Suhr

Verband Islamischer Kulturzentren reicht Baugesuch für Kinderkrippe ein – und bricht Projekt sogleich ab

Im hinteren (weissen) Teil dieses Hauses an der Tramstrasse hätte die Kinderkrippe einziehen sollen.

Im hinteren (weissen) Teil dieses Hauses an der Tramstrasse hätte die Kinderkrippe einziehen sollen.

Entsteht in Suhr eine Islam-Krippe? Der Verband der Islamischen Kulturzentren hat ein Baugesuch pendent – und macht jetzt doch einen Rückzieher. Kontrovers ist auch ein weiteres Projekt in Binningen, Baselland.

Seltsame Vorgänge in Suhr: Seit letzter Woche lag ein Baugesuch des Verbands der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) auf, der an der Tramstrasse eine Kinderkrippe eröffnen wollte. Laut Baugesuch sollte diese zwei 4-Zimmer-Wohnungen sowie je eine 2- und eine 5-Zimmer-Wohnung umfassen, verteilt auf vier Geschosse.

In der Krippe solle «fremdsprachigen Kindern die Integration in den Kindergarten wie in die Schweiz» erleichtert werden, schreibt der VIKZ im Baugesuch. Und: «Im Alltag bringen wir ihnen die schweizerischen Werte und Normen bei. Dabei berücksichtigen wir ihre Kultur, damit sie mehr Sicherheit haben und sich in ihrer Komfortzone freier bewegen können.»

Die AZ hat beim Verband nachgefragt. Was ist unter Schweizer Normen zu verstehen? An Kinder welcher Religionen richtet sich die Tagesstätte? Wie viele haben Platz? In welcher Sprache wird unterrichtet? Einen umfangreichen Fragenkatalog dieser Zeitung liess die Organisation unbeantwortet.

Vorstandsmitglied Oguz Sagra sagte letzten Freitag noch am Telefon: «Wir hatten unlängst in Basel genug Schwierigkeiten, als wir zu unseren Plänen Auskunft gegeben haben.» Gestern dann sandte Sagra eine SMS und liess die AZ wissen, dass man das Krippenprojekt in Suhr abbreche. Warum, wollte er auf erneute Anfrage nicht sagen. Bei der Gemeinde Suhr war das Baugesuch gestern noch aktiv.

Ende des vergangenen Jahres geriet der VIKZ in mehreren Schweizer Medien in die Schlagzeilen. Anlass war ein Baugesuch in Binningen (BL). Als die Organisation bekannt gab, Gebetsräume und ein Internat einrichten zu wollen, kam in der Gemeinde Kritik auf. Die «ultrakonservative Strömung des Islams» sei mit westlichen Werten kaum vereinbar, hiess es.

Besonders die Tatsache, dass das Internat nach Buben und Mädchen getrennt werden sollte, stiess auf Widerstand. Anfang dieses Monats reichte der VIKZ schliesslich ein überarbeitetes Gesuch ein. In der neuen Vorlage verzichtet der Verband auf das geschlechtergetrennte Schulwohnheim – wohl, weil er sich dadurch bessere Chancen auf eine Bewilligung ausrechnet.

Muslimisches Internat auch in Buchs AG

Der VIKZ hat türkische Wurzeln und folgt gemäss seiner Website einer sunnitisch-hanafitischen Auslegung des Islams. Der Verein ist seit langem in Deutschland sehr präsent, wo er wegen seiner konservativen Ausrichtung wiederholt in der Kritik stand. Der Schweizer Ableger wurde 1979 in Zürich gegründet.

Landesweit unterhält der VIKZ 14 Moscheen und Kulturzentren sowie drei Schulwohnheime: neben Zürich und Wetzikon auch eines in Buchs AG. Vor einigen Jahren lebten dort zehn muslimische Buben im Alter von 10 bis 18 Jahren. Mittlerweile sind es laut Recherchen der bz Basel weniger als vier.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1