Furttal
1806 und 1842 brannten Kempfhof und Würenlos

Die Feuerbekämpfung ist das Thema des neuesten Heftes der Heimatkundlichen Vereinigung Furttal. Brandschutz war zu früheren Zeiten mindestens ebenso wichtig wie heute. Nur die Mittel waren weniger wirksam.

Dieter Minder
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Feuerwehrkommandant Stefan Moser ist seit vier Jahren für die Brandbekämpfung verantwortlich. Chris Iseli

Feuerwehrkommandant Stefan Moser ist seit vier Jahren für die Brandbekämpfung verantwortlich. Chris Iseli

1443 und 1540 brannte die Oberburg von Regensberg. 1649 brannte das Dorf Boppelsen und dabei wurden 21 der 30 Häuser ein Raub der Flammen, 3 Kinder kamen ums Leben und 98 Menschen verloren ihr Obdach. Von beiden Ereignissen schreibt Giorgio Vittoirio Girardet im Heft 2013 der Heimatkundlichen Vereinigung Furttal (HVF). Würenlos, die unterste Gemeinde im Furttal, ist insbesondere mit den Bränden von 1806 und 1842 sowie mit der 1806 eingeführten Brandversicherung erwähnt.

Neuzuzüger zahlten Wasserkessel

Der Brandschutz war schon damals primär eine Aufgabe der Gemeinde, wobei die Obrigkeit Regeln festlegte. In der Landvogtei Baden war der Dorfrichter auch Feuerwehrkommandant. Das war eine für das Ancien Regime typische Ämtervermischung, denn die Gewaltenteilung war damals noch unbekannt. 1785 beschloss die Gemeindeversammlung, so ist im Heft zu lesen: «dass alle kamine im Dorff jährlich zwei mahlen durch einen verständigen kaminfeger solen gebutz werden».

Ein moderner Fahrzeugparkt steht für die Brandbekämpfung bereit
8 Bilder
Das alte Spritzenhäuschen an der Schulstrasse
Gradabzeichen und das Wappen der Feuerwehr
Feuerwehrkommandant Stefan Moser links und Materialwart Urs Hediger präsentieren Uniformteile
Feuerwehrkommandant Stefan Moser vor der Standarte
Die Würenloser Feuerwehr vor dem Magazin Wiemel
Schutzhandschuhe für Feuerwehrleute
Stiefel für die neu Eingeteilten

Ein moderner Fahrzeugparkt steht für die Brandbekämpfung bereit

Zur Verfügung gestellt

Das Korpsmaterial wurde mit den Einbürgerungsgebühren der neuen Gemeindebürger vermehrt. Im Jahresbericht 1782 ist nachzulesen: «frembde, welche da einsitzen, ein jeder ein feuerkübel unter der Gemeinde Würenlooss namen und zeichen machen und verfertigen lassen müsse». 1725 kaufte die Gemeinde Feuerhaken und Feuerleitern. Von einer Spritze, wie sie damals schon in Gebrauch waren, ist nichts überliefert. Bekannt ist, dass die Furttaler Gemeinde Buchs im Februar 1798 für 720 Gulden eine Spritze kaufte, die pro Minute rund 150 Liter Wasser verspritzen konnte.

Österreichisches Vermächtnis

Am 1. Januar 1806 nahm die Feuerversicherung im Kanton Aargau den Betrieb auf. Zu verdanken ist dies dem in Rheinfelden geborenen Johann Fetzer (1768 - 1847), der dafür gesorgt hatte, dass mit dem bisher österreichischen Fricktal auch dessen «Feuer-Assekuranz-Societät» in den neuen Kanton überging. Kaum recht aufgebaut, hatte sich diese Institution mit einem grossen Fall im Furttal zu befassen. Am 6. Juni 1806 brannte fast das ganze Dorf Kempfhof ab.

«Wenig oder gar nichts konnte gerettet werden, denn in einer halben Stunde lag alles eingestürzt da in Schutt und Asche», berichtete die Züricher Freitags-Zeitung. Im Heft der Heimatkundlichen Vereinigung ist der Brand ausführlich beschrieben. Da wird von zwei Brüdern berichtet, die: «Vor 9 Jahren feyerten beyde, am gleichen Tag, ihre Hochzeit und jetzt fanden beyde, am gleichen Tag, den gleichen Martertod.» 43 Personen waren betroffen, rund 23000 Franken betrug der Schaden.

Stroh bis Entfelden verweht

Im Jahr 1842 wurden Würenlos und Kempfhof wieder von einer Feuersbrunst heimgesucht. Das Ereignis fand sogar in der Neuen Speyrer Zeitung vom 23. Mai seinen Niederschlag. Sie berichtete: «Der Wind war übrigens so stark, dass er verkohltes Stroh 6 Stunden weit, bis über Aarau hinaus nach Entfelden trug.» 164 Menschen verloren ihr Heim. Weil die Gebäudeversicherung wenig half, lancierten der für die reformierten Würenloser zuständige Otelfinger Pfarrer Germann und sein Schwiegersohn Jakob Kern-Germann aus Aarau einen Spendenaufruf.

Um genügend Wasser zu haben, bauten die Würenloser im Furtbach eine Staustufe, die 1920 abgebrochen wurde. Erwähnt wird auch der Brand von 1968. Er war jedoch keine Katastrophe, sondern ein warmer Abbruch durch die Feuerwehr. Das ehemalige Bergerhaus musste dem Neubau Centrum 68 weichen. Weitere Ereignisse, wie das Würenloser Spritzenfest von 1985 werden ebenfalls erwähnt.

Unabhängig dank Barriere

Das letzte Kapitel des Heftes ist der Entwicklung der Feuerwehren im Furttal nach 1989 gewidmet. Im Abschnitt zu Würenlos steht: «Einzig die Gemeinde Würenlos blieb durch ihre Grösse von über 4000 Einwohnern und der schlechten Erreichbarkeit von den Nachbargemeinden her (Löschmannschaften von Wettingen laufen Gefahr, an der Barriere gestoppt zu werden) von Fusionsdiskussionen verschont.» Diese Situation besteht immer noch.