Der az liegt ein Schreiben des Kinderhauses Häsliburg vom 19. April vor. In diesem teilt Christian Eissengarthen, Geschäftsführer der Kinderhaus Häsliburg GmbH, den Eltern und den Mitarbeitenden die Insolvenz der Gmbh mit. «Die Kinderhaus Häsliburg GmbH musste per 19. April 2013 ihre Bilanz beim zuständigen Richter in Baden deponieren und Insolvenz ankündigen.»

Auf Anfrage der az erklärt Eissengarthen, wie es aus seiner Sicht so weit kommen konnte. «Wir hatten den Betrieb an die Kimi Krippen AG verkauft, diese hätte am 1. Mai den Betrieb der Krippen übernehmen sollen.»

Die GmbH führt zwei Krippen in Baden (Mellingerstrasse und Kehlstrasse) und eine Krippe in Arni. Doch dazu kommt es vorläufig nicht, weil sich die Kimi Krippen vom Kaufvertrag zurückgezogen hat. Weshalb aber der Konkurs?

«Das Unheil nahm Anfang letzter Woche seinen Lauf, als die Käuferin mir mitteilte, sie erhebe Anspruch auf die Umsätze beziehungsweise die Kundengelder im April», sagt Eissengarthen. Er habe der Käuferin klargemacht, dass dies nicht gehe, weil er dann nicht mehr in der Lage sei, die Löhne zu zahlen und den Betrieb aufrechtzuerhalten.

«Es stimmt, dass wir Anspruch auf die Umsätze erhoben», sagt Jürg Schumacher, Verwaltungsratspräsident der Kimi Krippen AG mit Sitz in Zürich. Da Beiträge immer einen Monat im Voraus bezahlt würden, sei es Usanz, dass die Umsätze bereits einen Monat vor Geschäftsübergang an den Käufer fliessen. Eissengarthen bestätigt das Angebot.

Nur: «Nachdem ich mir aufgrund der neuen Ausgangslage eine Übersicht über die Finanzen verschafft hatte, habe ich bei der Kimi Krippen AG während Tagen niemanden mehr erreicht.»

Richter muss jetzt entscheiden

Der endgültige Todesstoss sei dann Ende letzter Woche erfolgt. «Die Käuferin teilte mir mit, dass sie sich vom Vertrag zurückziehe», so Eissengarthen. Auch das bestätigt Schumacher. «Es waren mehrere Gründe, die uns zu diesem Schritt gezwungen haben.»

Erstens habe man feststellen müssen, dass die Verkäuferin nicht alles mitbringe, was sie versprochen hatte. «So fehlt zum Beispiel für den Betrieb der Krippe in Arni die Bewilligung», sagt Schumacher. Zweitens hätten bis zum Schluss Dokumente wie Sozialversicherungsauszüge oder Mietverträge gefehlt.

«Und drittens erhielten wir den Eindruck, dass Herr Eissengarthen nicht mit offenen Karten spielt. Das Risiko, nach dem Kauf noch mit finanziellen Forderungen ungeahnter Höhe konfrontiert zu werden, war uns schlicht zu hoch», erklärt Schumacher. Eissengarthen kontert: «Die Käufer hatten jederzeit Kenntnis aller relevanten Positionen.»

Gleichzeitig betont Jürg Schumacher, dass er es bedauere, dass Herr Eissengarthen den Konkurs eingeleitet und somit den Gang zum Richter getätigt habe. «Somit liegt es jetzt nicht mehr in unserer Hand, wie es mit den Krippen weitergeht.»

Rund 100 Kinder sind betroffen

Wie weiter mit den zwei Krippen in Baden? Immerhin sind laut Auskunft von Eissengarthen rund 100 Kinder - verteilt über die ganze Woche - betroffen. Am Dienstag hätten die Krippen gemäss Eissengarthen zu.

«Eltern und Mitarbeitende sind informiert worden.» In der Zwischenzeit werde fieberhaft an einer Lösung - zusammen auch mit der Stadt - gesucht. Brigitte Häberle, Leiterin Fachstelle Familien bei der Stadt Baden, bestätigt: «Es gab am Sonntag ein Treffen mit Herrn Eissengarthen, Frau Stadträtin Daniela Berger, Vertretungen der Eltern sowie des Personals und mir.»

Gemeinsam habe man das weitere Vorgehen diskutiert. «Wir hoffen, dass diese Gruppe in den nächsten Tagen eine Lösung für die zwei Kinderkrippen in Baden findet», sagt Häberle. Wie die Lösung aussieht, ist derzeit offen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Häsliburg in ein schlechtes Licht gerät. Vor knapp einem Jahr sorgte ein Beitrag von «Kassensturz» für Schlagzeilen, als eine ehemalige Mitarbeiterin über schlechte Arbeitsbedingungen in der Häsliburg berichtete. Eissengarthen räumte damals zwar einzelne Defizite ein, wies die Vorwürfe aber grundsätzlich als haltlos zurück.