Aarau

Weit über eine halbe Milliarde Franken für Hochbauten – kantonale Grossinvestitionen mit Nebenwirkungen

Die Stadt Aarau braucht mittelfristig neue Nutzer für prominente Gebäude. Das Labor am Kunsthausweg wird wohl verkauft und durch ein Wohngebäude ersetzt werden. Wird aus dem Gericht eine Beiz?

Der Kanton Aargau investiert in den nächsten fünf Jahren weit über eine halbe Milliarde Franken in Hochbauten in Aarau und Umgebung: Grösster Brocken ist der Neubau des Kantonsspitals (563 Mio. Fr.). Dazu kommen etwa das neue Polizeigebäude in der Telli (65 Mio. Fr.), das neue Amt für Verbraucherschutz in Unterentfelden (48 Mio. Fr.), der Einbau von Gerichten in den ehemaligen Eniwa-Hauptsitz (13 Mio. Fr.) und das wegen 50 Einsprachen stark umstrittene Parkhaus beim Kantonsspital (12 Mio. Fr.).

Dieser kantonale Bauboom hat Auswirkungen auf die Stadt. So muss sie mittelfristig Anschlussnutzungen für zwei historisch wertvolle Gebäude finden, in denen der Kanton bisher eingemietet war: das Amtshaus (erbaut 1787) an der Laurenzenvorstadt und das Bezirksgericht (erbaut 1831) an der Kasinostrasse. Das bisherige Labor am Kunsthausweg gehört dem Kanton. Er wird es wohl verkaufen und es dürfte durch ein Wohngebäude ersetzt werden.

Grosser Rat soll 2021 drei Baukredite bewilligen

Die Projekte sind unterschiedlich weit fortgeschritten. Die Finanzierung des Spitalneubaus ist gesichert, die Baubewilligung wird für Januar/Februar erwartet. Es droht danach eine Verzögerung, falls Einsprecher das Verfahren weiterziehen.

Beim Polizeigebäude, dem Amt für Verbraucherschutz und dem Gerichtsprojekt laufen im Moment die Anhörungen (Abschluss zwischen 20. Januar und 26. Februar). Gemäss Terminplan soll der Grosse Rat die entsprechendenden Kredite nächstes Jahr bewilligen. Zuerst beim Polizeigebäude (geplant für August 2021). Bei ihm ist auch das Baugesuchsverfahren weit fortgeschritten: Es gab keine Einsprachen, die Erteilung der Baubewilligung steht unmittelbar bevor.

Auch das Polizeikommando wird noch saniert

Gemäss heutiger Einschätzung wird das neue Kantonsspital in der zweiten Jahreshälfte 2025 den Betrieb aufnehmen. Das neue Amt für Verbraucherschutz wird etwa Mitte 2024 fertig sein. Aus städtischer Sicht von grösserer Bedeutung sind das neue Polizeigebäude und die Gerichte.

Stadt hat zwei Herzen in der Brust

Der Fall des Polizeigebäudes ist etwas komplexer, weil im Anschluss an seinen Bau (bis Frühling 2025) das unmittelbar danebenstehende Polizeikommando (aus den frühen Achtzigerjahren) saniert werden soll. Mitte 2027 dürfte das stadteigene Amtshaus frei werden. Dazu Teile der kantonseigenen Kavalleriekaserne und von Dritten gemietete Räumlichkeiten etwa in Buchs.

Im Fall der Konzentration der Gerichte im ehemaligen Eniwa-Hauptsitz beim Turbinenkreisel hat die Stadt zwei Herzen in der Brust: Einerseits ist sie als Eniwa-Hauptaktionärin daran interessiert, dass ein langfristiger Mieter für das Gebäude gefunden wird (der Kanton wird jährlich 807'750 Franken zahlen). Andererseits verliert die Stadt selber 109'620 Franken an Mieteinnahmen für das Bezirksgerichtsgebäude an der Kasinostrasse.

Das Bezirksgericht wird 2024 ausziehen

Das Gebäude Kasinostrasse 5 wird seit Dezember 1930 als Bezirksgericht genutzt. Es ist 1831 als Gesellschaftshaus der Lesegesellschaft gebaut worden und wurde fortan «Kasino» genannt. Im Erdgeschoss hat es einen grossen Saal, der aktuell für die Gerichtsverhandlungen verwendet wird. Dieser Saal könnte sich, so erste Gedankenspiele, in der Zeit nach dem Frühling 2024 (nach dem Auszug des Gerichtes) für eine gastronomische Nutzung eignen. Klar ist, dass der Bau, für welche Verwendung auch immer, saniert werden muss, was die Stadt eine Stange Geld kosten wird, weil denkmalpflegerische Aspekte mitberücksichtigt werden müssen. Eine Nutzung durch die Stadt selber scheint eher unwahrscheinlich: Jedenfalls sind aktuell keine entsprechenden Raumbedürfnisse erkennbar.

Stadtpolizei soll in das Amtshaus zügeln

Ganz anders ist es beim Amtshaus an der Laurenzenvorstadt 12, in dem im Moment ein Stützpunkt der Kantonspolizei und das Bezirksgefängnis untergebracht sind. Angedacht ist, hier nach 2027 die Stadtpolizei einzuquartieren (ist aktuell in der Hauptpost beim Bahnhof eingemietet). Allerdings ist das Haus für die Stadtpolizei mit einem Bestand von etwa 50 Personen sehr gross. Und die Stadt wird auch dieses Gebäude vor der Neunutzung umfassend sanieren müssen.

Für Aarau kein Problem ist das 1914 in Betrieb genommene Gebäude mit dem kantonalen Labor. Es gehört dem Kanton, der den Bau als «stark sanierungsbedürftig» bezeichnet. Es sei ein Abbruchobjekt. Der Kanton will es nach dem Herbst 2024 verkaufen. Er dürfte dabei einige Millionen Franken lösen, denn auf der Parzelle lässt sich gut ein Mehrfamilienhaus errichten (das Grundstück liegt in der Zone «Gartenstadt dreigeschossig»).

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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