Aarau

Vorspiel für Brücken-Fundamente: Spektakuläre Bauarbeiten für den Pont Neuf locken viele Zuschauer an

Im Vordergrund die Quader, hinten der «Seilibagger».

Im Vordergrund die Quader, hinten der «Seilibagger».

Wo einst die alte Aarauer Kettenbrücke stand, werden im Juli Wasserbaugruben erstellt. Für die künftigen Arbeiten sind zwei Hochbaukranen notwendig. Die ungewöhnlichen Bauarbeiten locken viele Zuschauer an.

Die alte Aarauer Kettenbrücke ist weg. Geblieben sind zwei grosse Haufen mit Kalkstein-Quadern. Diese sind vor 170 Jahren in die Widerlager der originalen Kettenbrücke verbaut worden und haben seither ihren Dienst getan. Jetzt bekommen sie eine neue Aufgabe: Sie werden für die Böschungssicherung in Form eines Blockwurfs eingesetzt. Im Nordosten der künftigen Aarebrücke (Projektname «Pont Neuf»). «Wir werden 100 Laufmeter Steine verbauen», erklärt Projektleiter Roberto Scappaticci. Allerdings erst, wenn die Hilfsbrücke nicht mehr benötigt wird, also in gut einem Jahr.

Der Rückbau der alten Kettenbrücke war spektakulär. Aber auch die aktuellen Arbeiten haben ihren Reiz – jedenfalls hat es stets viele Zuschauer. Mit Hilfe des «Seilibaggers» werden aktuell Rohre in den Aare-Untergrund gerammt. Sechs Rohre pro Reihe. Alle zwölf Meter eine. Diese Rohre sind Teil von Jochen, auf die die Unterkonstruktion für die Schalung der neuen Brücke zu ruhen kommen wird. Allerdings erst gegen Ende Jahr.

Der Abriss der Kettenbrücke im Überblick:

Noch im Juli beginnt der Bau der ersten Wasserbaugrube. «Eine Knacknuss», wie Projektleiter Scappaticci sagt. Denn die aus Larsen bestehende Grube muss wasserfrei gebracht werden – mit möglichst geringem Einsatz von Pumpen. Die erste Wassergrube wird um den Pfeiler Süd gebaut, also um jenen Pfeiler, der beim Rückbau der alten Brückenplatte im Wasser versunken ist. Die Grube wird im August fertig sein, der erste Beton soll im September eingefüllt werden.

Der Ladekasten für den Kriegssprengstoff

Die beiden bestehenden Pfeiler stehen auf sogenannten «Caisson», einer Tiefenfundation, die man sich als umgekehrte Schuhschachtel vorstellen muss. Diese sind in den späten Vierzigerjahren in den Niederterrassenschotter eingelassen worden. Die «Caisson» werden für die neuen Pfeiler wiederverwendet, alles, was darüber liegt, kommt weg.

Die letzten Brocken der Kettenbrücke verschwinden

Die letzten Brocken der Kettenbrücke verschwinden (4. Juni)

In den nächsten Tagen ist der Abbruch der alten Kettenbrücke abgeschlossen. 

Für die künftigen Arbeiten sind zwei Hochbaukranen mit grossen Auslegern notwendig. Diese werden im Juli auf den bestehenden Podesten an den beiden Aareufern aufgestellt. Ein spektakulärer Vorgang – ganz im Sinn der Zaungäste.

Und dann noch dies – ganz geheim: Auf dem Pfeiler Nord ist von der Hilfsbrücke aus ein Deckel zu sehen. Unter ihm liegt der Ladekasten, aus dem schräge Bohrungen in den Brückenpfeiler führen. Bohrungen, die im Krisenfall mit Sprengstoff gefüllt worden wären. Diesen hätte man im Notfall zur Explosion gebracht und die Brücke wäre nach Osten ins Wasser gekippt – wie im Kriegsfilm.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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