Region Aarau
Wer kauft denn tatsächlich schon Zimtsterne?

Für viele Verkäuferinnen dauert Weihnachten volle drei Monate. Für das Personal ist es längst normal, dass es bereits im Oktober Mailänderli und Zimtsterne in die Regalen füllen muss. Aber gibt es dafür auch Abnehmer?

Sabine Kuster
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Weihnachtsgebäck bereits im Herbst?

Weihnachtsgebäck bereits im Herbst?

Chris Iseli

Nein, Weihnachten beginnt dieses Jahr nicht früher als sonst. Letztes Jahr öffnete zum Beispiel der Weihnachtsmarkt im Untergeschoss der Migros Buchs am 12. Oktober. Dieses Jahr war am letzten Donnerstag, 13. Oktober, Verkaufsstart. Darum geht es nicht. Die az Aargauer Zeitung wollte wissen: Wer zum Kuckuck kauft mitten im Herbst Christbaumkugeln und Weihnachtsguetzli?

Alles haltbar bis Januar

In den grossen Lebensmittelläden stapeln sich schon Packungen mit Mailänderli, Zimtsternen und Brunsli. Dahinter gibts Lebkuchen und Zuckersterne. Ein Blick auf das Verfallsdatum zeigt: Es wäre kein Problem, falls jetzt noch niemand zugreift, alles ist bis mindestens Mitte Januar haltbar.

Doch die Sorge ist unbegründet: Es gibt sie tatsächlich, die Menschen, die Weihnachtsguetzli kaufen, bevor die letzten Blätter von den Bäumen gefallen sind. Viele Kunden, die an den weihnächtlichen Auslagen vorbeigehen, wenden zwar sofort den Blick ab, einige schütteln den Kopf, andere bleiben stehen und zögern. Dann legt eine Frau Lebkuchen in ihren Einkaufskorb. «Die kaufe ich einfach als Znüni», sagt sie, «sie sind ja nicht weihnächtlich dekoriert.» Daneben räumt eine Verkäuferin die Gestelle ein. Weihnachten mitten im Herbst lässt sie ungerührt: «Es ist schon früh, aber wir sind das gewohnt.»

Dann kommt sie. Eine Frau steuert auf die Weihnachtsguetzli zu – beziehungsweise sie folgt ihrem kleinen Sohn, der kräht: «Mami! Mailänderli! Zimtstärne!» Drei Packungen landen im Einkaufswagen. Sie wolle jetzt noch nicht selbst mit Backen beginnen, sagt die Frau, aber ihr Sohn frage halt schon das ganze Jahr über, wann sich die Büchse mit den Weihnachtsguetzli wieder fülle. «Du musst warten, bis Weihnachten ist», habe sie jeweils gesagt, aber nun, da die Kekse schon da stehen würden, kaufe sie sie halt. Sie spüre noch keine Weihnachtsstimmung, das nicht, aber sie schaue die Dekorationen gerne an. Schon jetzt.

In der Buchhandlung, wo sie arbeite, würden ja auch schon die Weihnachtsbücher ausgestellt. «Ich liebe Weihnachten, wenn alles glitzert und leuchtet», schwärmt sie.

Verärgerte Kunden einkalkuliert

«Was geht eigentlich in den Köpfen der Verantwortlichen vor, wenn sie solche Aktionen bereits Anfang Oktober anordnen?», fragte sich Leser René Berner aus Boniswil, als er die ersten Weihnachtsguetzli und Vorbereitungen zur festlichen Dekoration am 7. Oktober entdeckte.

Thomas Bornhauser, Leiter Kommunikation von Migros Aare, kennt die Frage: «Wir wissen, dass sich einige Kunden daran stören, das akzeptieren wir. Wir wollen die Leute nach und nach an Weihnachten heranführen.» In den amerikanischen Supermärkten stünden um diese Zeit schliesslich schon Weihnachtsbäume. «Natürlich ist es schwieriger, wenn wie jetzt wieder Temperaturen von 18 Grad angekündigt sind und man noch fast baden gehen kann», räumt er ein. Aber letztes Wochenende habe es schliesslich geschneit. Und sowieso: «Die Eishockeysaison hat schon viel früher begonnen.»

Verkäufer stehen ab jetzt im Glitzer

Nun gut. Verärgerte Kunden können um den weihnächtlichen Firlefanz einen Bogen machen. Aber was ist mit den Verkäuferinnen in den Weihnachtsmärkten? Um sie herum glitzert es von jetzt bis im Januar. «Mir macht das nichts aus», findet eine Verkäuferin, «hier ist die Stimmung speziell und weniger hektisch, auch wenn erst Oktober ist.»

Die Leute hätten schon während des Aufbaus des Marktes gefragt, wann er öffnen würde. Auch eine Kassierin bestätigt: «Die Sachen werden gekauft.» Sie rät der Journalistin, die sich mit einer Packung Zimtsterne in der Hand blöd vorkommt: «Essen Sie sie doch einfach als Herbstguetzli.»

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