Interview

Was tut die Stadtpolizei am Bahnhof Aarau? «Wir legen grossen Wert auf starke Polizeipräsenz»

«Wir legen grossen Wert auf starke Präsenz am und um den Bahnhof», erklärt Stadträtin Suzanne Marclay-Merz, die für die Stadtpolizei zuständig ist.

«Wir legen grossen Wert auf starke Präsenz am und um den Bahnhof», erklärt Stadträtin Suzanne Marclay-Merz, die für die Stadtpolizei zuständig ist.

Bevölkerungswachstum, 24-Stunden-Gesellschaft, Schmelztiegel Bahnhof: Die zuständige Stadträtin Suzanne Marclay (FDP) äussert sich über die Herausforderungen für die Stadtpolizei und warum es bei der Feuerwehr künftig eine Art Kita geben wird – auch während Einsätzen.

Die Feuerwehr hat innerhalb eines Monats zwei Grossbrände mit Bravour bewältigt. Hat sie die Krise, die sie vor zwei Jahren erschütterte, definitiv überwunden?

Suzanne Marclay-Merz: Am 1. April hat die Feuerwehr mit David Bürge den ersten Profi-Kommandanten erhalten. Seit Start der neuen Sicherheitsorganisation am 1. Juni sind Feuerwehr und Polizei noch näher zusammengerückt. Diese Neuerungen haben sich sehr positiv auf die Feuerwehr ausgewirkt. Das Korps leistet hervorragende Arbeit und die Stimmung ist gut.

Der neue Kommandant möchte den Bestand der Milizangehörigen durch Neurekrutierungen um etwa einen Fünftel erhöhen. Erwarten Sie, dass das Interesse nach den spektakulären Ereignissen grösser sein wird?

Die bedauerlichen Grossbrände haben die Wichtigkeit einer hervorragenden Feuerwehr ins Zentrum gerückt. Es wäre schön, wenn dadurch auch das Interesse steigt. Am Rekrutierungsabend vom 15. Oktober bieten wir übrigens Kinderbetreuung an. Diese soll künftig auch bei Einsätzen zur Verfügung stehen. Damit soll die Vereinbarkeit verbessert werden.

Als Stadträtin sind Sie auch für die Stadtpolizei (Stapo) zuständig, die neben Aarau für die 6 Vertragsgemeinden Biberstein, Erlinsbach, Hirschthal, Küttigen, Ober- und Unterentfelden zuständig ist. Hätten Sie das Einsatzgebiet gerne auf die abgespeckte Regionalpolizei (Repol) Suret (Buchs, Suhr, Gränichen) ausgeweitet?

Eine enge Zusammenarbeit mit Suhr, Buchs und Gränichen im Bereich der Regionalpolizei hätte aus unserer Sicht positive Synergien ergeben können. Selbstverständlich verstehen und respektieren wir den Entscheid der Gemeinden, selbstständig weiterzuarbeiten. Unsere Türen bleiben offen.

Glauben Sie, dass diese drei Gemeinden ihre geplante Mini-Repol nach dem Abgang von Hunzenschwil und Rupperswil tatsächlich günstiger betreiben können als Aarau seine Stapo?

Die jeweiligen Kosten hängen insbesondere stark vom Service-Umfang ab – also Pikett oder 24-Stunden-Betrieb, Personalbestand und so weiter. Die Details der geplanten Strukturen der künftigen Repol Suret sind mir nicht bekannt. Es steht mir auch nicht zu, hier eine Wertung vorzunehmen.

Wie gross ist eigentlich die Stapo Aarau?

Aktuell sind 45 Mitarbeitende beschäftigt. 35 Vollzeitstellen sind durch Polizistinnen und Polizisten besetzt – 3 davon sind Frauen. Dazu kommen zivile Mitarbeitende im Bereich Zentrale Dienste, Sekretariat, Ordnungsbussenzentrale und Verkehrsdienst. Insgesamt stehen 8 Dienstfahrzeuge, 2 Motorräder und 6 Fahrräder zur Verfügung. Einen Diensthund haben wir aktuell nicht.

Viele Leute wundern sich, dass angesichts des Bevölkerungswachstums der personelle Bestand der Stapo nicht erhöht wird. Warum beantragen Sie keinen Personalausbau?

Gemeinsam mit dem Abteilungsleiter Sicherheit, Hauptmann Daniel Ringier, beurteilen wir regelmässig die aktuelle Lage und die kommenden Herausforderungen. Es galt auch den Entscheid der Repol Suret abzuwarten. Im Falle einer Zusammenarbeit hätte sich der Personalbestand nochmals verändert. Wenn zusätzliche Personalbedürfnisse feststehen, werden diese beantragt.

Im Gegensatz zur Wahrnehmung des Abteilungsleiters Sicherheit empfinden weite Kreise der Bevölkerung die Entwicklung rund um den Bahnhof als unangenehm, ja sogar bedrohlich. Besonders abends und nachts. Warum unternehmen Sie nicht mehr?

Wir legen grossen Wert auf starke Präsenz am und um den Bahnhof. Die Stadtpolizei setzt jährlich zwischen 2500 und 3000 Patrouillen-Stunden am Bahnhof ein. Zusätzlich sind Kantonspolizei, Transportpolizei und Securitrans für die Sicherheit am Bahnhof im Einsatz. Die Lage um den Bahnhof wird laufend überprüft und bei Bedarf werden die Einsätze angepasst.

