Lange, sehnsüchtige Geigenklänge, unterlegt mit tiefen zitternden Basstönen - Melancholie kommt auf, doch dann eine kaum hörbare Pause: mit einem frechen «Ratsch» setzen plötzlich Tangorhythmen ein.

Unter dem Motto «Rhythmus und Leidenschaft» vereint die Orchestergesellschaft Baden klassische Musik mit südamerikanischen Rhythmen. Der Star des Abends ist der Solist des Tonhalle Orchesters Zürich, Isaac Duarte. Mit seiner Oboe verzaubert der aus Brasilien stammende Musiker das Publikum.

Streicher und Solist überzeugen

Mit voller Bläserbesetzung und Schlagwerk nimmt das Orchester den Zuhörer gleich zu Beginn auf eine emotionale Achterbahnfahrt mit. Intensive Rhythmik und romantische Melodien wechseln sich in gewagten Übergängen ab. Im zweiten Teil verbindet das Streichorchester zusammen mit Isaac Duarte brasilianische Volksmusik mit den Formen Bachs in den Stücken von Heitor Villa-Lobos. Das Wechselspiel zwischen Oboe und Streichern zeichnet magische Klangfarben. «Isaac Duarte ist sehr viel in die Proben gekommen, aber er hat das Orchester auch stark gefordert», sagt Felicitas Gadient, die Dirigentin. Schliesslich ist Gadient jedoch sehr zufrieden mit dem Zusammenspiel. Es scheint auch bereits eine Vertrautheit zwischen den Streichern und dem Solisten entstanden zu sein. Ohne Probleme bewegen sich die Klänge der Oboe über den orchestralen Streichtönen hinweg.

Wenn Bach Tango tanzt

Den Abschluss des Konzertes bildet die volle Besetzung des Orchesters mit Bläsern und Schlagwerk. In den drei Kompositionen «Tangazo», «Adios Nonino» und «Milonga del Angel» von Piazzolla zeigt das Orchester seine Farbigkeit noch einmal mit voller Besetzung. «Die grösste Schwierigkeit war es bei diesem Programm, dem Orchester die Rhythmen beizubringen», sagt Celestino Padeste, Präsident der Orchestergesellschaft. So sind die südamerikanischen Rhythmen doch sehr intensiv und teilweise aus dem Tango entlehnt. Das Orchester muss von klassischen Kompositionen aus sehnsüchtiger melancholischer Stimmung in leidenschaftlich-rhythmische Melodien wechseln. Dabei entsteht ein etwas ungewohntes Klangbild zwischen langen Tonbildern, durchbrochen durch den Klang einer Ratschgurke oder auch Güiro genannt. Den Geigen und Bässen wird dabei viel abverlangt. Erst werden die Saitenhälse fein gestrichen und im nächsten Moment zupfen die Musiker die Saiten und trommeln auf den Resonanzkörpern.