Schutzmassnahmen

«Wir hoffen, somit trotzdem eine Freude zu machen»: Der Samichlaus braucht dieses Jahr Kreativität

Der Lenzburger Stadtchlaus geht dieses Jahr ins Alterszentrum Obere Mühle, aber nicht zu den Kindern.

Der Lenzburger Stadtchlaus geht dieses Jahr ins Alterszentrum Obere Mühle, aber nicht zu den Kindern.

Coronabedingt sind vielerorts die Hausbesuche abgesagt. Ganz auf den Samichlaus verzichten sollen die Kinder nicht. Es gibt verschiedene Alternativen.

War ich brav? Kenne ich die Verse zum Samichlausgedicht auswendig? Und bekomme ich ein Säckli oder die Rute? All diese Fragen gehen Anfang Dezember durch die Köpfe der Kinder, bevor es dann endlich an der Tür läutet und der Samichlaus samt Schmutzli und – in der De­luxe-Variante – dem Eseli vor der Tür steht. Auch im Coronajahr 2020?

Samichlaus empfängt Kinder im Freien

Viele Vereinigungen verzichten dieses Jahr auf einen Hausbesuch. Trotzdem sollen die Kinder den Samichlaus treffen. So hat das katholische Pfarramt Buchs-Rohr entschieden, dass der St.Niklaus die Kinder mit ihren Familien auf dem Platz vor dem Eingang der katholischen Kirche Buchs empfängt. Auch für die St.Niklausgesellschaft Schöftland-Kölliken kommt eine Absage nicht in Frage. Sie möchte den Kindern in diesen schwierigen Zeiten unbedingt ein Stück Normalität bewahren und lädt sie deshalb in verschiedene Waldhütten in der Umgebung ein.

Bianca Gyger-Knight, Planerin der St.Niklausgesellschaft Schöftland-Kölliken erzählt: «Ich hatte die Idee vor ein paar Wochen. Nachdem ich sie mit meiner Schwester besprochen hatte, haben wir gleich die Waldhäuser in unserer Umgebung reserviert.» Dort werden vom 4. bis 6. Dezember Samichläuse und Schmutzli die Kinder empfangen; sie loben und tadeln und sind gespannt ihren Versli zuhören. «Mehr als 90 Kinder sind bereits angemeldet, der 6. Dezember ist sogar schon ausgebucht», sagt Bianca Gyger-Knight.

Ein virtueller Besuch via Internet

Die Cevi Jungschar Entfelden bietet ein ähnliches Angebot an: Die Samichläuse und Schmutzlis empfangen die Kinder aus Unterentfelden und Oberentfelden an vier verschiedenen Standorten: Waldhaus Lättweiher, Fritzerbrünneli, Jägerunterstand und bei der Waldspielgruppe. «Bis jetzt haben wir zwei Anmeldungen erhalten und wir hoffen, es melden sich noch mehr», sagt Besa Morina, Organisatorin des Chlaus-Events.

Die Chlauszunft Aarau-West dreht den Spiess dieses Jahr auch um: Aber anstatt dass die Kinder den Samichlaus auf dem Kirchenplatz oder im Wald besuchen, lädt er die Kinder in seine Stube ein – ein virtueller Besuch via Internet. Auf seiner Website wird der Chlaus am 6. Dezember den Kindern über Video eine Geschichte erzählen.

Keine Selfies auf dem Chlaus-Schoss

Anders macht es der Turnverein Küttigen. Dieser hat sich entschieden, trotz Corona von Haus zu Haus zu gehen. Die Familien müssen den Chlaus aber draussen empfangen. Zudem hat Aline Gruber, Organisatorin des Anlasses, für die Besuche ein Schutzkonzept erarbeitet. Vorgesehen ist, dass alle Personen während der Anwesenheit des Samichlaus und Schmutzli eine Maske tragen müssen, ausgenommen Kinder bis zum 12. Lebensjahr – und der Samichlaus und Schmutzli selbst.

Während des Besuchs muss ein Mindestabstand eingehalten werden und auf Fotos vom Kind auf dem Samichlaus-Schoss wird verzichtet. «Falls eine Familie auf den Chlausbesuch verzichten möchte, bieten wir zudem an, dass der Schmutzli den Kindern ein Säckli mit Brief vom Samichlaus heimlich vor die Haustüre legt», sagt Aline Gruber. Hausbesuche mit Schutzkonzept werden auch von den Samichlausvereinigungen St.Niklaus Pfarrei Seon und Samichlaus Beinwil am See und Umgebung angeboten.

Langjähriger Chlaus: «Es bricht mir das Herz»

Für gewisse Vereinigungen ist das Risiko zu gross. Die Vereinigung Samichlaus und Schmutzli Teufenthal und Umgebung entschied deshalb, den Samichlaus abzusagen. «Es bricht mir das Herz», sagt Oberchlaus Patrick Schmid. Er sei seit 30 Jahren beim Chlaus dabei, zuerst als Schmutzli und seit 20 Jahren als Samichlaus. Es tue ihm weh, die Kinder nicht besuchen zu können. «Aber ich kann die Verantwortung für die Gesundheit der Haushalte und Chläuse nicht tragen.»

Stattdessen hat Patrick Schmid auf Facebook den Familien angeboten, dass sich die Kinder per Videochat beim Samichlaus melden dürfen. «Es sind aber noch keine Anfragen eingegangen», sagt er. Die Pfarrei Menziken und Unterkulm und der STV Auenstein verzichten ebenfalls auf Familienbesuche dieses Jahr. Im Seetal werden die Chlaus-­Teams der Vereinigung Samichlaus Seetal das erste Mal seit 20 Jahren nicht unterwegs sein. Und auch die Jungschar Möriken-Wildegg hat den Samichlaus definitiv abgesagt: Lea Zeltner vom OK und ihr Team bieten aber Samichlaus-Videobotschaften an, in denen der Samichlaus den Kindern Lob und Tadel erteilt. «Wir hoffen, den Kindern somit trotzdem eine Freude zu machen», sagt sie.

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