Abstimmung
Ehe für alle spaltet die Aargauer SVP: Bircher ist dafür, Burgherr dagegen

Am SVP-Parteitag werden Nationalrätin Martina Bircher und Nationalrat Thomas Burgherr unterschiedliche Standpunkte vertreten. Das Recht auf Ehe aufgrund der Sexualität vorzuenthalten sei nicht mehr zeitgemäss, findet Bircher. Burgherr warnt davor, das Traditionelle zu dekonstruieren.

Fabian Hägler
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Martina Bircher, Nationalrätin und Sozialvorsteherin in Aarburg und Thomas Burgherr, Nationalrat und Ex-Präsident der SVP Aargau sind sich beim Thema «Ehe für alle» nicht einig.

Martina Bircher, Nationalrätin und Sozialvorsteherin in Aarburg und Thomas Burgherr, Nationalrat und Ex-Präsident der SVP Aargau sind sich beim Thema «Ehe für alle» nicht einig.

Keystone/Montage AZ

Am Donnerstagabend hat die FDP Aargau einstimmig die Ja- Parole zur Ehe für alle gefasst. Bei den Freisinnigen war die Vorlage unumstritten – anders dürfte dies bei der SVP sein, die am 25. August zum ersten Mal seit Monaten wieder einen physischen Parteitag durchführt. Schon aus der Einladung zur Versammlung geht hervor, dass es keine einstimmige Parole geben wird. Am Parteitag werden Nationalrätin Martina Bircher (Pro) und Nationalrat Thomas Burgherr (Contra) ihre unterschiedlichen Standpunkte vertreten. Im neuen «SVP Aktuell», der Augustausgabe der Parteizeitschrift, legen die beiden ihre Argumente bereits in Beiträgen dar.

Martina Bircher schreibt: «Wenn zwei Menschen ihr Glück finden, ist es doch unerheblich, welches Geschlecht sie haben.» Die Ehe sei ein zivilrechtliches Konstrukt und sichere die beiden Partner gegenseitig mit Rechten und Pflichten ab, hält sie weiter fest. «Dieses Recht zwei Erwachsenen lediglich aufgrund ihrer Sexualität vorzuenthalten, ist schlicht und einfach nicht mehr zeitgemäss», findet Bircher.

Sie bestreitet, dass mit einem Ja zur Ehe für alle das Kindeswohl gefährdet wäre. Als Sozialvorsteherin von Aarburg ist Bircher auch für den Kindes- und Erwachsenenschutz (Kesb) verantwortlich. In dieser Funktion sehe sie leider viele traurige Schicksale: «Ein Vater schlug seine kleine Tochter so stark, bis diese einen Schädelbruch erlitt. Eine andere Familie liess ihre Kinder auf Matratzen schlafen, die von Hundekot übersät waren. All diese Kinder lebten in heterosexuellen Familien, sprich mit Vater und Mutter.» Bircher kommt zum Schluss, das Geschlecht der Partner sei unerheblich für das Kindeswohl.

Thomas Burgherr: «Nein zur Abschaffung der Ehe auf Raten»

Der ehemalige SVP-Aargau-Präsident Thomas Burgherr lehnt die Vorlage hingegen entschieden ab. Er sieht darin den Versuch, die traditionelle Ehe auf Raten abzuschaffen. «Es ist einzig die Verbindung zwischen Mann und Frau, die biologisch Kinder und Familien stiften kann», schreibt Burgherr. Die Ehe sei auf der ganzen Welt anerkannt und habe seit Jahrhunderten Bestand, hält er fest. «Wir können doch nicht einfach staatlich einen Begriff umdefinieren, nur weil es gerade im Trend ist», wirbt Burgherr für ein Nein. Mit der Vorlage würden die christlichen Werte frontal torpediert, schreibt der Nationalrat und ergänzt: «Alles Traditionelle, auf dem unsere Kultur aufgebaut ist, wird heute dekonstruiert und schlechtgeredet. Burgherr fordert: «Ehe soll auch künftig die auf Dauer angelegte Beziehung zwischen Mann und Frau sein, die vor Staat und Kirche geschlossen wird.»

Der Nationalrat aus Wiliberg kritisiert weiter, bei einem Ja am 26. September würde es «plötzlich ein Recht auf Kinder für alle» geben. Vertreterinnen und Vertreter aller Beziehungsformen «könnten dann klagen und einfordern, Kinder haben zu dürfen», befürchtet der Nationalrat. Damit bliebe das Kindeswohl auf der Strecke und dagegen wehre er sich.

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