Wenn es um das neue Aare-Kraftwerk in Aarau geht, fliessen die Informationen nicht, sondern sie tröpfeln. Zuletzt wurde bekannt, dass die Eniwa auf eine Leistungserhöhung um insgesamt 22 Gigawattstunden (GWh) angewiesen ist, um vom Bund die maximale Subvention von 35 Millionen Franken zu erhalten. Darum muss sie den ganzen und nicht nur den halben Mitteldamm opfern. Und sie ist wegen des Subventionsverfahrens unter einem gewaltigen Zeitdruck.

Hoffnung auf gute Entwicklung

Jetzt macht die Eniwa in ihrem Kundenmagazin «Viva» Aussagen zur Wirtschaftlichkeit des 130-Millionen-Projekts. Und die bestätigen, wie gross die Gefahr ist, dass das neue Kraftwerk zu einer ewigen Verlustquelle werden könnte, weil der von ihm produzierte Strom zu teuer ist (auch mit maximaler Bundessubvention, also ganzer Mitteldamm-Entfernung).

«Im Fall des optimierten Projektes 2018 erreichen wir knapp die Wirtschaftlichkeit», heisst es im «Viva». Nur knapp positiv oder knapp negativ? Fest steht, dass die Eniwa mit einer für sie erfreulichen Marktentwicklung beim Strompreis rechnet und hofft, dass ihr der Bund bei den Wasserzinsen entgegenkommt. Es heisst im «Viva»: «Für die Laufzeit bis 2085 gehen wir von leicht anziehenden Strompreisen aus, sodass sich die Wirtschaftlichkeit im Laufe der Konzessionsdauer eher noch etwas verbessern sollte.» Und: «Eine Reduktion der Wasserzinsen oder zumindest eine flexible Anpassung der Wasserzinsen an die Strompreise ist wichtig für den weiteren Ausbau der Wasserkraft in der Schweiz.»

Wer kassiert

Das neue Kraftwerk ist für die öffentliche Hand ein gutes Geschäft, abgesehen von der Eniwa-Hauptaktionärin, der Stadt Aarau, die damit leben muss, dass das Projekt «knapp die Wirtschaftlichkeit» erreicht: «Im besten Fall beträgt die Förderung (die 35 Mio. Fr. des Bundes, Anm. der Redaktion) knapp ein Viertel der über die Laufzeit zu entrichtenden Abgaben an die Kantone Solothurn und Aargau.» Gemeint sind die Gebühren bis zum Ablauf der neuen Konzession im Jahr 2085.

Das passiert mit Mitteldamm-Kies

Bisher war bekannt, dass die Entfernung des gesamten Mitteldamms 6,3 Millionen Franken kosten wird. Jetzt ist dank des «Viva»-Artikels auch etwas klarer, wie sie ablaufen soll: «Das Kiesmaterial wird auf dem Gelände des ehemaligen Werkhofes teilweise wiederverwendet werden. Weitere Mengen werden im Flussraum zwischengelagert und später wieder der Aare zugeführt. Die Stampfbetonwände werden abtransportiert und rezykliert.»

Der definitive Entscheid über das Ausmass der Mitteldamm-Entfernung ist noch nicht gefällt. Aus Kreisen der Eniwa ist zu hören, dass die Chance klein ist, dass die Energieversorgerin der starken Opposition entgegenkommen kann. Die Eniwa ist im Nachgang des Mitwirkungsverfahrens (Auflage bis zum 11. Februar) am Optimieren des «Projektes 2018». Eine Information ist für den Mai in Aussicht gestellt.