Gränichen

Überall riesige Risse – jetzt soll der Bausünder das kaputte Haus kaufen

Am Schaden gibt es keine Zweifel: So sah die Waschküche im April aus. Das Haus wurde inzwischen geräumt.

Am Schaden gibt es keine Zweifel: So sah die Waschküche im April aus. Das Haus wurde inzwischen geräumt.

Wegen des Baus der Apfelhain-Siedlung in Gränichen entstanden an einem benachbarten Haus Risse. Die Versicherung zahlt dem 79-jährigen Hausbesitzer nun eine Mietwohnung. Damit ist der Fall aber noch nicht abgeschlossen.

Zuerst verharmloste die Bauleitung die Schäden: Am Haus im Gränicher Burghalden-Quartier seien «Haarrisse» entstanden (wir berichteten).

Später gab sie zu, dass die Risse mehrere Zentimeter breit sind. Die Risse ziehen sich über die Böden, Wände und Decken des Hauses aus dem Jahr 1934 an der Gränicher Burghalde. Die Risse entstanden, als sich wegen der Aushubarbeiten für die Apfelhain-Überbauung die Erde in der Burghalde bewegte.

Trotz aller Warnungen vor dem instabilen Boden, die die Bewohner des Burghalde-Quartiers bei der Einspracheverhandlung vorbrachten, wurden keine Massnahmen getroffen.

Bei einem Nachbarn beschädigte der Hangrutsch den Wintergarten. Das kam erst ans Licht, nachdem sich dieser bei der az gemeldet hatte. Zuerst hiess es nämlich von Seiten der Bauleitung, dass nur an einem Haus Schäden entstanden seien.

Die Bauleitung schweigt

Nun äussert sich die Bauleitung aus dem Zürcher Oberland gar nicht mehr zur unglücklichen Begebenheit – weder telefonisch noch schriftlich. Dem Vernehmen nach forderte die Bauherrschaft diese Verschwiegenheit.

Die Bauherrschaft der Apfelhain-Siedlung besteht aus den beiden Firmen, die die Parzellen 280 und 3681 besitzen, auf denen die Überbauung Apfelhain mit fünf Mehrfamilienhäusern erstellt wird.

Dabei handelt es sich um die Genossenschaft Asga Pensionskasse aus St. Gallen und die Immovision 1 AG aus Baden. Die Immovision 1 AG erklärt auf Anfrage, dass die Aushubarbeiten auf der anderen Parzelle – also jener der Asga Pensionskasse – zum Hangrutsch führten.

Insofern sei die Immovision 1 AG nicht direkt betroffen und auch an den Verhandlungen mit dem Hauseigentümer nicht beteiligt. Seitens der Asga hiess es, dass alle Mitarbeiter in den Ferien seien, die Auskunft geben könnten.

In der Angelegenheit geht es nun nicht mehr um die Bezeichnung der Risse am Haus, sondern um viel Geld. Und die Verantwortung dafür, dass ein 79-Jähriger sein Haus verlassen musste, in dem er sein ganzes bisheriges Leben verbracht hat.

Die Haftpflichtversicherung der Schwyzer Generalunternehmung, die die ganze Siedlung baut, zahlt dem geschädigten Hauseigentümer nun die Miete für eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus im Dorf Gränichen. Und zwar so lange, bis geklärt ist, was mit dem beschädigten Haus und dem Grundstück passieren soll.

Die Vorkommnisse lassen die Gränicher Gerüchteküche brodeln: Es wird kolportiert, dass die Gemeinde dem Hauseigentümer die Wohnungsmiete zahle. Das ist eine Fehlinformation, wie die Gemeinde bestätigt.

Der Eigentümer des zerstörten Hauses erwartet nun, dass die Bauherrschaft oder die Generalunternehmung sein Grundstück samt Haus abkauft. Denn mit seinem kaputten Haus kann er nichts mehr anfangen. «Ich habe sehr viel durchgemacht. Mein Haus ist eine Ruine und einsturzgefährdet», sagt der Eigentümer. Die Möbel liess er wegräumen, die Anschlüsse an Strom und Wasser sind gekappt.

Der Preis, den er sich vorstellt, basiert noch auf dem früheren, unversehrten Zustand des Hauses – schliesslich hat nicht er das Haus geschädigt. Daher will er auch nicht für die Wertverminderung büssen.

«Ich habe die gute Hoffnung, dass der Verkauf klappt», so der Hausbesitzer. Die Bauherrschaft sei zurzeit daran, den Kauf zu prüfen, sagt der Hausbesitzer. Ein Nachbar, der sich in der Materie auskennt, hilft ihm nun auf freiwilliger Basis, damit er für seine Liegenschaft einen fairen Preis erhält.

Gutachter soll den Fall klären

Die Bauverwaltung der Gemeinde Gränichen erwartet derweil ein Fachgutachten, das die Verantwortung für den Hangrutsch klären soll. Darauf basierend wird dann festgelegt, welche Haftpflichtversicherung welcher Unternehmen definitiv die Kosten übernehmen soll, die sich durch die Miete der Ersatzwohnung des Hauseigentümers oder durch den allfälligen Hauskauf ergeben.

Dass dem Hausbesitzer schon jetzt die Miete für seine Ersatzwohnung gezahlt wird, spricht dafür, dass auch das Generalunternehmen respektive seine Versicherung das Haus für nicht mehr bewohnbar hält.

Die Gemeinde ist insofern in den Fall involviert, als sie die verschiedenen Unternehmen beziehungsweise deren Versicherungen dazu gebracht hat, gemeinsam bei einem externen Ingenieur das Fachgutachten in Auftrag zu geben. «Ausser etwas Arbeitszeit entstanden uns deswegen keine Kosten», sagt Franz von Matt, Leiter der Bauverwaltung. «Wir waren dazu auch moralisch verpflichtet», sagt er.

Von Matt freut sich, dass der Hauseigentümer und langjährige Einwohner Gränichens Nachbarschaftshilfe erhält: «Die involvierten Baufirmen werden nach dem Bau des Apfelhains wieder weg sein. Darum muss man jetzt handeln.»

Von Matt fügt an: «Hätte ein Handwerker aus der Region einen solchen Fehler begangen, dürfte er sich hier wohl nicht mehr zeigen.» Der Unmut ist offenbar nicht nur beim Hauseigentümer gross.

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