Ganz besonders in der Innenstadt, aber auch in den Quartieren und Dörfern sind kaum je Polizisten auf Fusspatrouille anzutreffen. Man hat den Eindruck, die Polizisten fahren primär herum, verlassen das Auto kaum je. Warum unternehmen Sie nichts gegen diese Entwicklung?

Diesen subjektiven Eindruck kann ich nicht bestätigen. Pro Jahr werden zirka 28'000 Patrouillen-Stunden geleistet. Insbesondere in der Nacht sowie am Mittwochnachmittag und am Samstag sind vermehrt Fusspatrouillen im Einsatz. Die Patrouillen-Tätigkeit mit Fahrzeugen ist wichtig, um kurze Einsatzzeiten in allen Vertragsgemeinden zu gewährleisten.

Die Stadtpolizei ist zwischen 17 und 7 Uhr nicht telefonisch erreichbar. Ebenso nicht am Samstagnachmittag (ab 11.30 Uhr) und den ganzen Sonntag. Wer eine Nachtruhestörung oder etwa eine Sachbeschädigung melden will, muss die Notfall-Nummer 117 wählen. Ist das nicht falsch? Wird so versucht, beunruhigte Bürger von einem Anruf abzuhalten?

Nein, keinesfalls. Die Stadtpolizei ist rund um die Uhr verfügbar: für verwaltungspolizeiliche Anliegen zu Bürozeiten über die Postennummer, bei Notfallmeldungen während 24 Stunden über die Nummer 117. Die Notrufzentrale erteilt den Auftrag direkt den verfügbaren Patrouillen. Das erlaubt den optimalen Einsatz unserer Ressourcen auf der Strasse und gewährleistet im Notfall kurze Reaktionszeiten.

An Wochenenden ist die 24-Stunden-Gesellschaft in der Aarauer Innenstadt eine grosse Herausforderung. Würde im Kampf gegen gewisse Exzesse nicht helfen, wenn in den Nächten auf den Samstag und den Sonntag regelmässig Fusspatrouillen mit einem Hund eingesetzt würden?

Ja. Ein Diensthund wäre wohl eine wertvolle Ergänzung für die Patrouillen. Aktuell haben wir aber noch keinen Diensthund im Einsatz.

Hatten Sie auch schon den Eindruck, die Polizisten hätten heute häufig Angst vor den Trunkenbolden und anderen Störefrieden?

Nein – im Gegenteil: Die Polizei leistet rund um die Uhr einen professionellen Einsatz für die Bevölkerung und nimmt dabei teilweise auch grosse Gefahren in Kauf. Leider werden unsere Einsatzkräfte auch immer wieder verletzt. Das beweist, dass sie den Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg gehen.

Müssten die Stadtpolizisten vermehrt erziehend und weniger bestrafend aktiv sein – im Sinn des klassischen Landjägers?

Gerade beim Verkehrsunterricht leistet die Stadtpolizei wertvollen Erziehungsaufwand an den Schulen. Auch im Bereich des Litterings wird in Zusammenarbeit mit dem Werkhof Präventivarbeit geleistet. Ich sehe diesbezüglich aktuell keinen Anpassungsbedarf.

Wäre es im Bereich Littering nicht besser, vermehrt zu rügen, statt mit grossem Aufwand rechtsgenügend Straftatbestände festzustellen?

Nein. Aus der Bevölkerung nimmt der Druck sogar zu, hier noch mehr Ressourcen der Polizei einzusetzen und Widerhandlungen strikt zu ahnden. Also genau das Gegenteil von dem, was Sie vorschlagen. Jährlich werden zirka 100 Bussen wegen Littering ausgesprochen. Dieser Einsatz ist wichtig, wie in anderen Bereichen auch.

Täuscht der Eindruck, dass die Stadtpolizei immer mehr mit juristischem Formalismus zu tun hat, diesen teilweise auch als Vorwand nimmt. Wie können Sie als Politikerin Gegensteuer geben?

Der administrative Aufwand nimmt leider in allen Bereichen seit Jahren zu, nicht nur bei der Polizei. Die Reduktion der Bürokratie kann von der Politik auf dem Weg der Gesetzesreform angepackt werden und ist eines meiner Ziele. Hier gibt es noch viel zu tun.

In ersten Gemeinden werden als Pilotversuche Lärmmessradare gegen laute Autos und Töffs eingesetzt. Wäre das auch etwas für die Bahnhofstrasse?

Die diesbezügliche Lagebeurteilung ist eine der Aufgaben des Abteilungsleiters Sicherheit. Wenn es rechtlich zulässige und bewährte Möglichkeiten gibt, werden wir in diesem Bereich ebenfalls aktiv.

Seit Januar gilt das Teilfahrverbot Gönhard. Was sind die ersten Erfahrungen der Stapo?

Die Stadtpolizei hat bisher neun Kontrollen im Bereich des Teilfahrverbotes durchgeführt. Insgesamt wurden zehn Personen verzeigt.

Der Bahnhof Aarau in Bildern:

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