Aarau

Von Fröschen und brennenden Bächen: Der Bachfischet steht vor der Tür

In einer Woche ist es wieder Zeit und der Umzug aus bunten Lampions zieht durch die Aarauer Altstadt. Traditionellerweise wird der Lichterreigen von singenden Kinderstimmen begleitet.

In einer Woche ist es so weit: In der Aarauer Altstadt gehen die Lichter aus, der Reigen aus Hunderten bunten Lampions zieht los, und die Kinder singen lauthals von zündelnden Suhrern, löschenden Aarauern und reitenden Küttigern. So jedenfalls lautet der Bachfischet-Vers:

«Fürio, de Bach brönnt,

d’Suhrer händ ne azündt,

d’Aarauer händ ne glösche,

d’Chüttiger rite-n-uf de Frösche.»

In Suhr wurden Lichtschifflein ausgesetzt

Seit weit über 150 Jahren gehört dieser Reim zum Bachfischet (die «Bachrumete», aus der dieser Brauch entstanden ist, ist in einem Ratsprotokoll von 1526 erstmals erwähnt). Doch was singen da die Kinder überhaupt? «Der Spruch vom brennenden Bach bezieht sich unzweifelhaft auf die Lichtschifflein, die in Suhr auf dem Wasser ausgesetzt worden sind», schreibt Hermann Rauber in «Fürio, de Bach brönnt». Doch was ist mit den Fröschen? Was wohl jeder Küttiger kennt, kommt vielen Auswärtigen spanisch vor.

Bei den «Chüttiger Fröschen» handelt es sich nicht um Amphibien, sondern um eine besondere Art von Holzschlitten. Damit raste die Dorfjugend früher an eigenen Froschrennen im Gebiet «Büren» neben der Staffelegg ins Tal. Standen die Frösche damals bei jeder Familie im Schopf, findet man sie heute nur noch selten.

Zwei Exemplare stehen beispielsweise im Schaulager der Kommission Kulturgut Küttigen. Der Letzte, der die originalen Frösche im Juradorf baute, war wohl Hans Bircher (1891– 1985), bekannt als «Horewagner».

Der Küttiger Frosch ist nicht von gestern

Dass der Küttiger Frosch nicht von gestern ist, hat die Suhrerin Christa Rüetschi bewiesen. Die Industriedesignerin hat den Frosch – inspiriert vom selbst gebauten Modell des Urgrossvaters auf dem Estrich – neu designt und in einer Kleinstserie bauen lassen. Ausserdem hat sie sich mit der Geschichte des Schlittelns und der Bauart auseinandergesetzt.

Warum der kleine Einplätzer-Schlitten für Kinder ausgerechnet den Übernamen «Frosch» hat, darüber kann aber auch sie nur spekulieren. «Vielleicht, weil man beim Fahren mit den angewinkelten Beinen aussieht wie ein Frosch.»

Wie die Küttiger Frösche ins Bachfischetlied gekommen sind, ist nicht klar. Vermutlich handelt es sich um einen Spottvers, mit dem die Aarauer die Nachbarn ennet der Aare belächelten. Die Küttiger sind übrigens nicht die Einzigen, die auf den Fröschen reiten. So hat die Berner Volkskundlerin Gertrud Züricher in der ganzen Schweiz Verse zu «Fürio» gesammelt, wie Rauber schreibt. So gibt es im Kanton Glarus folgende Version:

«Fürio, d Linth brännt,

d’Chatz het si azünnt,

chumm mir wänd gu

löschä,

mit sibezäche Fröschä.»

Ähnliche Reime gibt es ausserdem in Horgen am Zürichsee, in Schaffhausen, im Baselbiet und in der Innerschweiz. Und auch für den Schlitten selbst gibt es laut Idiotikon, dem Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache, noch andere Übernamen: «Chruckli», «Füdlitrucke», «Gögel» oder «Grutsch».

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