Ohne meinen Laptop und mein Handy bin ich mittlerweile nicht mehr arbeitsfähig. Alle Korrespondenz läuft über den E-Mail-Kanal, alle Dokumente sind im Computer, extern und in einer sogenannten Cloud gespeichert. Auf der einen Seite ist dieser technologische Fortschritt ein Segen, da ich orts- und zeitunabhängig, effizient und angenehm arbeiten kann. Aber wehe, wenn das Gerät ausfällt oder der Zugang zu meinen Daten nicht mehr funktioniert! Weil ich mir meiner selbst gewählten Abhängigkeit bewusst bin, habe ich mich immer sorgfältig um die empfohlenen Sicherheitsmassnahmen gekümmert. Und trotzdem wurde ich Opfer einer Phishing-Attacke. 

Mein Gasthaus Casa Grischina habe ich bis vor Kurzem unter anderem über die Vermittlungsplattform Airbnb angeboten. Mit diesem Absender erhielt ich eine E-Mail und wurde auf geänderte Sicherheitsvorkehrungen aufmerksam gemacht. Mit Mausklick bestätigte ich die kürzlich erfolgte Nutzung eines zusätzlichen Computers und erhielt per SMS einen Zugangscode. Und schon war mein Airbnb-Konto für mich blockiert. All meine Gäste wurden vermeintlich im Namen von Airbnb mit der Mitteilung angeschrieben, dass der Aufenthalt in der Casa Grischina storniert sei, aber andere Lokalitäten mit einem Rabatt zu mieten seien. Diese Unterkünfte gibt es in Wirklichkeit nicht, was dem Betrüger ansehnliche Einkünfte ermöglichen wird. 

Fast gleichzeitig las ich in der Zeitung von einem parlamentarischen Vorstoss in Bern, der die Einstellung der Versuche und Projekte rund um die elektronische Stimmabgabe (E-Voting) verlangt, bis der Nachweis erbracht sei, dass bestehende Sicherheitsprobleme geschlossen sind. Laufend wird aus aller Welt über Sicherheitslücken in IT-Systemen und erfolgreichen Phishing- und Hackerattacken berichtet. «Während sich rein wirtschaftlicher Schaden versichern lässt, ist der Schaden für unsere direkte Demokratie – der Verlust des Vertrauens in die Korrektheit des ermittelten Abstimmungs- und Wahlergebnisses – praktisch irreparabel», heisst es im Vorstoss. Als persönlich von einem Betrugsfall Betroffene betrachte ich die Idee des E-Votings heute mit viel kritischeren Augen. 

Um den Nutzen und die Gefahren von E-Voting kümmern sich nicht nur Fachpersonen aus Politik und Wirtschaft, sondern auch die Wissenschaft. Und das in Aarau. Rund 45 hoch qualifizierte Mitarbeitende befassen sich im Zentrum für Demokratie (ZDA) mit vielfältigen Themen rund um Demokratiefragen. So werden unter anderen E-Voting-Projekte begleitet und die Rolle der digitalen Technologien bei der Meinungsbildung von WählerInnen und Stimmbürgern untersucht. Zudem erhebt das ZDA wertvolle Daten zu Wahlen und Abstimmungen in der Schweiz. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt beleuchtet die Funktionsfähigkeit von demokratischen Institutionen und ihre Veränderungen im internationalen Vergleich. Das Zentrum öffnet sich regelmässig für das breite Publikum. Im Rahmen der Aarauer Demokratietage Ende März finden beispielsweise Referate und Podiumsdiskussionen rund ums Jubiläum «150 Jahre direkte Demokratie im Kanton Aargau» statt.