Nach den Wahlen
1779 Tage musste Till Schmid auf diesen Moment warten: Jetzt wird ein Sitz im Badener Stadtparlament frei

Fast fünf Jahre lang stand Till Schmid im Team Baden auf dem ersten Ersatzplatz für den Einwohnerrat. Jetzt rückt er ins Parlament nach.

Pirmin Kramer
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Rückt für Benjamin Steiner in den Einwohnerrat: Till Schmid.

Rückt für Benjamin Steiner in den Einwohnerrat: Till Schmid.

zvg

Kaum ein Monat vergeht im Badener Einwohnerrat, ohne dass es zu personellen Wechseln kommt. In der aktuellen Legislaturperiode musste bereits jeder zweite der insgesamt fünfzig Sitze neu besetzt werden. Die Hälfte ihres Personals ausgewechselt haben SP, CVP, SVP, FDP, Grüne und Grünliberale.

Eine Ausnahme ist das Team Baden. Seit fast fünf Jahren hat sich die Zusammensetzung der linksliberalen Fraktion nicht mehr verändert. Bis jetzt: Weil Benjamin Steiner am Sonntag in den Stadtrat gewählt worden ist, wird sein Sitz im Stadtparlament frei. Sein Nachfolger: Till Schmid. Der 29-Jährige musste 4 Jahre und 10 Monate beziehungsweise 1779 Tage auf diesen Moment warten: So lange schon steht er auf dem ersten Ersatzplatz, wie Parteipräsidentin Iva Marelli auf Facebook schreibt. «Wir gratulieren Till zur Wahl in den Einwohnerrat und danken für die Geduld.» Bei den Einwohnerratswahlen 2013 kandidierte Schmid erstmals, verpasste die Wahl aber um einige Plätze. Danach kam es zu Abgängen, Schmid rückte bis auf den ersten Ersatzplatz vor. Bei den Wahlen 2017 schaffte er das neuntbeste Ergebnis aller Team-Kandidaten – ein Resultat gleichbedeutend mit dem ersten Ersatzplatz.

«Ich freue mich sehr, dass ich nun im Einwohnerrat politisieren darf», sagt Till Schmid. «Allerdings habe ich mich bereits in den vergangenen fünf Jahren als Teil der Fraktion gefühlt. Ich nahm immer an den Fraktionssitzungen teil und bin überdies Mitglied der Strategiekommission der Stadt Baden. Dort konnte ich bereits einigen politischen Einfluss nehmen.»

«Musste mir ab und zu einen Spruch anhören»

Die lange Wartezeit sei aber schon aussergewöhnlich: «Ich musste mir ab und zu einen Spruch anhören von meinen Team-Kolleginnen und Kollegen», sagt Schmid und lacht. «Jetzt ist damit endlich Schluss.» Nächste Woche, am 8.Dezember, wird er im Einwohnerrat vereidigt. Schmid, der an der ETH Zürich Raum- und Verkehrsplanung studierte, will sich im Parlament unter anderem beim Thema Mobilität Schwerpunkte setzen.

Warum bleiben Team-Politiker länger im Einwohnerrat als Mitglieder anderer Fraktionen? «Schwierige Frage. Wir fühlen uns sicher alle sehr verbunden mit der Stadt», sagt er. Klar sei, dass die Beständigkeit grosse Vorteile habe: «Das Know-how in unserer Fraktion ist sehr hoch. Wir kennen die Zusammenhänge und verstehen, wie die einzelnen Themen miteinander vernetzt sind», sagt Schmid. In Baden unterscheiden sich die Positionen des Teams kaum von jenen der SP und der Grünen. Hat er nie damit geliebäugelt, für Rot-Grün zu politisieren? Dort hätte er den Sprung in den Einwohnerrat womöglich früher geschafft. «Nein, ein Parteiwechsel kam für mich nie in Frage. Ich teile die Ansichten des Teams zu 100 Prozent.»

Das «Team» findet, dass es eine Lösung für die vielen Veränderungen im Parlament braucht. Die Gründe für die häufigen Wechsel seien zwar meist nachvollziehbar: familiäre und berufliche Veränderungen oder beispielsweise ein Wohnortwechsel. Vertretungslösungen zum Beispiel bei Mutterschaftsurlaub wären ein Weg, um den Verbleib in der Politik zu erleichtern, ist die Partei überzeugt.