Stadtratswahlen
Wilde Kandidatur? In der SP Aarau gärt es

Silvia Dell’Aquila flirtet mit dem Tabubruch und überlegt sich, eigenhändig zu den Stadtratswahlen anzutreten.

Urs Helbling
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Bis zum 11. August muss Silvia Dell’Aquila Farbe bekennen.zvg

Bis zum 11. August muss Silvia Dell’Aquila Farbe bekennen.zvg

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Sie ist als VPOD-Regionalleiterin und als Vorstandsmitglied des Aargauischen Gewerkschaftsbundes (AGB) eine grosse Nummer in der Aargauer Arbeitnehmer-Szene. Sie ist als Einwohnerrätin einer der kreativsten und erfolgreichsten Köpfe der Aarauer Stadtpolitik. Sie mischt als DJ und «We love Aarau»-Bloggerin das Nacht- und Kulturleben der Kantonshauptstadt auf.

Und jetzt schickt sie sich an, für zusätzliche Spannung im Stadtratswahlkampf zu sorgen: Silvia Dell’Aquila (40) spricht im kleinen Kreis offen darüber, sie wolle für die Aarauer Exekutive kandidieren. Es wäre eine wilde Kandidatur, die ihre Partei, die SP, in eine sehr schwierige Situation führen würde.

Dies umso mehr, als ihr offizieller Stadtpräsidenten-Kandidat bisher im Wahlkampf eher blass blieb. Selbst Genossen zweifeln, ob Daniel Siegenthaler die optimale Wahl ist. Mit ihrer Kandidatur würde Silvia Dell’Aquila Siegenthalers Wahl in den Stadtrat gefährden.

SP verzichtete auf 3. Kandidaten

Die Ausgangslage: Noch bis zum Freitag, 11. August, 12 Uhr können Kandidaten für die Stadtratswahlen vom 24. September angemeldet werden. Bisher gibt es für die sieben Sitze acht Bewerber, die alle von ihren Parteien offiziell nominiert worden sind. Drei Personen bewerben sich um die Nachfolge von Stadtpräsidentin Jolanda Urech (63).

Ex-Genosse Obrist schaffte die Wahl

Was der Aarauer SP diesen Herbst blühen könnte, haben die Badener Genossen 2015 schmerzlich erfahren müssen: Sie verloren einen Sitz im Stadtrat an ein ehemaliges Parteimitglied. Erich Obrist (57) trat aus der SP aus, nachdem er an der parteiinternen Ausmarchung das Nachsehen gegenüber Jürg Caflisch hatte. Ohne Partei im Rücken trat er gegen Caflisch sowie einen Freisinnigen an – mit Erfolg. Diesen Herbst will der parteilose Obrist Stadtammann von Baden werden.

Die Sozialdemokraten streben eine links-grüne Mehrheit im Aarauer Stadtrat an. Sie haben Anfang April beschlossen, Franziska Graf-Bruppacher (46, bisher) und Daniel Siegenthaler (54, neu) ins Rennen zu schicken. Statt selber einen dritten Kandidaten zu nominieren, unterstützen sie den Grünen Hanspeter Thür (68, neu). Und Angelica Cavegn Leitner (57, bisher) von «Pro Aarau».

All das beschloss die SP am 5. April – und zwar einstimmig. Doch schon bald sickerte durch, dass das parteiinterne Nominationsverfahren nicht so unbestritten war, wie gegen aussen der Eindruck erweckt wurde. Und es mehrten sich die kritischen Stimmen, nachdem Siegenthaler an der 1.-Mai-Feier einen wenig überzeugenden Auftritt hingelegt hatte.

Golatti-Abstimmung gewonnen

Silvia Dell’Aquila machte nie einen Hehl daraus, dass sie sich als offizielle Stadtratskandidatin gesehen hätte. Als zusätzliche Frau, als pointierte Linke, als Alternative zu den sogenannten «Zelgli/ Gönhard»-Kandidaten. Zudem hatte sie politisch seit dem letzten Herbst viel Rückenwind: Zuerst schaffte sie bei den Grossratswahlen mit kontrolliertem Aufwand den zweiten Ersatzplatz, dann vermochte sie als az-Kolumnistin mehrmals Themen zu setzen (etwa beim «Schlaflos»-Ende) und schliesslich gewann sie die Altersheim-Abstimmung.

Kein Dementi

Dass die Soziologin mit dem Tabubruch einer wilden Kandidatur flirtet, hat die az von mehreren unabhängigen Quellen erfahren. Silvia Dell’Aquila ist zurzeit in Süditalien in den Ferien. Von ihr war diese Woche weder ein Dementi noch eine Bestätigung zu erhalten. Auf Anfrage lässt sie sich wie folgt zitieren: «Ich geniesse im Moment meine Ferien und spreche nach meiner Rückkehr Anfang August über die Stadtratswahlen.»

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