Es ist früher Nachmittag im Seniorenzentrum «Auf Walthersburg». In der Cafeteria sitzen einige Bewohner beisammen, spielen Karten und plaudern. Seit Wochen sei hier die Absicht der Stadt, die Gesamtliegenschaft «Auf Walthersburg» (Mietwohnungen sowie Alterswohnungen) für 33 Mio. Franken zu kaufen, das Hauptthema. Dies berichtet Max Rickenbacher (76), Präsident der Seniorenzentrum-Betriebsgenossenschaft.

Rickenbacher könnte eigentlich längst seinen Ruhestand geniessen. Aber seit er Einsitz im Vorstand der Betriebsgenossenschaft genommen hat (2009) beziehungsweise deren Präsident wurde (2011), hat er viel zu tun. Der pensionierte Berufsberater dachte anfangs, «das mit dem Präsidium sei eine problemlose Sache». Aber er traf auf etliche Baustellen. Ins Detail gehen will Rickenbacher diesbezüglich nicht. Fakt ist aber: Im heutigen Marktumfeld braucht es grössere Anstrengungen als früher, um eine gute Auslastung des Zentrums zu gewährleisten. 2017 trennte sich die Betriebsgenossenschaft vom langjährigen Zentrumsleiter. Er sei ein hervorragender Gastgeber, aber nicht genügend Geschäftsmann, hiess es damals.

Eine Zeit lang liess die Betriebsgenossenschaft das Zentrum von einem Interimsleiter führen, «aber das wurde zu teuer», sagt Rickenbacher. Er übernahm im März 2018 die operative Leitung, «um mit einem motivierten Team von Bereichsleitern zusammen die bereits definierten Massnahmen zur Sanierung des Betriebes umzusetzen». 

Sieben Wohnungen stehen leer

Die 29 Wohnungen des Seniorenzentrums kann man nur mit Dienstleistungen mieten. Darunter Mittagessen und 24-h-Notfalldienst sowie eine Inhouse-Spitex. 24 Angestellte verschiedener Bereiche teilen sich knapp 11 Vollzeitstellen. Pflegebetten für stationäre Pflege gibt es keine, die meisten Bewohner sind weitgehend selbstständig. Derzeit leben 25 Frauen und Männer im Seniorenzentrum. Sie sind zwischen 82 und 99 Jahre alt, das Durchschnittsalter liegt bei etwa 90 Jahren. Max Rickenbacher ist es wichtig, zu betonen: «Das Seniorenzentrum führt ein Angebot, das weiterhin gefragt ist und Zukunft hat. Für viele ersetzt es den Eintritt ins Pflegeheim.» 

Youtubefilm zum Seniorenzentrum «auf Walthersburg»

Youtube: Seniorenzentrum Walthersburg, Aarau

Es gibt 21 Wohnungen mit 2,5 Zimmern, sieben mit 3,5 Zimmern und eine 1-Zimmer-Wohnung; ausserdem zwei nicht barrierefreie Gästezimmer, die meistens von Angehörigen genutzt werden. Derzeit sind insgesamt sieben Wohnungen nicht besetzt. Im Extremfall, 2018, waren es ganze zehn. «Das war eine absolute Ausnahmesituation», betont Rickenbacher. «Wir hatten innert eines Jahres acht Todesfälle und entsprechende Leerstände.»

Es gibt eine Warteliste, auf der rund zwei Dutzend Namen stehen. Diese Personen haben laut Rickenbacher alle grosses Interesse, dereinst im Seniorenzentrum zu leben – «sobald ihre gesundheitliche und persönliche Situation diesen Schritt erfordert», so Rickenbacher.

Wie sieht es finanziell aus?

In der Botschaft des Einwohnerrats und in den Medien sei das Seniorenzentrum dargestellt worden, «als würden wir finanziell aus dem letzten Loch pfeifen», so Max Rickenbacher. Das stimme nicht. Zwar hat das Seniorenzentrum drei Jahre lang – 2015, 2016 und 2017 – rote Zahlen im mittleren fünfstelligen Bereich geschrieben, was zuvor nie vorgekommen ist. 2018 resultierte wieder ein Mini-Plus von etwa 1000 Franken. Auch, weil die Betriebsgenossenschaft mit der bisherigen Liegenschaftseigentümerin, der Swiss Re, eine Mietzinsreduktion ausgehandelt hat. «Statt der rund 631'000 Franken, die auf dem Mietvertrag stehen, zahlte die Betriebsgenossenschaft ab Februar 2018 – und nicht wie behauptet seit drei Jahren – rund 100'000 Franken weniger», so Rickenbacher. Dies komme «einem Angleichen an eine marktübliche Miete» gleich. Insgesamt, betont der Genossenschaftspräsident, könne sich die Entwicklung 2018 «durchaus sehen lassen».

Der Stadtrat spricht in der Einwohnerratsbotschaft davon, bald nach dem Kauf der Liegenschaft die Auflösung der Betriebsgenossenschaft angehen zu wollen. «Angesichts der positiven Entwicklung befürwortet die Stadt inzwischen die Weiterführung des Seniorenzentrums», so Rickenbacher. «Welchen Mietzins die Stadt von der Genossenschaft verlangen würde – den auf dem bisherigen Vertrag stehenden oder den einer Marktmiete entsprechenden Betrag – ist noch unklar.»