Biberstein

Weniger Pflanzenschutzmittel durch Einsatz von Drohnen im Rebberg

Mit riesigen Drohnen: So werden die Rebberge beim Schloss Liebegg mit Pflanzenschutz-Spritzmittel versorgt

Mit riesigen Drohnen: So werden die Rebberge beim Schloss Biberstein mit Pflanzenschutz-Spritzmittel versorgt

Eine neue Spritzmethode soll den Weinbau ökonomischer und ökologischer machen. Das geschieht zum Beispiel durch Drohneneinsatz in Biberstein.

Sie ist beeindruckend: Die Drohne, die derzeit über mehreren Aargauer Rebbergen beobachtet werden kann, wiegt 15 Kilo und trägt noch einmal fast so viel – an ihrer Unterseite ist ein Behälter mit 10 Litern Pflanzenschutzmittelbrühe befestigt.

Zügig fliegt sie in zwei Metern Höhe über die Reben unterhalb des Schlosses Biberstein; quer zum Hang, das braucht weniger Akku. Starke Düsen und der erstaunlich heftige Abwind der Rotoren schleudern den Pflanzenschutzmittelnebel nach unten auf die Rebblätter. Dadurch entsteht so viel Verwirbelung, dass die Tröpfchen auch an die Unterseite der Blätter gelangen. Durch diese präzise Applikation wird verhindert, dass Spritzmittel in die Umgebung gelangt. Das ist wichtig für die Umwelt, und besonders hier im Siedlungsgebiet.

Aargau bei Forschungsprojekt an vorderster Front

Der Drohneneinsatz geschieht im Rahmen des Projekts Pflopf. Das steht für «Pflanzenschutzoptimierung mit Precision-Farming» und meint: Man will durch den Einsatz modernster Technologien die Menge an benötigten Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft reduzieren. Rund 60 Betriebe in den Kantonen Aargau, Thurgau und Zürich aus den Bereichen Acker-, Gemüse-, Obst- und Rebbau machen mit beim vom Forschungsinstitut Agroscope begleiteten Projekt.

Auch das Landwirtschaftliche Zentrum Liebegg in Gränichen ist involviert. Unter anderem der Fachspezialist für Weinbau, Urs Podzorski. «Der Drohneneinsatz hat im Rebbau mehrere Vorteile gegenüber anderen Methoden», erklärt er. «Erstens können so im Optimalfall etwa 25 Prozent Pflanzenschutzmittel eingespart werden. Zweitens eignet sich die Drohne auch für Steilhänge, wo sonst aufwendig mit der Rückenspritze gearbeitet werden muss. Drittens ist die Unfallgefahr im Rebberg kleiner und der Anwenderschutz höher.»

Die ausgebildeten Drohnenflieger der Firma Agrarpiloten (ein Subunternehmen der Fenaco), die an diesem Tag an den Aargauer Rebhängen zugange sind, tragen zwar Atemmasken, sind aber viel weniger nah am Pflanzenschutzmittel dran als beispielsweise jemand, der eine Rückenspritze nutzt. Der bislang einzige offensichtliche Nachteil der Drohnenmethode sind die Kosten, welche noch relativ hoch sind – wie immer bei neuen Verfahren.

Die Drohne mit einen 10-Liter-Tank wird von Profis gesteuert.

Die Drohne mit einen 10-Liter-Tank wird von Profis gesteuert.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sei im Moment ein grosses Thema, die Bevölkerung darauf sensibilisiert, sagt Urs Podzorski. «Wir sind uns der Herausforderung bewusst und optimieren laufend unsere Prozesse. Jeder Winzer arbeitet nach der Devise: so wenig wie möglich und so viel als nötig.» Als für das Projekt Pflopf Winzer gesucht wurden, sei Rolf Wehrli von der Wehrli Weinbau AG in Küttigen sofort aufgesprungen, so der Fachspezialist. Auch Chalmberger Weine aus Oberflachs beteilige sich aktiv an Pflopf; Fehr & Engeli in Ueken sowie die Stiftung Schloss Biberstein nutzen ebenfalls die Möglichkeit, die Drohnen auch in ihren Rebbergen einzusetzen.

Die Stiftung, in der Menschen mit Unterstützungsbedarf wohnen und arbeiten, baut auf rund 80 Aren sechs verschiedene Traubensorten – drei rote und drei weisse – an. Pro Jahr ergib das zwischen 5000 und 6000 Flaschen. Susi Fischer, zuständig für den Bereich Weinbau, ist froh um den Spritzeinsatz der Drohnen. «Es geht nicht nur viel schneller und bequemer, sondern macht auch deutlich weniger Lärm. Für uns ist zudem die Sicherheit ein wichtiger Aspekt.»

Die Wirksamkeit der Applikationsmethode wird nun über die nächsten Jahre getestet. Im Moment geht es den Reben übrigens sehr gut: «Sie sind kräftig im Schuss, zwei bis drei Wochen im Vorsprung zum langjährigen Mittelwert und völlig gesund. Wir dürfen uns auf einen spannenden Jahrgang freuen», sagt Urs Podzorski.

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