Baden
100. Musiktheater-Gastspiel: Keine Spielzeit ohne die «Bieler»

Das Kurtheater feiert dieses Wochenende das 100. Musiktheater-Gastspiel des Theaters Biel Solothurn — 1990 waren «die Bieler» zum ersten Mal Gast. Am Samstag wird die langjährige Zusammenarbeit mit der Uraufführung der Oper «Marie und Robert» gefeiert.

Elisabeth Feller
Merken
Drucken
Teilen
Das Theater Biel Solothurn stellt im Kurtheater Jost Meiers zeitgenössische Oper «Marie und Robert» vor.

Das Theater Biel Solothurn stellt im Kurtheater Jost Meiers zeitgenössische Oper «Marie und Robert» vor.

Frances Marshall

«Die Bieler kommen!» Wer diesen Satz in Baden hört, weiss, was damit gemeint ist: Das Theater Biel Solothurn gastiert im Kurtheater. Im Gepäck führt es eine Operninszenierung, deren regieliche und musikalische Sorgfalt überzeugt.

Rückblende: Am 15. November 1990 stellen die Bieler mit der Johann-Strauss-Operette «Die Fledermaus» erstmals eine Musiktheater-Produktion im Kurtheater vor. Danach ist eine Badener Spielzeit ohne das kleine, am Jurasüdfuss situierte, nicht gerade üppig subventionierte Haus undenkbar.

Wer die lange Liste der Musiktheater-Gastspiele überblickt, muss sich in Erinnerung rufen, dass die Verankerung «der Bieler» in Baden nicht selbstverständlich ist. Die Geschichte, wie es dazu kam, ist kompliziert. Nur dies in Kürze: Früher war das Theater St. Gallen Stammgast im Kurtheater. Es kam gerne, weil es in der St. Galler Spielstätte mit Platzproblemen zu kämpfen hatte. Im Vergleich dazu war das Kurtheater grosszügiger und moderner.

Das änderte sich indessen, als in St. Gallen 1968 ein Theaterneubau eingeweiht wurde. Von da an waren die Vorzeichen umgekehrt: Nun bot das Kurtheater zu wenig Platz für die St. Galler Musiktheater-Inszenierungen.

Erstes Gastspiel im Jahr 1990

Was tun? Von den St. Gallern bekam die Theatergemeinde Baden den Tipp, es doch mit dem Bieler Musiktheater zu versuchen. Gesagt, getan – und tatsächlich passten die auf kleine Verhältnisse zugeschnittenen Bieler Inszenierungen perfekt ins Kurtheater und in dessen rund 40 Musikern Platz bietenden Orchestergraben.

Das Badener Publikum empfand die Alternative zu St. Gallen als Glücksfall, weshalb es das Theater Biel Solothurn innert Kürze liebevoll als «die Bieler» ins Herz schloss. Diese machten die Badener mit Reizvollem wie etwa Traettas «Antigona» und Rossinis «Tancredi»; aber auch mit Donizettis, in rascher Folge gezeigten Königinnen-Opern «Maria Stuarda», «Anna Bolena» und «Roberto Devereux» bekannt, um nur einige wenige Produktionen zu erwähnen.

Dass ein Sänger wie der ukrainische Bassist Vitalij Kowaljow nach seinen Bieler Jahren auf internationalen Bühnen wie u. a. der New Yorker Metropolitan Opera, der Los Angeles Opera und der Mailänder Scala reüssierte, macht das Badener Publikum noch heute glücklich. In die Riege der Grossen zählen aber auch der Regisseur Gino Zampieri und der Bühnenbildner Jörg Müller (Autor und Illustrator von «Alle Jahre saust der Presslufthammer nieder»).

Und noch einmal eine Auswahl: die unvergessenen Dirigate von Franco Trinca, der seit November 1992 mit lediglich zwei Ausnahmen jede Saison mindestens einmal in Baden war; von Marc Tardue und der Tessiner Dirigentin Denise Fedeli.

Seit dem ersten Musiktheater-Gastspiel «der Bieler» 1990 ist viel Zeit verstrichen. Jahre, in denen sich die Theaterlandschaft stark verändert hat. Aber: Im Kurtheater Baden ist das Theater Biel Solothurn eine Konstante. Deshalb dürften sich «die Bieler» und ihr treues Badener Publikum wohl auf den 27. Januar 2018 freuen. An diesem Tag steht das 100. Musiktheater-Gastspiel mit der Uraufführung von Jost Meiers Oper «Marie und Robert» im Kurtheater an.

Der Komponist kennt das Haus übrigens aus eigener Erfahrung. Im Oktober 1995 hat Jost Meier seine Oper «Pilger und Fuchs» in der Regie von Martin Markun dirigiert. Und dieser hat auf die Frage nach den «schönsten» Gastspielorten, so geantwortet: «Nach Visp und Thun das Kurtheater Baden mit seiner hervorragenden Akustik.»