Franziska (alle Namen geändert), sympathisch, unauffällig, weder besonders attraktiv noch hässlich, war 37, als sie sich am Arbeitsplatz Hals über Kopf in den sieben Jahre jüngeren Rico verliebte.

Sie träumte von einer festen Beziehung mit ihm. Rico aber lag eine solche fern, was er Franziska klar kund tat. Gelegentlicher Sex mit ihr genoss er hingegen schon.

Als Franziska ihm zu anhänglich wurde, beschloss Rico, sie mit seinem besten Freund Hasan zu verkuppeln. Der kriegte Franziska in sein Bett, indem er ihr versicherte, dies erhöhe ihre Chancen auf ein Happy End mit Rico.

Aber nicht diese perfiden Macho-Spielchen brachten Rico und Hasan vor Gericht, sondern ihre Gier nach Geld. Beide liefen (und laufen notabene noch immer) finanziell auf Grundeis.

Nachdem Rico seiner Verehrerin offenbart hatte, dass ihm wegen Alimentenforderungen eine Betreibung drohe, übergab Franziska, die als Folge eines Unfalls von einer Versicherung 200’000 Franken erhalten hatte, ihm 16’000 Franken.

Drei Wochen später jammerte Hasan, sein Freund müsse auch noch einen Kredit zurückzahlen, worauf Franziska ihm 17’000 Franken zuhanden von Rico aushändigte.

Eine weitere Woche danach sah sich Rico angeblich mit einem totalen finanziellen Engpass konfrontiert. Franziska half mit 13’000 Franken aus der Patsche.

Nach dem Herz der Schmerz

Sie sah diese Geldübergaben als zinslose Darlehen, Rico aber mochte kein entsprechendes Papier unterschreiben. So baute sie voll und ganz auf ihre starken Gefühle für ihn und das darauf resultierende Vertrauen.

Innerhalb eines Jahres liess Franziska ihrem Angebeteten insgesamt 111’200 Franken zukommen, nichts ahnend, dass Rico und Hasan das Geld ehr- und redlich teilten.

Erst als nach zwei Jahren Franziskas Verstand gegenüber ihrem Herzen offenbar die Oberhand gewann, forderte sie das Geld von Rico zurück. Als dieser ihr daraufhin in Raten 2150 Franken und keinen Rappen mehr überwiesen hatte, erstattete sie schliesslich Anzeige.

Beschuldigt des gewerbsmässigen Betrugs sassen der schlanke, coole Rico mit kurzer Gelfrisur und gepflegtem Drei-Tage-Bart und der schwergewichtige Hasan mit etwas längerem Bart, das Haar zu einem kleinen Schwänzchen gebunden, vor Schranken.

Unisono versicherten sie, dass Franziska freiwillig mit den Moneten - «es waren insgesamt nur etwa 70’000 Franken» - herausgerückt sei.

«Sie hatte mir gesagt, sie wolle keinen Rappen zurück. Ich sei ihr wichtiger, als alles Geld der Welt», versicherte Rico. Die Rückzahlung habe sie dann schlussendlich wohl nur verlangt, weil er sich nicht mehr bei ihr gemeldet hatte.

Skurril mit unschönem Nachgeschmack

Der Staatsanwalt forderte für Rico eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren, für Hasan eine solche von 2 1/2 Jahren. Die Beiden hätten «arglistig, aus krass egoistischen Gründen und vorsätzlich unter Vortäuschung falscher Tatsachen gehandelt.»

Beide Verteidiger plädierten auf Freispruch. «Was moralisch bedenklich, ist noch lange nicht strafbar», betonte Ricos Anwalt, der die Geschichte «skurril mit Sensationswert und unschönem Nachgeschmack» nannte, gleichzeitig aber die Arglist seines Mandanten dezidiert in Abrede stellte.

Rico habe der Geschädigten mehrfach erklärt, dass er keine Beziehung mit ihr wolle. Sie ihrerseits habe «jedes Mindestmass an Aufmerksamkeit vermissen lassen, obwohl sie wusste, dass er das Geld niemals würde zurückzahlen können.»

Hasans Anwalt schloss sich diesen Argumenten an und wies darauf hin, dass Franziska ja kein naiver Teenager mehr sei.

Das Gericht unter Vorsitz von Guido Näf sprach die beiden Beschuldigten einstimmig von Schuld und Strafe frei: Sie hätten tatsächlich nicht arglistig gehandelt, so die Begründung.