Aarau

Von Systemkritik zu Selbstreflexion: Das drittte Album von «Comaniac» zeugt von Weiterentwicklung

Die Gitarristen der Aarauer Band Comaniac hier am Open Air Rüchä Rock in Uri. (Archivbild)

Die Gitarristen der Aarauer Band Comaniac hier am Open Air Rüchä Rock in Uri. (Archivbild)

Die Aarauer Thrash-Metal-Band Comaniac arbeitet viel, um vorwärtszukommen. Ende Oktober ist Plattentaufe im KIFF.

Comaniac ist eine Band, die klar über das hobbymässige Musizieren hinausgeht und professionell stets höher steigen will. «Es ist unser Anspruch, immer besser zu werden», sagt Sänger und Gitarrist Jonas Schmid. Nach acht Jahren Bandbestehen haben sie Anfang Monat ihr drittes Album herausgebracht. Und schon in den Themen, über die ihre Lieder handeln, ist eine klare Entwicklung bemerkbar: Während das erste Album – passend zu ihrem damaligen Alter Anfang 20 – noch stark gesellschaftskritisch war und etwa für ein Ausbrechen aus sinnlosen Vorschriften und Normen warb, widmet sich die Band mit dem jetzigen Album «Holodox» mehr dem Blick nach innen und übt viel Selbstkritik und Eigenreflexion.

Sie spielen mit Noten – ein kleiner Skandal in der Szene

Musikalisch gehen sie dabei sehr selbstbewusst vor: In das Genre Thrash Metal, in dem sie sich bewegen und laut Jonas Schmid «in den letzten Jahren sehr monoton geworden ist», wollen sie wieder mehr Vielseitigkeit hineinbringen, so wie das früher zu Zeiten der bekannten Bands Metallica oder Megadeth gewesen sei. Um dies zu erreichen, greifen sie zu einem in der Musik zwar völlig üblichen, in der Metal-Szene aber offenbar eher verpönten Werkzeug – nämlich Musiknoten. «Wir sind der Musiktheorie sehr nahe», sagt Jonas Schmid. Co-Gitarrist Valentin Mössinger sei etwa studierter Musiker und Gitarrenlehrer.

«Ein Entwicklungsschritt kommt nur dann, wenn man die Musik, die man im Kopf hat, aufs Papier überträgt und dann gemeinsam spielen lernt», sagt Jonas Schmid. «Ohne diesen Schritt würden wir nur das spielen, was wir bereits können.»

Comaniac mit «The New Face Of Hell»

Hauptberuflich ist er Kindergärtner

In Europa oder Japan gilt Comaniac seit Jahren als gesetzter Act an Festivals und Konzerttouren. Hauptberuflich ist Jonas Schmid Kindergärtner, Schlagzeuger Stefan Häberli Elektroplaner und Bassist Joel Strahler Chemikant. An ihrem neuen Album, produziert von der Zürcher Gitarrenlegende Tommy Vetterli, haben die 26- bis 31-jährigen Musiker aus der Region zehn Monate lang intensiv gearbeitet.

Comaniac mit «Art Is Dead»

Als die AZ Comaniac vor drei Jahren interviewte, hiess es: Gereizt zu sein, sei die Ausgangslage für guten Thrash Metal. Dass nebst dem viel Wille und Einsatz hinzukam, zeugt von der Reife, die die Band in den Jahren erlangt hat. Weil sie hoch hinaus wollen, investieren die vier Musiker jetzt auch in Werbung auf den sozialen Medien: Ihre neuen Musikvideos wurden innert weniger Wochen bereits über 60'000 Mal weltweit angeschaut. Eindrücklich für eine Lokalband, die vor acht Jahren noch in einem Kuhstall ihre ersten Aufnahmen machte.

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