Gastronomie

Ungewöhnliches Konzept: Von den Luxushotels der Welt in die Aarauer Altstadt

Ein ungewohntes Gastrokonzept: Zwischen den Toren entsteht eine Café-Bar mit Coiffeursalon.

Noch hat das Herzensprojekt keinen Namen. Dafür drei Elternteile: Tobias Krummenacher, seine Partnerin Désirée Sibold und eine weitere Geschäftspartnerin. Gemeinsam wollen sie beim Oberturm, wo sich heute der Laden «0816» befindet, einen Gastronomiebetrieb aufziehen – mit integriertem Barbershop & Coiffeursalon.

Auch wenn noch ohne Namen, so ist doch klar, wie das Lokal aussehen soll. Im Untergeschoss befindet sich der Coiffeursalon, im Erdgeschoss eine Coffee-Bar mit Sitzplätzen unter der Arkade, im Obergeschoss ein Gästeraum mit Sicht auf die Altstadt. Tagsüber gibt es im Gastronomieteil kleine Mahlzeiten, abends wird auf eine ruhige Wein- und Apéro-Bar gesetzt. «Wir streben Kooperationen mit lokalen Bäckern und Produzenten an, um möglichst regionale Produkte anbieten zu können», sagt Krummenacher. «Den Kaffee beziehen wir aus einer kleinen Rösterei in Zürich, die eine spezielle Röstung für uns produziert.»

Vom Bau in die Gastronomie

Désirée Sibold (28) und Tobias Krummenacher (27) sind noch jung und können dennoch bereits eine bemerkenswerte Laufbahn vorweisen: Sie lernte Malerin, er Zimmermann. Er hatte eigentlich andere Pläne, jobbte aber während der Berufsmatura in der Gastronomie – und kam nicht mehr davon los. Schliesslich nahmen sie das Projekt Hotelfachschule gemeinsam in Angriff.

Die beiden arbeiteten – teils zusammen, teils unabhängig voneinander – im Kempinski in St. Moritz Bad, beim Trüffelkönig Reto Mathis auf der Corviglia, bei Starkoch Anton Mosimann in London, im Luxushotel Taiwana auf St. Barth in der Karibik, im Peninsula in Peking und im Langham in New York. Sie haben das Handwerk von der Pike auf gelernt: Küche, Service, Bar, Front- und Back Office, Housekeeping. Vom Gehilfen bis ins Management. Und das immer unter Beobachtung äusserst anspruchsvoller Gäste.

Seit gut einem Jahr sind sie zurück in der Schweiz, wohnen in der Region Brugg. Krummenacher arbeitet als Geschäftsführer im Restaurant «Puro» beim Zürcher Paradeplatz, Sibold ist Chefin des «Summertime» in Aarau. Das Fernweh macht sich zwar immer mal wieder bemerkbar, aber: «Wir hatten die Wahl: Entweder weiter herumreisen oder all unser Geld nehmen und in etwas Eigenes investieren», sagt Krummenacher. Bei der Einrichtung ihres neuen Lokals in Aarau schauen die beiden auf Qualität, machen vieles selber, «wir sind ja handwerklich begabt». Es soll etwas Stilvolles werden, etwas das sich von anderen Restaurants der Umgebung abhebt.

Auch ungewöhnliche Gerichte

«Das Rad neu erfinden werden wir nicht», sagt Sibold. «Wir besinnen uns einfach darauf, was einerseits uns wichtig ist und andererseits, was der Gast will. Uns ist es wichtig, offen zu sein und auf die Bedürfnisse der Gäste einzugehen, ihnen gut zuzuhören.» Deshalb fällt es den beiden auch schwer, in Worte zu fassen, was sie künftig auftischen möchten. Es wird sicher eine überschaubare Karte geben und kein «Schischi», dafür aber auch ungewöhnliche Gerichte, die den Gast einladen, etwas Neues auszuprobieren. Auch Fleisch, jedoch nicht nur: «Ich selber mache mir nicht viel daraus», sagt Sibold. «Vegetarische Gerichte sind oft sehr viel kreativer.»

Krummenacher wird seine Arbeit am Zürcher Paradeplatz vorerst behalten, «weil wir finanziell alles auf eine Karte setzten und eine Absicherung brauchen». Seine Freundin kümmert sich um die Gastronomie im neuen Lokal, ihre Geschäftspartnerin um den Coiffeursalon. Eröffnen wollen die drei Jungunternehmer noch dieses Jahr.

Das Baugesuch lag bis vor kurzem beim Stadtbüro auf – ursprünglich war geplant, ein Restaurant im Untergeschoss und den Coiffeursalon im Obergeschoss einzurichten. Wegen einer haustechnischen Lüftungsproblematik ist der Plan in dieser Form nicht umsetzbar. Das angepasste und etwas verkleinerte Konzept muss noch vom Stadtrat genehmigt werden. Bisher sind keine Einsprachen eingegangen.

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