«Vor, seit, kreuz, rück, seit, schliessen». Die Stimme von Tanzlehrer Nico Zickgraf hallt durch den Raum und 16 Paare drehen im Wienerwalzer-Rhythmus zu Richard Strauss-Melodien.

Im Saal des Badener Tanzcentrums (BTC) bekommen sie den letzten Schliff vor ihrer Reise nach Wien zum Kaffeesiederball in der Hofburg. Dort werden sie in Abendkleid und Smoking zusammen mit 6000 anderen Gästen einen der grössten Bälle der Welt erleben, der noch nach dem klassischen Hofzeremoniell des 18. Jahrhunderts abläuft.

Nebst Walzer gilt es Polka, Quadrille, Foxtrott und Galopp zu erlernen, um auf dem Parkett eine gute Figur zu machen. Als kleines Supplement gibt es vom ausgebildeten Knigge-Fachmann Zickgraf noch ein paar Benimmregeln mit auf den Weg.

Wie fordert man eine Dame zum Tanz auf und geleitet sie stilvoll wieder an ihren Platz? Wie hilft der Herr seiner Partnerin korrekt aus dem Mantel? Was ist zu Tisch «comme il faut» und was nicht? Zickgraf: «Vor 200 Jahren gehörte zu jedem Tanzkurs ganz selbstverständlich ein Knigge-Training.

Ich habe das wieder eingeführt und es kommt sehr gut an.» Die Reise an den Wiener Kaffeesiederball ist einer der vielen Jubiläumsevents, mit denen das Badener Tanzcentrum sein 30-jähriges Bestehen feiert.

Genug vom Reisen und Wettkampf

Die Geburtsstunde des Badener Tanzcentrums schlug am 3. Oktober 1984. Das Gründerteam Viktor und Daniela Berger mit der inzwischen verstorbenen Irene Rothenfluh wollten zusammen mit der Ballettschule von Hans-Jürg Forrer und der Gymnastikschule von Ursula Dietrich unter einem Label professionell geleiteten Tanzunterricht anbieten.

Gestartet wurde an der Bruggerstrasse 44. Das Paar Berger gehörte als 12-fache Schweizermeister in den lateinamerikanischen Tänzen und Standard-Vizeschweizermeister zur Weltspitze im Amateur-Tanzsport. Aber sie hatten von der jahrelangen Reiserei an die verschiedenen Austragungsorte der Wettbewerbe genug.

Daniela Berger erinnert sich: «Wir wollten sesshaft werden. Gute Tanzlehrer gab es in Baden damals nicht viele, und die Nachfrage nach unseren Kursen war so gross, dass wir bald zusätzliche Säle mieten mussten.» 1991 zog das BTC an seinen heutigen Standort, die Martinsbergstrasse 38.

Köpfchen und Muskeln gefragt

Nach Rock 'n' Roll waren Salsakurse heiss begehrt. «Zurzeit gibt es aber keinen wirklichen Hype», meint Berger, «Die klassischen Gesellschaftstänze wie Chachacha, Walzer, Jive, Discofox und Foxtrott sind aber weiterhin sehr beliebt.» In den vier Sälen des BTC herrscht sechs Tage in der Woche Hochbetrieb.

Das Angebot ist riesig. 15 Tanzlehrer unterrichten Hunderte von Kursteilnehmer zwischen 18 und 80 Jahren. «Wir möchten künftig versuchen, auch Schüler und Kinder vermehrt zum Tanzen zu animieren», sagt Berger. Sie weiss aus Erfahrung, dass man in kaum einer anderen Disziplin gleichzeitig Koordination, Gedächtnis und die Muskulatur trainieren kann. Und das Allerwichtigste daran: «Tanzen macht einfach ungeheuer viel Spass.»