Kalenderwoche 45. Für viele Menschen eine Woche wie jede andere auch – nicht so bei den Regionalen Verkehrsbetrieben Baden-Wettingen (RVBW). Dort sind die Tage Anfang November tiefrot im Kalender eingezeichnet: Der grosse Reifenwechsel bei der Busflotte steht an.

Hans Boll legt beim Montieren eines neuen Rades gleich selber Hand an.

Hans Boll legt beim Montieren eines neuen Rades gleich selber Hand an.

In der Busgarage in Wettingen herrscht reges Treiben. Bis zu 160 Räder werden zurzeit abmontiert, zum Teil neu bereift, und wieder angeschraubt. Vom Service-Team um den Technischen Leiter Hans Boll sind Höchstleistungen gefordert. «Ein Pneu wiegt ungefähr 40 Kilogramm, das ganze Rad etwa 100 Kilogramm», sagt Boll. Vier Mitarbeiter sind diese Woche permanent mit dem Service beschäftigt, Ferien darf sich niemand nehmen: Ausnahmezustand in der Busgarage in Wettingen. Die Halle im RVBW-Gebäude ist normalerweise für Lastwagen-Services vermietet, zurzeit ist sie eine Bushaltestelle der besonderen Art.

In der Schweiz besteht im Gegensatz zu zahlreichen EU-Staaten keine Winterreifenpflicht. Bei den RVBW besteht kein Unterschied zwischen Sommer- und Winterbereifung. «Wintertauglich sind jedoch alle Reifen», erklärt Boll. Schneeketten werden mit wenigen Ausnahmen keine mitgeführt in den Bussen, was aber auch nicht nötig sei: «Sind die Strassenverhältnisse so schlecht, fahren wir sowieso nicht mehr.» Dann wird auf die Schneeräumung gewartet: «Sicherheit geht vor.»

Schnee im Oktober unerwünscht

Mit dem Reifenwechsel wurde bei den RVBW in den letzten Jahren immer bis im November zugewartet. Das habe seinen Grund, sagt Boll: «Wenn wir den Wechsel zu früh vornehmen, haben wir bei einem Wintereinbruch Ende März das Problem, dass die Reifen schon wieder abgefahren sind.» Was aber, wenn der erste Schnee schon im Oktober fällt? «Dann gibt es Nachtschichten.» In so einem Fall hätten gewisse Linien Priorität, beispielsweise die Verbindung auf die Baldegg. Solche Aktionen würden aber zum Glück nicht allzu häufig vorkommen.

Zurück zum Boxenstopp. Der nächste Bus fährt in die Halle und wird für den Service vorbereitet. Eineinhalb Stunden dauert der «Eingriff» bei einem Gelenkbus mit zehn Rädern. Vorne und in der Mitte, auf den sogenannten Lenkachsen, werden immer neue Reifen aufgezogen. Auf die Triebachsen kommen gebrauchte Pneus, die bei Bedarf aufgummiert werden. Dies ist kostengünstig und umweltschonend. Nach dem Wechsel werden die Radschrauben noch zweimal nachkontrolliert, bevor der Bus wieder den Betrieb aufnehmen kann. Dann gehts zurück auf die Strasse – bereit für die nächsten 80 000 Kilometer bis zum Frühlingsservice.