125 Jahre Regionalwerke Baden

1891: Das Jahr des grossen Coups der Regionalwerke Baden

Im Zeitraffer durch die bewegte Geschichte des regionalen Energieversorgers.

Wir schreiben das Jahr 1889, als die Badener Gebrüder Louis Theodor und Carl Pfister um die Konzession für das Wasserkraftwerk Kappelerhof ersuchen. Inspiriert von der Elektrizität an der Pariser Weltausstellung haben sie erkannt, dass der Elektrizität die Zukunft gehört. Sie überzeugen die jungen Ingenieure Charles Brown und Walter Boveri, die für ihre Pläne in der Elektrotechnik Land suchen, vom Industriestandort Baden. Für den Standort und die anschliessende Gründung der BBC sprechen der Anschluss an die Welt (Eisenbahn) und die günstigen Landkosten.

Am 23. Februar 1891 stossen die Brüder Pfister und Walter Boveri, Charles Brown, dessen Vater Charles sowie Boveris Schwiegervater, Conrad Baumann, Seidenindustrieller, mit einem Glas Goldwändler an. Eben haben sie beschlossen, ein Elektrizitätswerk zu bauen. Es ist die Geburtsstunde der Elektrizitätsversorgung und der Industriestadt. Am 9. Mai wird die Elektrizitätsgesellschaft Baden (EGB) gegründet. Am Aktienkapital von 350 000 Franken beteiligt sich auch die Stadt Baden. Im selben Jahr erfindet Charles Brown den Wechselstrom – Elektrizität wird transportierbar.

Bereits 1892 erfolgt der erste erfolgreiche Probelauf des Kraftwerks Kappelerhof, eines der ersten Wasserkraftwerke der Schweiz. Im selben Jahr geht die erste BBC-Fabrik in Betrieb. Baden wird zum Magnet für Arbeitssuchende. Die Stadt wächst und damit auch die Nachfrage nach elektrischer Energie. Per Ende 1893 sind 2518 Glüh- und 61 Bogenlampen sowie 15 Elektromotoren mit gesamthaft 65 Kilowatt Leistung in Betrieb. Die Gebrüder Pfister lassen das Kraftwerk ausbauen. 1893 und 1896 wird die Zahl der Maschinengruppen, geliefert von der BBC, von zwei auf vier erhöht. 1904 brennt die Spinnerei Spoerry in der Aue nieder. Die EGB kauft das Gelände mit der alten Turbinenanlage und baut ein neues Kraftwerk, das im Juli 1909 in Betrieb geht.

Heute beziehen die Regionalwerke elektrische Energie aus vier Wasserkraftwerken Kappelerhof, Aue, Schiffmühle, Turgi sowie zwei (durch Restwasser betriebene) Dotierkraftwerken, Photovoltaikanlagen (Sonne), während die Fernwärme Dättwil auf erneuerbare Energien umgestellt wird.

EGB als Gasversorger

Zwar gab es schon 1868 ein Gaswerk, das von den Hoteliers gegründet wurde und die wenigen Strassenlaternen sowie die Beleuchtung in den Speisesälen der Hotels speist, die zuvor mit Öl betrieben wurden. Obschon das Gas die Elektrizität konkurrenziert, übernimmt die EGB im Jahr 1894 die Gasgesellschaft. Das kohlebasierte Leuchtgas hält sich, bis das ungiftige Erdgas in den 1960er-Jahren den Durchbruch schafft. 1966 wird das Gaswerk der städtischen Werke stillgelegt. Mit dem Ölschock von 1979 erlebt der Gasabsatz einen erneuten Boom und verneunfacht sich bis 1989.

Heute verfügt die Regionalwerke AG über ein grosses Erdgasnetz und liefert jährlich 350 Millionen Kilowattstunden. Neu und immer mehr kommt das Biogas auf, produziert aus organischen Abfällen. In Turgi ist eine Klärgas-Aufbereitungsanlage geplant, die Biogas mit Erdgasqualität ins Gasnetz speisen wird.

EGB auch als Trinkwasserversorger

Carl Pfister, damals Stadtammann von Baden, setzt sich Ende 19. Jahrhunderts für die Versorgung der Stadt mit Quellwasser ein. Es werden Quellrechte oberhalb Spreitenbach und Killwangen gekauft mitsamt dem Egelsee. Bald reicht die Wasserversorgung nicht mehr, der Verbrauch pro Kopf und Tag ist von 180 auf 270 Liter gestiegen. Beim Bau des Kraftwerks Aue stösst man im Jahr 1906 unverhofft auf grosses Grundwasservorkommen. Trotz politischer Gegenwehr und Skepsis – die Bevölkerung lenkt erst ein, als der Stadtrat droht, zwei Stunden täglich das Wasser abzustellen – fliesst ab 27. Juli 1907 Grundwasser aus der Aue aus den Wasserhahnen.

Heute betreibt die Regionalwerke AG ein grosses Wassernetz mit hoher Versorgungssicherheit, das aus sieben Druckzonen, neun Reservoirs, 34 Quellen und drei Grundwasser-Pumpwerken besteht (Aue, Hinterhofwald, Langacker).

Betriebliche Meilensteine

1917 kauft die Einwohnergemeinde die Einrichtungen der EGB, die per 1 Januar 1918 an die Städtischen Werke Baden (STWB) übergehen. 1934 wird das neue Verwaltungsgebäude an der Haselstrasse bezogen. 1958 bieten die STWB die ersten zündgesicherten Gasherde an. 1974 strömt erstmals reines Erdgas durchs Netz. 1984 geht das Turmreservoir Baldegg als Löschwasserreserve für Baldegg und Münzlishausen in Betrieb. 1994 gründen die STWB und das Aargauische Elektrizitätswerk die Limmat-Kraftwerke AG. 1999 werden die STWB in die Regionalwerke AG Baden überführt. 2003 Bezug des neuen Werkhofs Roggebode, 2007 Einweihung der neuen Weihnachtsbeleuchtung.

Tag der offenen Tür Sa., 21. Mai, 10–16 Uhr. Standorte: Verwaltungsgebäude, Werkhof, Kraftwerk Kappelerhof, Heizzentrale Baden Nord und Reservoir Belvédère.

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