Umzug
10000 Akten zügeln von Baden nach Dättwil

Beim Bezirksamt in Baden am Ländliweg ist Zügeln angesagt. Das Amt zieht nach Dättwil. Der Ammann würden zwar lieber im Stadtzentrum bleiben. «Mir kommen beinahe die Tränen», sagt er zum nahenden Abschied.

Maja Sommerhalder
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Stefan Kalt

Stefan Kalt

Aargauer Zeitung

Kisten, Kisten, Kisten, so weit das Auge reicht an diesem Montagmorgen in den Gängen und Büros des Bezirksamtes am Badener Ländliweg. «Tausend Kartonschachteln sind es bestimmt», schätzt Fabienne Beer und verpackt ein Leopardenmuster-Kleidungstück und eine Videokamera - alles beschlagnahmte Waren, die das Bezirksamt aufbewahren muss, solange das Strafverfahren läuft.

Eigentlich leitet Beer die Kanzlei, doch in den letzten Wochen war sie auch Umzugs-Tätschmeisterin. Denn die Mitarbeiter des Bezirksamtes Baden verlassen das alte Gebäude beim Schulhausplatz und beziehen moderne Büroräume im Dättwiler Täfernhof. «Hier am Ländliweg haben wir zu wenig Platz, weil nächstes Jahr zusätzliche Mitarbeiter kommen», erklärt Bezirksamtmann Stefan Kalt. Grund: Ab dem ersten Januar werden im Aargau die elf Bezirksämter abgeschafft. Neu gibt es dann sechs regionale Staatsanwaltschaften. Eine davon ist in Baden. «Es werden dann neue Aufgaben auf uns zukommen. Ich freue mich auf diese Herausforderung», sagt Kalt.

«Alles wird komplizierter»

Weniger freut er sich über den Umzug. Wehmütig räumt er die Bücher aus dem Regal seines alten Büros: «Mir kommen beinahe die Tränen, dass ich nach 26 Jahren dieses alte, schöne Gebäude verlassen muss.» Gerne würde Kalt an einem zentraleren Ort arbeiten, hat aber nichts Passendes gefunden. Der neue Standort sei nicht ideal: «Bisher waren wir mit der Polizei und dem Bezirksgefängnis in einem Gebäude.» Auch das Gericht war nicht weit weg. «Wenn wir eine Verhandlung mit einem Gefangenen hatten, musste man ihn nur runterbringen.» Jetzt müsse er zuerst nach Dättwil gefahren werden: «Das ist doch komplizierter.»

Kompliziert ist auch der Umzug. «Das ist viel schlimmer als ein Privathaushalt. Man muss so viel beachten und genaue Anweisungen befolgen.» Gut findet Kalt allerdings, dass er auf diese Weise einmal richtig ausmisten kann: «In den letzten Jahren hat sich vieles angesammelt.»

10 000 Akten kommen mit

Doch ein grosser Teil der Sachen kommt auch mit nach Dättwil. Beispielsweise 10 000 Akten, die Kanzleileiterin Fabienne Beer und andere Mitarbeiter am Montag bereits verpackt haben. Keine leichte Aufgabe, meint die Zügel-Tätschmeisterin: «Man muss sie so einräumen, dass man sie nachher wieder findet.»

Sie verlässt ihr altes Büro mit einem lachenden und einem weinenden Auge: «Ich habe den zentralen Standort sehr geschätzt, aber die modernen Büros sind auch nicht schlecht. Vor allem haben wir dann mehr Platz.» Bis aber die ganzen Möbel, Ordner, Computer und Aktenberge am neuen Ort ihren Platz gefunden haben, werden wohl noch einige Schweisstropfen fliessen. Doch Beer ist trotz Muskelkater und Rückenschmerzen zufrieden: «Der Umzug läuft besser als erwartet. Letzte Woche dachte ich, dass wir das nie schaffen werden.» Denn trotz Zügelstress geht der Tagesbetrieb ganz normal weiter. Nur am Dienstag und Mittwoch ist das Bezirksamt für Kunden geschlossen.

Beer lässt ihren Blick über das mit Kisten vollgestellte Büro schweifen. Während einige Kolleginnen konzentriert vor ihren Computern sitzen, bringt eine junge Frau einen Ventilator aus dem Raum. Eine fast blätterlose Topfpflanze steht verloren in einer Ecke. «Nein, die kommt nicht mit», sagt Beer zu ihrer Kollegin und erklärt: «In Dättwil kaufen wir wieder gesunde Pflanzen. Der Jumbo ist ja nicht weit.»