Baden
100 Jahre gemeinnütziger Frauenverein: «Wir bleiben dran»

Der Gemeinnützige Frauenverein Baden hat sich zu seinem 100. Geburtstag mit einer kurzweiligen, spannenden Chronik von Eva Kuhn beschenkt.

Elisabeth Feller
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100 Jahre Frauenverein Baden
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Das Restaurant Sonnenblick an der Haselstrasse 6 in den Fünfzigerjahren. zvg
In der Villa Burghalde erfolgte am 28. August 2017 der Startschuss der SGF Baden.

100 Jahre Frauenverein Baden

Alex Spichale

«Nichts ist beständiger als der Wandel»: Gross prangt dieser Leitspruch auf der Homepage des Gemeinnützigen Frauenvereins SGF Baden. Das ist kein Zufall, denn die 100-jährige Geschichte dieses für Jung und Alt sozial engagierten Vereins gleicht mitunter einer Wildwasserfahrt. Diese erfolgt oft nicht freiwillig, sondern ist den schwierigen Zeitläufen wie Wirtschaftskrise oder Krieg geschuldet. Das permanente Anpassen an neue Verhältnisse ist ein hartes Stück Arbeit: Der SGF Baden hat diese bewundernswert geleistet. Deshalb feiert er seinen 100. Geburtstag in diesem Jahr, indem er (nicht nur) sich selbst beschenkt – mit dem reich illustrierten Buch «100 Jahre Gemeinnützige Frauen Baden» von Eva Kuhn (siehe Box).

100 Jahre SGF Baden: Start in Burghalde

Der Gemeinnützige Frauenverein SGF Baden unterstützt seit 1917 soziale Projekte für Jung und Alt sowie benachteiligte Menschen in der Stadt und in der Region Baden. 2016 richtete er beispielsweise Vergabungen in der Höhe von 56'884 Franken aus.

Zu den Aktivitäten des Vereins zählen unter anderem die seit 1919 bestehende Brockenstube an der Mellingerstrasse 27a in Baden sowie – seit 2015 – die Kinderbrocki im Untergeschoss der vereinseigenen Liegenschaft an der Haselstrasse 6, Baden. Die Erlöse der Brockenstube und der Kinderbrocki gehen an soziale Projekte sowie benachteiligte Menschen in der Region Baden. Informationen: Gemeinnütziger Frauenverein Baden, Haselstrasse 6, 5400 Baden, Tel.: 079 265 62 79; sgf-baden-ch; Spendenkonto: 50-10389-5. (AZ)

Darin rollt die Autorin, gestützt auf das Archiv des Vereins sowie auf zeitgenössische Publikationen, eine mit der Stadt Baden verzahnte, spannende Geschichte auf. Natürlich macht man sofort Bekanntschaft mit der Villa Burghalde; jenem Ort, wo am 28. August 1917 die Gründung des SGF Baden erfolgt. Eva Kuhn wirft im ersten Kapitel zunächst einen Blick auf das Baden von 1917 mit seinen klar umrissenen, gesellschaftlichen Normen: Neben dem Grossbürgertum gab es Gewerbe- und Handwerkerfamilien sowie Bauern- und Arbeiterfamilien, die streng voneinander getrennte Lebensformen pflegten. Die Vorstandsmitglieder sind schon damals überzeugt von der Wichtigkeit ihres sozialen Engagements, denn: «Die Zukunft wird an die gesamte Frauenwelt grosse Anforderungen stellen.» Wie wahr, stellt man beim Lesen von Eva Kuhn kurzweiliger Chronik fest, die sich nicht nur mit den Aktivitäten des Vereins, sondern ebenso mit den internen Diskussionen über die Rolle des SGF Baden und dessen Weiterentwicklung befasst.

Lese- und Schreibstube für Soldaten

Zurück zu den Anfängen. Schon bald halten die Wirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg den SGF Baden in Atem. Unmittelbar nach der Mobilmachung richtet der Verein im Restaurant Sonnenblick an der Haselstrasse 6, das er 1927 erworben hatte, eine Lese- und Schreibstube für Soldaten ein. Nach dem Krieg setzt ein rasanter wirtschaftlicher Aufschwung ein, der auch den Industriestandort Baden mit seinen intakt gebliebenen Betrieben und deren Infrastruktur erfasst.

Auch der SGF Baden wächst: 1950 zählt er 404 Mitglieder; gegen Ende der Fünfzigerjahre sind es rund 500, «ein Zeichen für die grosse Akzeptanz und das breite Tätigkeitsfeld des SGF Baden», wie Eva Kuhn schreibt. Die Alterspflege wird zu einer weiteren wichtigen Aufgabe, die grosses Echo auslöst. Aber in die Erfolgsgeschichte mischen sich auch Wermutstropfen. In den 1970er-Jahren befindet sich die Schweiz in einem politischen und gesellschaftlichen Spannungsfeld: 1975/76 setzt die grösste Rezession der Nachkriegszeit ein, die auch beim SGF Baden Spuren hinterlässt – etwa beim «Sonnenblick», der 1972 geschlossen werden muss. Jahrzehnte später, 2015, zieht das Familienzentrum Karussell an die Haselstrasse 6 und seit 2016 können dort Gäste beim neu geschaffenen Sonntags-Kafi über die Geschicke des Vorgänger-Restaurants sinnieren.

Die Suche nach Freiwilligen

Eine Frage aber treibt den SGF Baden genauso um wie andere Vereine auch: Wo finden wir Frauen für eine aktive Mitarbeit? Ohne Freiwillige funktioniert vieles nicht. Dabei, so Stadtammann Geri Müller am 28. August an der GV, sei der Staat im Hinblick auf knapper werdende finanzielle Ressourcen für die Erfüllung wichtiger sozialer Aufgaben auch künftig auf solche Institutionen angewiesen: «Die Gesellschaft braucht Sie.» Ähnlich klingt das im Nachwort von Eva Kuhns Buch. Dieses beenden die Vorstandsmitglieder Eva Marti Pauli, Sandra-Anne Göbelbecker und Doris Züst so: «Wir bleiben dran und bitten Sie, liebe Leserin/lieber Leser, auf uns zuzukommen mit Ihren Ideen – wir brauchen Sie.»

Eva Kuhn «100 Jahre Gemeinnützige Frauen Baden», 2017, 136 Seiten, erschienen im eFeF-Verlag Wettingen; Fr. 30.– www.efefverlag.ch