Baden

«100 Prozent Baden» - Dieses Magazin soll die Stadt besser verkaufen

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Die Abteilung Standortmarketing präsentiert unter dem Titel «Baden ist. 100 Prozent» ein neues Freizeit-Magazin für Stadt und Region – das Echo ist sehr durchzogen.

Ungewöhnliche Werbe-Post erhielten vor einigen Tagen die Bewohner der Stadt und deren Nachbargemeinden in ihren Briefkästen. In den Händen hielten sie die 54 Seiten dicke, vielversprechend als «Magazin für Baden und die Region. Ausgabe 2017» bezeichnete und mit «Baden ist. 100 Prozent» etwas seltsam betitelte neue Werbe-Broschüre der Stadt Baden in der Hand. Sie löst den früheren «Info Guide» ab.

Hinter dem Magazin steht die Abteilung Standortmarketing der Stadt, welche die Produktion und das Anzeigengeschäft des Werks im Gesamtauftrag der in Baden ansässigen Kommunikationsagentur Schaerer & Partner AG übertrug. Gedruckt wurde in einer Auflage von 65 000 Stück, wovon 5000 in Englisch. 40 000 Exemplare wurden an die Bevölkerung der Region verschickt, der Rest liegt verschiedenenorts auf.

«Anregen und inspirieren»

«In grosszügiger Gestaltung sollen mit dem Magazin Anregungen zu typischen Badener Eigenheiten die Bevölkerung sowie Berufstätige im Alltag inspirieren und die Gäste überraschen», umschreibt Standortmarketing-Leiter Thomas Lütolf das Werk.

Man habe sich vom «Nachschlagewerk mit Namen, Adressen und Telefonnummern» verabschieden wollen, erklärt Sabine Dyer-Smith, Projektleiterin beim Standortmarketing, zumal all die Daten und Adressen online ohnehin viel schneller und aktueller auffindbar seien. Im Vorfeld habe man darum herumgefragt, wo die Bedürfnisse und die Ansprüche an eine jährlich erscheinende Freizeit-Publikation lägen. Diese hätten auf Geschichten über Leute und Leben in Baden hingedeutet, verstärkt ausgerichtet auf die Gäste.

«Wir haben als Herausgeberin das Konzept erstellt und zusammen mit Schaerer & Partner Ideen und Inhalte erarbeitet», so Dyer-Smith zur Entstehung. Die Umsetzung erfolgte bei Schaerer & Partner, wo Gestaltung, redaktionelle Arbeit und Anzeigengeschäft abgewickelt wurden.

Für die Stadt kostenneutral

Der Steuerzahler braucht sich nicht zu ängstigen: Das in hochwertigem Druck erschienene Magazin sei selbsttragend aus städtischer Sicht, sagt Dyer-Smith. Nebst dem üblichen Aufwand seitens Standortmarketing wird es von den Inserenten mit einem Anteil von rund 16 Seiten finanziert, was bei ehrgeizigen Tarifen ein Volumen von 130 000 Franken generiert haben dürfte.

Was der Inserent oder Leser als Gegenwert erhält, sind etwas gar willkürlich aufeinander folgende zwölf Geschichten (davon eine freundnachbarliche Betrachtung Wettingens), eine Übersicht über Baden als Badenfahrt- und Festival-Stadt, ein bisschen Kunst, Kultur und Unterhaltung, Ein- und Überblick über die Einkaufsstadt, Mode, Wohlfühl-Möglichkeiten, Fastfood und Geschenkideen. Die meisten Texte stammen von Sandra Kohler selber, dazu haben sich einzelne Gastautoren gesellt – unter anderem Werner van Gent. Die Badenfahrt ist in der Ausgabe 2017 zurecht ein Schwerpunkt. Ansonsten treffen die Geschichten nicht unbedingt das typische Baden mit seinen Leuten. Der redaktionelle Teil sei jedoch vom kommerziellen strikte getrennt worden, heisst es bei der Stadt.

Das erste Echo fällt unterschiedlich aus. Laut den Machern und des Standortmarketing seien erste Feedbacks positiv. «Wir werden den Rücklauf auswerten und allenfalls Anregungen und Inspirationen in die nächste Ausgabe einfliessen lassen». sagt Dyer-Smith.

Es gibt auch kritische Töne. Beim ersten Anblick fällt die «rostige Patina» auf, die bei der Fotobearbeitung über die Stadt gelegt wurde, und der widersprüchliche Schattenwurf der ins Bild montierten Frau zur Stadtansicht im Hintergrund.

Wo ist der «Badener Geist»?

Isabelle Wanner, Ur-Badenerin und ehemals GLP-Einwohnerrätin, spricht von «missratenem Potpourri» mit «wildem Durcheinander von Illustrationen in allen Formaten, Texten und vieler Werbung». Sie beanstandet, dass gerade Badener sich kaum mit dieser Darstellung identifizieren. Gestalterin Romana Gassmann verteidigt das Layout, das bewusst in dieser (vielleicht allzu) lebhaften, weil (offenbar) zeitgemässen Art gestaltet worden sei. Bei der Frontseitengestaltung sei dieser Blick auf das besonnte Baden beabsichtigt.

Was dem Magazin abgeht, ist das typisch Badenerische, Überraschende, der Humor, oder, wie Wanner meint, ein Hauch von Grandezza, der Baden als traditionelle Bäder- und internationale Industriestadt prägt. Immerhin: Das ganzseitige Inserat der Sparkasse Dielsdorf zuhinterst wird dazu verhelfen, dass das Magazin auch hinter der Lägern Beachtung finden könnte.

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