Aarau

Wird das Schwimmer-Paradies durch den Kraftwerk-Bau zerstört?

Die Eniwa ist daran, ihre überarbeiteten Pläne für den zwischenzeitlich 135 Millionen Franken teuren Neubau des Wasserkraftwerks den beiden Kantonen Solothurn und Aargau zur Vorprüfung einzureichen.

Die Energieversorgerin beharrt darauf, dass die Entfernung des gesamten 1600 Meter langen Mitteldammes zwischen den beiden Kanälen notwendig ist. Für die Eniwa ist klar: «Wir haben ein Super-Projekt. Es ist ein wirtschaftliches Vorhaben. Und der Flussraum wird aufgewertet.»
Das sehen die Mitglieder des Vereins «Rettet den Mitteldamm» ganz anders.

Sie bereiten sich auf das Mitteldamm-Fest (17. August) vor. Sie wollen Einsprachen einreichen (das Projekt wird frühestens im Februar 2020 aufgelegt). Und sie prüfen, ob die Mitteldamm-Landschaft allenfalls mittels einer Volksinitiative gerettet werden könnte. Ihre Position: «Die schweizweit einzigartige Schwimmstrecke und der Kanal als kulturhistorisch bedeutendes Bauwerk, das über die Jahrzehnte zu einem naturnahen Erholungs- und Naturschutzgebiet geworden ist, soll nicht der kurzsichtigen Produktionsstrategie der Aktiengesellschaft Eniwa, die zu 95,4 Prozent der Stadt Aarau gehört, geopfert werden.»

Die Mitteldamm-Entfernung ist aus Sicht der Eniwa nötig, damit im Rahmen der Sanierung die Kraftwerkleistung um über 20 Prozent angehoben werden kann. Das ist Voraussetzung, damit der Bund das Maximum an Fördergeldern (45 Millionen Franken) ausschüttet.

Die Eniwa hat ihr Projekt nach dem Mitwirkungsverfahren (im Januar) aufgepeppt. Unter anderem mit Massnahmen, die den Kanal-Schwimmern zugutekommen sollen. So sind neu zwei WC-Anlagen mit Kaltwasser-Duschen (beim Wehr in Schönenwerd und beim Spielplatz auf dem Inseli beim Kraftwerk) geplant. Zudem sollen fünf zusätzliche Ein- und Ausstiegshilfen gebaut werden.

Die Eniwa betont, ohne Mitteldamm sei der Kanalquerschnitt breiter, was die mittlere Fliessgeschwindigkeit reduziere: «Dies bringt einen Vorteil für die Schwimmer.»
Die Diskussionen um den Mitteldamm haben zwischenzeitlich den Charakter eines Glaubenskrieges erreicht. Die Eniwa hofft, mit den Bewilligungen bis im Juni 2020 so weit zu sein, dass das Subventionsgesuch eingereicht werden kann (sonst muss wieder zwei Jahre gewartet werden).

Doch dafür ist ein kleines Wunder nötig – vor allem auch, weil an diesen heissen Tagen die Zahl der Aare-Fans laufend steigt.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

Meistgesehen

Artboard 1