Traglufthalle

Wird die Badi Suhr zugedeckt?

Basel, Chur und Schaffhausen haben bereits Traglufthallen. Jetzt wird geklärt, ob in Suhr auch eine möglich ist. ZVG

Basel, Chur und Schaffhausen haben bereits Traglufthallen. Jetzt wird geklärt, ob in Suhr auch eine möglich ist. ZVG

Was die Idee mit Aarau zu tun hat und warum der Stadtrat grundsätzlich dafür ist.

Am 17. September um 16 Uhr war Schluss: Das Freibad Suhr-Buchs-Gränichen (auf Suhrer Boden) hat die Saison beendet. Winterpause. Künftig könnte das anders sein: In Planung ist nämlich eine Traglufthalle, die in den Wintermonaten zusätzliche, dringend benötigte gedeckte Wasserflächen schaffen soll. Denn erstens besteht ein genereller Mangel an Winter-Schwimmmöglichkeiten in der Region, zweitens muss das Hallenbad in der Telli in absehbarer Zeit erneuert werden.

Jetzt geht endlich etwas: Der Schwimmclub Aarefisch liess eine Machbarkeitsstudie für eine Traglufthalle erstellen. Und Einwohnerrätin Martina Suter nahm sich des Themas an. Die FDP-Fraktionspräsidentin reichte eine Anfrage ein, die der Stadtrat jetzt beantwortet hat.

Regionale Lösung?

«Die Installation einer Traglufthalle würde zur Entlastung des Hallenbades Telli führen», bestätigt der Stadtrat. So könnten zusätzliche gedeckte Wasserflächen geschaffen werden. «Zudem besteht für die Vereine die Möglichkeit, auch im Winter in einem 50-Meter-Becken zu trainieren.»

Der Stadtrat steht nach eigenen Angaben bereits seit einiger Zeit in Kontakt mit den umliegenden Gemeinden, um eine regionale Lösung zu erarbeiten. Der Regionalplanungsverband Aarau regio werde sich der Thematik «Überdachung Schwimmbad Suhr-Buchs-Gränichen beziehungsweise alternative Lösungen» annehmen. Geplant ist ein regionales Schwimmbadkonzept. Es braucht dazu eine Bedürfnisabklärung und ein Aufzeigen der Entwicklungspotenziale sowie ein Finanzierungskonzept inklusive Finanzierungsschlüssel. «Die gedeckte Wasserfäche wird nicht nur von den Bewohnern der Standortgemeinde, sondern auch der Nachbargemeinden und der Region genutzt», so der Stadtrat. Die Erfahrung mit vergleichbaren regionalen Sportanlagen, zum Beispiel der Keba, lässt den Stadtrat aber daran zweifeln, dass Nachbargemeinden freiwillig einen namhaften finanziellen Beitrag sprechen würden.

Kosten von bis zu 2 Millionen

Laut Stadtrat würde eine Traglufthalle samt wintertauglichen Garderoben grob geschätzt 1,5 bis 2 Mio. Franken kosten. «Ortsspezifisch zu prüfen und sehr kostenrelevant wären zudem die Anpassungsarbeiten, welche für die bestehende technische und bauliche Infrastruktur nötig sind – zum Beispiel Anpassungen an Werkleitungen und Erschliessungen.» Würde man eine Baubewilligung benötigen, die über die 3 Jahre eines Provisoriums hinausginge, bräuchte es zusätzliche energetische Massnahmen, die dann wiederum Auswirkungen auf die Investitionskosten hätten. Hinzu kämen laut Stadtrat Betriebskosten von 200'000 Franken pro Jahr. Darin eingerechnet sind die Energiekosten, die der Stadtrat als «hoch» bezeichnet – das Becken hat gegen das Erdreich hin keine Dämmung, und die Membran der Halle weist nur eine mässige Wärmedämmung auf.

Traglufthalle auch im Schachen?

Prüfen will der Stadtrat offenbar auch, ob sich das Freibad Schachen als Standort für eine Traglufthalle eignen würde. Im Vergleich zur Badi in Suhr sei es aber weniger geeignet, hält der Stadtrat nach einem ersten, groben Vergleich fest. Denn im Schachen müssten erst die technischen Einrichtungen wintertauglich gemacht werden. Die Suhrer Badi wird durch Fernwärme gespeist, der Aufwand wäre hier insgesamt geringer.

Sorgenkind Hallenbad Telli

Klar ist: «Das Hallenbad Telli ist in einem desolaten Zustand und ein Betriebsausfall jederzeit möglich», so der Stadtrat. Es werde aber wohl noch Jahre dauern, bis das Bad saniert oder ersetzt wird – wegen der langwierigen politischen und verwaltungsinternen Prozesse. Federführend ist der Kanton als Gebäudeeigentümerin.

In den letzten Monaten seien Machbarkeitsstudien durchgeführt worden: Im Raum stehen eine Sanierung, eine Sanierung plus Erweiterung oder ein kompletter Neubau. Spätestens 2018 wird der Evaluationsprozess abgeschlossen, danach der Planungskredit beantragt. Die Errichtung einer Traglufthalle, so der Stadtrat, könne diesen Prozess «voraussichtlich nicht beschleunigen». Sie könne aber gewährleisten, dass die Bevölkerung, die Vereine und die Schule während der Bauarbeiten weiterhin gedeckte Wasserflächen nutzen können, wenn auch in reduziertem Umfang. «Die Planung für Trainingseinheiten in anderen Hallenbädern sowie die daraus entstehenden Kosten könnten reduziert werden.»

Zuchwil stimmt über Halle ab

In der Schweiz gibt es noch nicht viele Traglufthallen bei Freibädern. Bekannte Beispiele sind Basel, Chur oder Schaffhausen. Der Winterthurer Stadtrat hat Anfang Jahr ein ähnliches Vorhaben klar zurückgewiesen, aus finanziellen und energetischen Überlegungen. In Zuchwil stimmt die Bevölkerung am 26. November über ein Gesamtsanierungsprojekt des Bades ab, das auch eine Traglufthalle beinhaltet. Deren Kosten liegen bei 1,35 Mio. Franken, die Betriebskosten für 220 Betriebstage jährlich bei rund 250'000 Franken.

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