ist das Resultat «eine riesige Enttäuschung»: Während es an den Gemeindeversammlungen jeweils gelungen sei, die Leute mit Argumenten zu überzeugen, würden an Urnenabstimmung stärker Bauchentscheide gefällt.

Markus Bircher.

Markus Bircher.

Sandra Ardizzone

Und jetzt? Zum Glück habe man nicht alles an den Zukunftsraum gekoppelt. «Es geht weiter», so Markus Bircher. Mit Interesse werden die Oberentfelder verfolgen, was in Unterentfelden passiert. «Eventuell kommt ja eine Fusion zwischen Unter- und Oberentfelden wieder einmal aufs Tapet», sagt Bircher. Das werde aber nicht kurzfristig der Fall sein. Also erst in der nächsten Legislatur (ab 2022) – sofern sich Unterentfelden nicht Aarau anschliesst. Die Beziehungen zwischen Ober- und Unterentfelden sind vor allem im Schulbereich sehr stark (Kreisschule).

«Bitter enttäuscht» ist auch das Oberentfelder Komitee «Pro Zukunftsraum Aarau». Oberentfelden habe auf Jahre hinaus eine grosse Chance verpasst. Scheinbar hätten die vom Gegenkomitee geschürten Ängste und Befürchtungen mehr verfangen, so die Befürworter in einer Medienmitteilung. «Oberentfelden will offensichtlich lieber den Ist-Zustand zementieren, auch wenn die wirtschaftliche und finanzielle Lage prekär und es schwierig ist, genügend Leute für die verschiedenen Funktionen zu rekrutieren.»

«David hat gegen Goliath gewonnen»

Freude herrschte dagegen bei den siegreichen Zukunftsraum-Gegnern. Ihr Kampf hatte mit einem Telefonat zwischen Franz-Udo Fuchs und Dieter Ammann nach der Gemeindeversammlung begonnen. Innerhalb des achtköpfigen Komitees profilierte sich Hermann Rüfenacht als «Sammler und Verteiler». Er alleine sammelte 320 Unterschriften, und er verteilte am meisten der über 4000 Flyer, die die Gegner aus Kostengründen eigenhändig in die Briefkästen steckten.

Man sei bis am Schluss unsicher gewesen, ob man gewinnen werde, erklärte Brigitte Siegenthaler-Kyburz. Sie hofft, dass sich der Gemeinderat nun Gedanken über das Resultat macht. Im Sinne von, wie es Franz-Udo Fuchs sagt, «bin ich noch am rechten Ort». Die Oberentfelder hätten gezeigt, dass ihnen die Eigenständigkeit wichtiger sei als ein Steuerfuss von 97 Prozent. Dieter Amman geniesst den Moment des Triumphes und erklärt: «David hat gegen Goliath gewonnen.»

Die anderen sechs Abstimmungen endeten am Sonntag im Sinne des Gemeinderates. So wurde das Budget mit einem unveränderten Steuerfuss von 110 Prozent genehmigt. Eine klare Sache war auch der Kredit für die Wärmedämmung des Dachs der Engelscheune. Am knappsten endet die Abstimmung über die Schaffung von 2,6 neuen Stellen auf der Verwaltung: 1041 Ja zu 707 Nein.