Der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Bernard Genoud, begrüsste zu Beginn des Gottesdiensts die Eltern der Jugendlichen am Eingang zur Freiburger Christkönigkirche persönlich. Der Bischof kennt die Familie seit Jahren, denn er traute die Eltern und taufte vor bald 17 Jahren auch Lucie.

Die Kirche war während der Trauerfeier zum Bersten voll. Auch vor der Kirche verfolgten Trauernde den mit Lautsprechern nach draussen übertragenen Gottesdienst. Zahlreiche Jugendliche begleitete Lucie auf ihrem letzten Weg - etliche von ihnen in Tränen.

Unter den Trauergästen befanden sich auch die Freiburger Regierungsmitglieder Anne-Claude Demierre und Pascal Corminboeuf. Nach der Trauerfeier wurde Lucie im engsten Familienkreis auf dem St. Leonhard-Friedhof am Freiburger Stadtrand beigesetzt.

Lucies gewaltsamer Tod wird in Freiburg auch am kommenden Sonntag ein grosses Thema sein: Die Familie und Freunde werden an diesem Tag einen Gedenkmarsch durchs Stadtzentrum durchführen. Dieser Marsch soll auch eine Kundgebung zugunsten der raschen Einführung eines Alarmsystems bei Kindsentführungen sein.

Ein weiteres Ziel des Marsches ist es, von den Behörden einen strikteren Umgang mit aus der Haft entlassenen, als gefährlich geltenden Menschen zu fordern, wie Lucies Familie mitteilte. Lucie wurde von einem auf Bewährung entlassenen 25-jährigen Schweizer getötet.

Die Aargauer Bewährungshilfe zeigte sich nach der Kritik an der Betreuung des geständigen Täters offen für Reformen. Der Strafvollzug müsse "kritisch neu beurteilt" werden, sagte Bewährungshilfe-Leiter Otto Moser auf Anfrage. Ohnehin gleiche die Justiz wegen des neuen Strafgesetzbuches derzeit einer Baustelle.

Als einziger Kanton in der Deutschschweiz hat der Aargau die Bewährungshilfe einem gleichnamigen Verein in Auftrag gegeben. Zwischen dem Kanton und dem Verein besteht eine Leistungsvereinbarung.